Falkland-Konflikt mit Rückendeckung von Trump
Argentiniens Präsident Javier Milei hat den Konflikt um die Falklandinseln neu entfacht. In einer landesweit übertragenen Fernsehansprache vergangene Woche erklärte er, die Inseln seien "historisch und rechtlich argentinisch". Er kündigte den Bau einer Militärbasis auf Feuerland an und verhängte Sanktionen gegen britische und israelische Unternehmen, die in den Gewässern rund um die Falklands nach Öl suchen.
Die Falklandinseln, auf Spanisch Malvinas genannt, liegen rund 400 Kilometer vor der argentinischen Küste im Südatlantik. Seit Januar 1833 stehen sie dauerhaft unter britischer Verwaltung, nachdem HMS Clio dort eintraf und die verbliebenen argentinischen Beamten ohne Waffengewalt vertrieb. Argentiniens Anspruch auf die Inseln ist in der Verfassung verankert und basiert auf der Rechtsnachfolge spanischer Kolonialansprüche.
Kurswechsel mit Trumps Rückendeckung
Mileis neue Offensive markiert einen deutlichen Kurswechsel. In den vergangenen Jahren hatte der argentinische Präsident noch Annäherung zu London gesucht. "Weltweit weht ein Wind des Wandels, der unseren Anspruch begünstigt", erklärte Milei nun. Dieser Wind ist vor allem US-Präsident Donald Trump, der kurz zuvor gegenüber einem britischen Internetportal angekündigt hatte, die USA würden ihre Position im Falkland-Konflikt überdenken.
Trump begründete dies auch mit mangelnder britischer Unterstützung im Irankrieg. Bisher hatte Washington die britische Herrschaft akzeptiert, sich aber neutral verhalten. Ob die USA tatsächlich einen Positionswechsel vollziehen, bleibt allerdings offen. Die Äußerungen sind dennoch ein politisches Geschenk für den Verbündeten Milei.
"Und damit kann er nun wieder die nationale Flagge hissen", sagt Martin Schapiro, Anwalt und Experte für internationale Beziehungen. Innenpolitisch stehe die Regierung unter Druck. Die Wirtschaft komme nicht in Schwung, die Umfragewerte seien stark gesunken, nächstes Jahr stünden Wahlen an. In Punkto Falklands habe Milei in der Kritik gestanden, die nationalen Interessen nicht zu verteidigen.
Nationales Trauma von 1982
Der verlorene Falklandkrieg von 1982 bleibt für Argentinien ein nationales Trauma. Der 74-tägige Konflikt, der vom 2. April bis 14. Juni dauerte, kostete 649 argentinische und 255 britische Soldaten das Leben. Drei Zivilisten auf den Inseln starben, als eine britische Granate versehentlich ein Haus in Port Stanley traf. Die Militärdiktatoren unter General Leopoldo Galtieri hatten mit dem Krieg nochmal Stärke demonstrieren wollen. Galtieri wurde nur drei Tage nach der Niederlage, am 17. Juni 1982, aus dem Amt entfernt.
"Las Malvinas son argentinas" - die Falklands gehören zu Argentinien - steht auf dem Banner, das Argentiniens Nationalmannschaft nach dem Sieg gegen England im WM-Halbfinale hisste. Der Anspruch auf die Inseln ist eine Art Staatsräson. Nicht nur für Argentinien, auch für andere lateinamerikanische Staaten ist die britische Enklave ein Überbleibsel des Kolonialismus.
Öl erhöht den Druck
Dass nun Bauarbeiten zur Erschließung des Sea Lion-Ölfeldes beginnen sollen, erhöht den Druck auf Milei. Das 2010 entdeckte Ölfeld liegt etwa 220 Kilometer nördlich der Falklandinseln und enthält schätzungsweise 917 Millionen Barrel förderbares Öl. Im Dezember 2025 trafen Navitas Petroleum mit 65 Prozent Anteil und Rockhopper Exploration mit 35 Prozent die finale Investitionsentscheidung. Die erste Ölförderung ist für 2028 geplant.
Das Projekt könnte den Falklandinseln über 35 Jahre hinweg Einnahmen von rund vier Milliarden Pfund bescheren. Es geht aber nicht nur um Rohstoffe, sondern auch um den strategischen Zugang zur Antarktis. "Die Vereinigten Staaten erwägen diesen Positionswechsel, weil sie wissen, dass Argentinien ein zuverlässiger Partner ist", so Milei, "auf die westlichen Werte ausgerichtet und in einer strategisch wichtigen Lage".
Sanktionen gegen Ölkonzerne
Unterdessen erhöhte Milei den Druck auf die Ölkonzerne. Die Regierung in Buenos Aires gab am Montag bekannt, rechtliche Schritte gegen Unternehmen eingeleitet zu haben, die mit dem israelisch-britischen Ölprojekt in Verbindung stünden. Außerdem werde gegen 60 Unternehmen und Einzelpersonen ermittelt, die in der Region tätig seien.
Den Betroffenen werde es untersagt, Verträge mit der argentinischen Regierung abzuschließen, Steuervorteile in Anspruch zu nehmen oder dem RIGI-Investitionsprogramm beizutreten, das Anreize für die Investition in Großprojekte schaffen soll - beispielsweise auch der Erschließung neuer Ölvorkommen in Patagonien.
London beharrt auf Selbstbestimmung
Großbritannien verurteilte Mileis Äußerungen und erklärte, die Falklandinseln würden so lange britisch bleiben, wie die dort lebenden Menschen dies wünschten. Die rund 3600 Kelper, wie die Bewohner der Falklandinseln heißen, stimmten 2013 in einem Referendum für den Verbleib im Vereinigten Königreich. Von 1513 abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 92 Prozent sprachen sich 99,8 Prozent für die Zugehörigkeit zu Großbritannien aus. Nur drei Personen stimmten dagegen.
Ob die USA ernsthaft einen Positionswechsel vollziehen, ist damit noch lange nicht gesagt. Trump mischt sich in Lateinamerika derzeit so offen ein wie lange nicht mehr - eine Neuauflage der historischen Hinterhofpolitik Washingtons in der Region.







