Trump fordert Rückzahlung europäischer Ukraine-Hilfen aus Biden-Ära
US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, von europäischen Staaten die Rückzahlung von Militärhilfen für die Ukraine zu fordern, die während der Amtszeit seines Vorgängers Joe Biden bereitgestellt wurden. In einer Mitteilung auf seinem Netzwerk Truth Social sprach Trump von „Hunderten Milliarden Dollar", die die Vereinigten Staaten kostenlos geleistet hätten – eine Summe, die Europa hätte übernehmen sollen, wenn man die Europäer nur darum gebeten hätte. „Wir werden dieses Geld einfordern, wenn auch etwas verspätet", erklärte der Präsident.
Die von Trump genannte Summe weicht jedoch erheblich von den dokumentierten Zahlen ab. Nach offiziellen Angaben beliefen sich die US-Militärhilfen an die Ukraine unter der Biden-Administration auf rund 66,5 Milliarden Dollar seit Beginn der russischen Vollinvasion im Februar 2022. Dem stehen nach Angaben des Kieler Instituts für Weltwirtschaft europäische Gesamthilfen von etwa 195 Milliarden Dollar gegenüber, die alle Formen der Unterstützung – militärisch, finanziell und humanitär – umfassen. Die EU und ihre Mitgliedstaaten haben damit insgesamt mehr zur Ukraine-Unterstützung beigetragen als die USA.
Unter den europäischen Einzelstaaten sind Deutschland und das Vereinigten Königreich die größten Geldgeber. Deutschland stellte zwischen Januar 2022 und Juni 2025 militärische Hilfen im Wert von 16,5 Milliarden Euro bereit, Großbritannien 13,8 Milliarden Euro.
Interessanterweise existiert bereits seit Juli 2025 ein NATO-gesteuertes Programm namens PURL, das es europäischen Verbündeten ermöglicht, US-Waffen für die Ukraine aus amerikanischen Beständen zu finanzieren. Dieses Mechanismus hat bis Mitte 2026 bereits über sechs Milliarden Dollar an europäischen Beiträgen generiert.
Munitionsbestände durch Iran-Krieg gesunken
Trumps Äußerungen erfolgen vor dem Hintergrund wachsender Besorgnis über den Zustand der amerikanischen Waffenbestände. Der am 28. Februar 2026 begonnene Krieg gegen den Iran, der von den USA als „Operation Epic Fury" bezeichnet wird, dauert inzwischen über sechs Monate an und hat die Vorräte an Präzisionswaffen erheblich dezimiert.
Besonders dramatisch ist die Lage bei Patriot-Abfangraketen: Die Bestände sanken von etwa 3.100 Einheiten vor Kriegsbeginn auf ungefähr 800 Ende Juli 2026. Auch die Vorräte an ATACMS-Raketen und anderen hochentwickelten Waffensystemen sind deutlich geschrumpft. Die Produktion solcher Waffen ist komplex und zeitaufwendig, da sie Präzisionssensoren, Mikrochips und spezielle Feststoffraketenantriebe erfordern. Verteidigungsexperten warnen, dass moderne Konflikte solche Bestände innerhalb von Wochen oder Monaten erschöpfen können, während die Ersatzproduktion Jahre dauert.
Trump selbst versuchte, diese Sorgen zu zerstreuen. Die USA verfügten über „praktisch unbegrenzte Mengen an Munition", erklärte er. Es gebe „deutlich mehr, als für den Einsatz gegen den Iran benötigt" werde. Zudem produzierten die Vereinigten Staaten Munition in großem Umfang.
Analysten des Center for Strategic and International Studies (CSIS) bestätigen, dass die verbliebenen US-Bestände für die Fortsetzung des Iran-Kriegs unter jedem plausiblen Szenario ausreichen. Die eigentliche Herausforderung liege jedoch in der Bereitschaft für mögliche künftige Konflikte, insbesondere mit gleichwertigen Gegnern wie China.
Politische Dimension vor den Zwischenwahlen
Die Debatte um Waffenlieferungen und Munitionsbestände erhält zusätzliche Brisanz durch den politischen Kalender. Im November 2026 stehen in den USA Zwischenwahlen an, bei denen die Republikaner ihre Mehrheiten in beiden Kammern des Kongresses verteidigen müssen. Sowohl der Ukraine-Krieg als auch der Iran-Konflikt und ihre wirtschaftlichen Folgen könnten das Wahlverhalten der amerikanischen Bevölkerung beeinflussen und damit die Machtverhältnisse im Kongress verändern.







