Geschworene sprechen früheren Gang-Anführer im Mordfall Tupac Shakur schuldig
Ein Geschworenengericht in Las Vegas hat den früheren Anführer der Straßengang South Side Compton Crips, Duane Davis, im Mordfall an Rapper Tupac Shakur schuldig gesprochen. Die Jury sah es als erwiesen an, dass der 63-Jährige als Drahtzieher für den Tod des Künstlers verantwortlich ist, der am 13. September 1996 im University Medical Center in Las Vegas starb.
Davis wird nicht vorgeworfen, selbst auf Shakur geschossen zu haben. Nach dem Recht des Bundesstaates Nevada kann jedoch auch jemand wegen Mordes verurteilt werden, der einem anderen bei der Tat hilft. Die Staatsanwaltschaft sieht in Davis den Organisator der Vergeltungsaktion, der die Waffe beschafft haben soll.
Der Tathergang im September 1996
Der Rapper, der mit fünf Nummer-eins-Alben und sechs Grammy-Nominierungen zu den einflussreichsten Künstlern seiner Generation zählt, wurde in der Nacht des 7. September 1996 in Las Vegas erschossen. Shakur hatte zuvor einen Boxkampf zwischen Mike Tyson und Bruce Seldon im MGM Grand besucht, bei dem Tyson seinen Gegner in einem Knockout besiegte, der weniger als zwei Minuten dauerte.
Nach dem Kampf kam es im Foyer des MGM Grand Casinos zu einer körperlichen Auseinandersetzung zwischen Shakur und seinem Gefolge sowie Orlando Anderson, einem Mitglied der South Side Compton Crips. Die Schlägerei wurde von Überwachungskameras aufgezeichnet. Staatsanwälte sehen in diesem Vorfall das Motiv für die spätere tödliche Attacke.
Gegen 23:15 Uhr an jenem Abend fuhr ein weißer Cadillac an die Kreuzung Flamingo Boulevard und Koval Lane heran, wo er neben dem BMW hielt, in dem Shakur als Beifahrer neben Suge Knight saß. Bei dem Drive-by-Angriff wurde der Rapper von vier Kugeln getroffen. Sechs Tage später erlag er im Krankenhaus einem Atemversagen und Herzstillstand, nachdem Ärzte seine rechte Lunge entfernt hatten.
Jahrzehntelange Ermittlungen
Orlando Anderson, der als mutmaßlicher Schütze galt, wurde am 29. Mai 1998 bei einer Schießerei zwischen Gangs in Los Angeles getötet, bevor er im Zusammenhang mit Shakurs Tod angeklagt werden konnte. Davis ist damit die einzige noch lebende Person, die sich in dem Angriffswagen befand, und die einzige Person, die jemals in diesem Fall angeklagt wurde.
Die Ermittlungen kamen jahrzehntelang wegen mangelnder Beweise kaum voran. Der Durchbruch gelang erst, nachdem Davis öffentliche Aussagen über seine Beteiligung an der Tat gemacht hatte. In seiner 2019 erschienenen Autobiografie Compton Street Legend sowie in Fernsehdokumentationen hatte er sich zu seiner Rolle geäußert. Diese Aussagen führten im September 2023 zu seiner Festnahme.
Hintergrund: Gang-Rivalität
Der Fall wurzelt in einer Fehde zwischen rivalisierenden Gangs. Die von Davis angeführten South Side Compton Crips standen im Konflikt mit Mob Piru, einer mit den Bloods verbündeten Gang, der Suge Knight nahestand. Staatsanwälte gehen davon aus, dass die Schüsse auf Shakur aus dieser Gang-Rivalität resultierten.
Vor Gericht hatte Davis auf nicht schuldig plädiert. Tupac Shakur, der zum Zeitpunkt seines Todes 25 Jahre alt war, wurde 2017 posthum in die Rock & Roll Hall of Fame aufgenommen und erhielt 2023 einen Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.






