Technische Störung an der Friesenbrücke stoppt vollbesetzten Zug

lake-7bd2c89d-3107-4f8d-b0a1-d622bfc093a3-0.jpg

Ein Zug aus Groningen hat am 17. Oktober die erst am 5. Oktober 2026 wiedereröffnete Friesenbrücke nicht passieren können. Die Fahrt endete für viele Reisende zunächst in Weener. Ein Fahrgast berichtet von fehlenden Informationen, einem überfüllten Linienbus und einer Stunde Verspätung am Ziel.

Rückfahrt nach Weener statt Weiterfahrt nach Leer

Der vollbesetzte Zug war am Samstag von Groningen nach Leer unterwegs, wo der traditionelle Gallimarkt stattfand. Vor der geöffneten Friesenbrücke musste er an einem roten Signal halten. Nach dem Bericht eines Mitreisenden erklärte der Triebfahrzeugführer nach etwa zehn Minuten auf Niederländisch und Deutsch, er könne den zuständigen Fahrdienstleiter nicht erreichen. Wann die Fahrt weitergehen werde, sei unklar.

Etwa eine halbe Stunde nach dem Halt habe der Triebfahrzeugführer erneut informiert: Der Fahrdienstleiter sei inzwischen erreicht, die Brücke wegen eines technischen Problems aber nicht befahrbar. Der Zug setzte nach Weener zurück. Wie die Fahrgäste von dort nach Leer gelangen sollten, blieb dem Augenzeugen zufolge offen.

Viele Reisende stiegen in Weener aus und nutzten einen regulären Linienbus. Dieser war danach so überfüllt, dass er unterwegs nach Leer keine weiteren wartenden Fahrgäste aufnehmen konnte. Am Bahnhof Leer blieben der Reisegruppe, zu der auch Menschen mit Einschränkungen gehörten, nur drei Minuten für den Umstieg in den bereitstehenden Zug nach Oldenburg. Dort trafen sie mit einer Stunde Verspätung ein.

Der Augenzeuge bezeichnete den frühen Ausfall der neuen Brücke als Skandal. Er bemängelte sowohl die interne Kommunikation als auch die fehlenden Informationen für die gestrandeten Fahrgäste. Nach dieser Erfahrung zweifle er daran, dass die Strecke die Erwartungen der Bevölkerung erfüllen könne.

Weitere Einschränkungen durch lange geplante Bauarbeiten

Neben der technischen Störung gibt es auf der Verbindung auch angekündigten Ersatzverkehr. Wegen Gleisarbeiten zwischen Papenburg und Leer setzt die Deutsche Bahn zwischen Leer und dem niederländischen Winschoten zeitweise Busse ein. Als Bauzeiträume nennt sie den 19. bis 25. Oktober sowie den 9. bis 11. November.

Hinzu kommen Arbeiten an einem Bahnübergang bei Bunde im Landkreis Leer. Dort geht es um sogenannte Güllequerungen: Anlagen, mit denen Gülleleitungen unter oder über Straßen, Gleise und Gräben geführt werden können.

Eine Bahnsprecherin erklärte, die Maßnahmen seien schon seit 2024 vorgesehen. Zu diesem Zeitpunkt habe der Beginn des Regelbetriebs auf der Wunderline noch nicht festgestanden.

Auch zum Betriebsstart fielen Züge aus

Bereits am ersten Betriebsmorgen, dem 5. Oktober 2026, entfielen laut TPO.NL zwei Zugfahrten. Arriva-Regionaldirektor Gerrit de Groot verwies gegenüber RTV Noord darauf, dass die Ausfallquote seines Unternehmens normalerweise bei 0,2 Prozent liege.

Im regulären Fahrplan bietet Arriva werktags eine stündliche Verbindung zwischen Groningen und Leer an, meist mit Umstieg in Winschoten. Nur die ersten beiden Fahrten am Morgen und die letzten beiden am Abend verkehren durchgehend; am Wochenende entfällt der Umstieg bei allen Fahrten.

Nach Angaben von Railway Gazette International stehen für Zugfahrten über die Friesenbrücke nur begrenzte Zeitfenster zur Verfügung. Außerdem macht eine Langsamfahrstelle bei Hurdegaryp durchgehende Verbindungen anfällig für Verspätungen.

Für den grenzüberschreitenden Verkehr ließ Arriva laut TPO.NL rund 40 bis 45 Triebfahrzeugführer ausbilden, damit sie auch auf deutschen Gleisen fahren dürfen. Die niederländischen Züge mussten zudem an die deutschen Vorschriften angepasst werden.

Neue Brücke und modernisierte Strecke

Die frühere Friesenbrücke wurde am 3. Oktober 2015 durch den Frachter "Emsmoon" zerstört. Mit der Wiedereröffnung am 5. Oktober 2026 endete eine mehr als zehnjährige Unterbrechung der grenzüberschreitenden Bahnverbindung zwischen Leer und Groningen.

Das neue Bauwerk gilt als Europas größte Hub- und Drehbrücke. Railway Gazette International beziffert seine Gesamtlänge auf 335 Meter. Davon entfallen 145 Meter auf den beweglichen Dreh-Hub-Überbau, der 1.800 Tonnen wiegt. Der Entwurf stammt vom Ingenieurbüro Schlaich Bergermann Partner. Neben einem Gleis bietet die Brücke einen Fuß- und Radweg; die Durchfahrtsbreite für Schiffe wurde verdoppelt.

Für den Brückenneubau investierte die Deutsche Bahn nach Angaben von Railway Gazette International rund 200 Millionen Euro. Für das gesamte Wunderline-Projekt nennt die Bahn inzwischen Kosten von rund 250 Millionen Euro. Die bei Baubeginn 2023 zugrunde gelegte Schätzung hatte noch bei rund 180 Millionen Euro gelegen.

Zur Modernisierung auf deutscher Seite gehörten nach Angaben der Bahn die Erneuerung von rund 18 Kilometern Gleisen, fünf Weichen und insgesamt 19 Durchlässen, Brücken und Unterführungen. Neue elektronische Stellwerke entstanden in Ihrhove und an der Friesenbrücke. Die Leit- und Sicherungstechnik erhielt 54 neue Signale; an 38 Bahnübergängen wurde die Technik angepasst. In Bunde und Ihrhove baute die Bahn außerdem zwei neue barrierefreie Verkehrsstationen.

Direktzüge nach Bremen bleiben ein langfristiger Plan

Groningen, Niedersachsen und Bremen arbeiten mit ProRail, der Deutschen Bahn und weiteren Partnern an einer Verbindung zwischen Groningen und Bremen ohne Umstieg in Leer. Geplant ist eine Reisezeit von 2 Stunden 11 Minuten, rund 15 Minuten weniger als bisher.

Dafür sollen unter anderem Streckenabschnitte in Deutschland zweigleisig ausgebaut werden. Die Finanzierung dieses langfristigen Vorhabens ist laut Railway Gazette International noch nicht gesichert.

#Deutsche Bahn
← Zurück zu Deutschland

Weitere Meldungen