Spritpreise steigen weiter – Ölpreis über 100 Dollar
Die anhaltende Eskalation im Nahen Osten lässt die Kraftstoffpreise in Deutschland weiter steigen. Zu Wochenbeginn zahlen Autofahrerinnen und Autofahrer im Schnitt 2,25 Euro für einen Liter Superbenzin der Sorte E10 – ein Anstieg von elf Cent im Vergleich zu Ende August. Ein Liter Diesel kostete am Montagmorgen 2,38 Euro, 20 Cent mehr als vor zwei Wochen.
Das ergibt die Datenanalyse des SWR, die alle Kraftstoffpreise der rund 15.000 deutschen Tankstellen auswertet. Am Sonntag lagen die Preise laut dem Vergleichsportal "Clever tanken" in der Spitze bei rund 2,42 Euro für einen Liter E10, Diesel kostete sogar 2,55 Euro pro Liter.
Rohölpreis steigt auf über 107 Dollar
Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten sorgt dafür, dass die Preise für Rohöl auf hohem Niveau bleiben. Schon in der Nacht zum Freitag war der Preis für ein Fass der Nordsee-Referenzsorte Brent in Richtung 110 Dollar gestiegen. Aktuell werden rund 107 Dollar bezahlt. Damit liegt der Ölpreis erstmals seit August 2022 wieder über der 100-Dollar-Marke.
Die Straße von Hormus, durch die normalerweise rund 20 Millionen Barrel Öl pro Tag transportiert werden – etwa ein Viertel des weltweiten Seehandels mit Öl –, ist durch den Konflikt stark beeinträchtigt. Der Schiffsverkehr ist nach Medienberichten um rund 95 Prozent zurückgegangen, von mehr als 100 Schiffen täglich auf nur noch etwa fünf. Da etwa 88 Prozent des gesamten Öls aus dem Persischen Golf diese Meerenge passieren, gelten alternative Exportrouten als strategisch entscheidend.
Angriffe auf saudische Pipeline
Hintergrund des jüngsten Preisschubs ist der Krieg zwischen Saudi-Arabien und den jemenitischen Huthi-Rebellen, die dem Iran nahestehen. Um der Sperrung der Straße von Hormus auszuweichen, hat Saudi-Arabien die Verschiffung über seine Häfen am Roten Meer verstärkt und nutzt dazu die Ost-West-Pipeline quer durch das Land. Diese Pipeline, die eine Kapazität von sieben Millionen Barrel pro Tag hat und Rohöl von den östlichen Ölfeldern zum Hafen von Yanbu am Roten Meer transportiert, wurde zuletzt von den Rebellen attackiert.
Dies setzt das Königreich, das mit einer Produktion von etwa 10,1 Millionen Barrel pro Tag der größte Ölproduzent der Welt ist, erheblich unter Druck. Zudem wurde ein für heute geplantes Treffen zwischen Iran und den Golf-Anrainerstaaten im Oman, bei dem über die Lage in der Straße von Hormus verhandelt werden sollte, verschoben.
Steuern machen Großteil des Spritpreises aus
Ein Ende der Preisspirale in Deutschland ist nicht abzusehen. Dabei entfällt ein erheblicher Teil des Tankstellenpreises auf staatliche Abgaben: Etwa 58 Prozent des Benzinpreises und 48 Prozent des Dieselpreises gehen an den Staat. Die Energiesteuer liegt bei 65,45 Cent pro Liter Benzin und 47,04 Cent pro Liter Diesel, hinzu kommen 19 Prozent Mehrwertsteuer und ein CO2-Aufschlag.
Als Reaktion auf die stark gestiegenen Preise hatte die Bundesregierung bereits eine temporäre Steuersenkung um 17 Cent pro Liter für Benzin und Diesel über zwei Monate beschlossen. Diese Maßnahme im Umfang von rund 1,6 Milliarden Euro soll Verbraucherinnen und Verbraucher entlasten.
Was können Autofahrer tun?
Den Autofahrerinnen und Autofahrern bleibt derzeit nichts anderes, als zu versuchen, Preisschwankungen möglichst auszunutzen. Spritpreise dürfen nur einmal am Tag um 12 Uhr mittags erhöht werden. Oftmals sind die Notierungen am späten Vormittag kurz vor den neuen Preisen am günstigsten – ein kurzer Blick könnte sich also lohnen.
Die hohen Spritpreise haben auch andere Folgen. Immer mehr Verbraucherinnen und Verbraucher interessieren sich für E-Autos, deren Absatz zuletzt deutlich gestiegen ist. Angefeuert wird dies auch dadurch, dass vor allem chinesische Anbieter verstärkt in den deutschen Markt drängen, was die hohen Preise für E-Autos bröckeln lässt. Fast jedes dritte neu zugelassene Auto im August fuhr elektrisch.
Auch die Preise für Heizöl steigen infolge der Entwicklung am Ölmarkt deutlich an, was zusätzlichen finanziellen Druck auf die Verbraucher ausübt.



