Textil-Discounter Primark installiert Metallgitter gegen Obdachlose in Essen

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Der internationale Modehändler Primark hat am Seiteneingang seiner Filiale am Essener Kennedyplatz fest verschraubte Metallgitter angebracht, um Obdachlose am Übernachten zu hindern. Die Maßnahme löst kontroverse Diskussionen aus.

Textil-Discounter Primark installiert Metallgitter gegen Obdachlose in Essen

Der Textil-Discounter Primark hat am Seiteneingang seiner Filiale am Essener Kennedyplatz Metallgitter installiert, die Obdachlose daran hindern sollen, dort zu übernachten. Die wie große Alu-Leitern mit Zacken aussehenden Konstruktionen sind fest mit Außenwand und Boden verbunden und verhindern, dass Menschen sich dort länger aufhalten oder schlafen können.

Das irische Modeunternehmen, das seit 2009 in Deutschland aktiv ist und seine deutsche Regionalzentrale in Essen unterhält, rechtfertigt die bauliche Maßnahme mit dem Schutz von Mitarbeitenden und Kunden. Der internationale Konzern mit 495 Filialen in Europa und den USA und einem Umsatz von über 9,4 Milliarden Pfund im Jahr 2024 erklärt, dass wohnungslose Menschen häufiger am Eingangsbereich übernachtet und sich auch zu Öffnungszeiten dort aufgehalten hätten.

Wir wissen, dass Wohnungslosigkeit für die betroffenen Menschen mit äußerst schwierigen Umständen verbunden ist und es hierfür keine einfachen Lösungen gibt

teilte die Primark-Pressestelle mit. Die Maßnahme solle verhindern, "dass der Bereich als langfristiger Aufenthaltsort genutzt wird" und den freien Zugang zum Geschäft für Mitarbeitende und Kunden gewährleisten.

Ob die Gitter das gewünschte Ergebnis erzielen, ist jedoch fraglich. Beobachtungen zufolge haben sich wohnungslose Menschen trotz der Konstruktion unter den Gittern zum Schlafen hingelegt.

Kontroverse Reaktionen in sozialen Netzwerken

Die Installation der Gitter hat in den sozialen Medien eine heftige Debatte ausgelöst. Unter einem Facebook-Post des WDR zu dem Thema äußerten sich Nutzerinnen und Nutzer kontrovers. "Das ist eine derart widerliche Maßnahme, die denen hoffentlich so richtig auf die Füße fallen wird. Pfui Teufel", kritisierte Userin Birgit Wagner. Andere reagierten ironisch: "Tolle Konstruktion. Kann man gut eine Plane drüber spannen und ist so wind- und regengeschützt", kommentierte Ralf Linge.

Während einige Nutzer Verständnis für die Maßnahme zeigten, kritisierten andere die Gitter als Beispiel für sogenannte "defensive Architektur". Dieser Begriff bezeichnet städtebauliche Gestaltungselemente, die bestimmte Gruppen von öffentlichen Räumen fernhalten sollen, indem sie bestimmte Verhaltensweisen erschweren oder unmöglich machen. Zu solchen Maßnahmen zählen unter anderem:

  • Metallspitzen gegen Obdachlose
  • Bänke mit Armlehnen, die das Liegen verhindern
  • schräge Fensterbänke
  • strategisch platzierte Pflanzkübel und Felsblöcke

Vergleichbare Installationen wurden bereits in deutschen Städten wie Heidelberg dokumentiert. Facebook-User Julian Joussen forderte: "Obdachlosenfeindliche Architektur gehört verboten."

Wachsendes Problem der Wohnungslosigkeit

Die Maßnahme erfolgt vor dem Hintergrund eines wachsenden Problems in der Region. Nordrhein-Westfalen, wo Essen liegt, verzeichnet mit 31.700 betroffenen jungen Menschen die höchste Zahl obdachloser Jugendlicher in Deutschland. Bundesweit waren laut offizieller Statistik des Statistischen Bundesamtes zum 31. Januar 2026 rund 452.900 Menschen aufgrund von Wohnungslosigkeit untergebracht, was einem Rückgang von fünf Prozent gegenüber 474.700 im Jahr 2025 entspricht.

Die Stadt Essen betreibt verschiedene Hilfsangebote für wohnungslose Menschen, darunter eine zentrale Beratungsstelle an der Lindenallee 55, eine Notunterkunft an der Liebrechtstraße, die seit über 30 Jahren von der AWO Essen betrieben wird, sowie Essensausgabestellen am Weberplatz und an der Marktkirche.

#Wohnungsmarkt#Migration
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