Fünf Turniere von der Entscheidung betroffen
Mit seiner Berufung gegen den Ausschluss hatte der russische Verband vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS Erfolg: Die infolge des Ukraine-Krieges verhängte Sperre wurde für die Saison 2026/2027 mit sofortiger Wirkung aufgehoben. Noch im Januar hatte der Weltverband IIHF russische Mannschaften unter Verweis auf fortbestehende Sicherheitsbedenken für diese Spielzeit ausgeschlossen.
Die Schiedsrichter entschieden einstimmig, dass die vorgelegte Begründung nicht ausreiche. Nach den Verbandsregeln setzt ein Ausschluss wegen der Nationalität nachweisbar begründete Sicherheitsrisiken voraus. Die IIHF will den Beschluss akzeptieren, wenn auch widerwillig.
Wie DW berichtet, ordnete der CAS ausdrücklich die Zulassung Russlands zu fünf bevorstehenden Turnieren an. Zuerst betroffen ist die Junioren-WM der Männer, die am 26. Dezember 2026 im kanadischen Edmonton beginnt. Auch die Männer-WM im Mai 2027 in Deutschland und die Frauen-WM im November 2027 in Kanada gehören dazu. Nicht erfasst ist dagegen die Frauen-WM, die am 6. November 2026 in Dänemark startet: Sie wird in der CAS-Erklärung nicht genannt.
Unklarheit über das Teilnehmerfeld der Heim-WM
Russlands sportliche Qualifikation für die A-Gruppe der WM 2027 beruht laut ran auf einer eingefrorenen Weltranglistenposition. Beim Ausschluss 2022 stand das Team auf Rang zwei. Diesen Platz hielt die IIHF fest, obwohl Russland seither keine Punkte mehr gesammelt hat. Mit zusammen 27 Männer-WM-Titeln liegen Russland und sein Vorgänger Sowjetunion in der Erfolgsbilanz hinter Kanada, das 28 Titel gewann.
Wie Russland in das Teilnehmerfeld aufgenommen werden soll, ist nach Einschätzung von ran offen. Zur Debatte steht, ob es bei 16 Mannschaften bleibt oder das Feld auf 18 Teams wächst, um Russland und Belarus aufzunehmen. Belarus belegte bei seiner Suspendierung Weltranglistenplatz 14. Möglicherweise müsste die Ukraine ihren Platz für Russland räumen.
Die Ukraine hat sich gemeinsam mit Kasachstan für die A-Gruppe qualifiziert. Nach Angaben von DW gelang ihr der Aufstieg in diesem Jahr beim Division-1-Turnier in Polen. Nach dem Abstieg 2007 wäre die WM 2027 ihre Rückkehr in die internationale Top-Division nach 20 Jahren.
Widerstand in Deutschland und anderen Verbänden
Für den Deutschen Eishockey-Bund ändert das Urteil nichts an seiner Haltung. Vorstandsvorsitzender Frank Lutz bekräftigte, dass der Gastgeber der WM 2027 eine Teilnahme russischer Mannschaften entschieden ablehne. Der Gießener Anzeiger berichtet von erheblichen sicherheitsrelevanten, politischen und wirtschaftlichen Folgen, die eine Zulassung für das Turnier hätte. Auch die sportlich qualifizierte Ukraine gehört zum vorgesehenen Teilnehmerfeld.
In Schweden führte die Entscheidung zu einer Boykott-Debatte. Niklas Wikegard aus dem Management von Djurgården verlangte, Schweden solle bei einer russischen Teilnahme auf einen Start verzichten. Der schwedische Verbandschef Anders Larsson schloss einen Boykott hingegen aus. Ablehnende Reaktionen kamen auch von den Verbänden aus Finnland, Tschechien und Österreich.
IIHF muss Einreise und Organisation klären
Die sportrechtliche Zulassung beantwortet noch nicht die Frage, ob russische Athleten in alle Gastgeberländer einreisen dürfen. Das ist unter anderem für Kanada, Tschechien und die USA ungeklärt, wo weitere Weltmeisterschaften stattfinden. Die IIHF muss nun mit ihren nationalen Mitgliedsverbänden die visarechtlichen und logistischen Voraussetzungen für die Turniere klären.
Diese Aufgaben treffen den Weltverband kurz nach einem Wechsel an seiner Spitze. Erst im Oktober 2026 hatte der Deutsche Franz Reindl das Präsidentenamt vom Franzosen Luc Tardif übernommen, berichtet DW.
Der DEB will die rechtlichen und organisatorischen Folgen des Urteils gemeinsam mit der IIHF im Detail prüfen, um mögliche Schäden für die Heim-WM zu begrenzen. Über konkrete nächste Schritte will der Verband in Kürze informieren.


