Porto Alegre bereitet sich auf neues El Niño vor - drohen erneut Überschwemmungen?

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Zwei Jahre nach der verheerenden Flutkatastrophe in Porto Alegre warnen Meteorologen vor einem Super-El-Niño. Die Stadt hat ihre Schutzmaßnahmen verstärkt, doch Experten sehen weiterhin große Risiken.

Porto Alegre bereitet sich auf neues El Niño vor - drohen erneut Überschwemmungen?

Auf der Pintada-Insel vor Porto Alegre türmen sich noch immer Schutt und Trümmer. Ein alter Gummistiefel, ein Reifen, eine verschimmelte Matratze - sie alle erzählen Geschichten von zerstörten Existenzen. Barbara Barbieri vom Zivilschutz erinnert sich an die Katastrophe vom Mai 2024:

Das Wasser schoss hier herein, eine regelrechte Sturzflut. Das war schockierend. Wir sahen, wie alles einfach weggespült wurde - so etwas hatte es noch nie zuvor gegeben.

Die Unwetter-Katastrophe im Bundesstaat Rio Grande do Sul war die schwerste, die Brasilien in Jahrzehnten erlitten hat. Der Guaíba-Fluss erreichte am 5. Mai 2024 einen historischen Höchststand von 5,37 Metern und übertraf damit den bisherigen Rekord von 1941 um 61 Zentimeter. Ausgelöst wurde die Katastrophe durch extreme Niederschläge von mehr als 500 Millimetern innerhalb von nur fünf Tagen - in einigen Landesteilen fiel dreimal so viel Regen wie im Jahresdurchschnitt.

Mindestens 181 Menschen starben, fast 700.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen, davon 80.000 in Notunterkünften. Der Flughafen blieb monatelang geschlossen. Das Ausmaß der Zerstörung war gewaltig: 478 von 497 Gemeinden des Bundesstaates waren betroffen - eine Fläche vergleichbar mit Belgien oder Großbritannien. Die wirtschaftlichen Schäden werden auf 3,7 bis 15 Milliarden US-Dollar geschätzt. Allein die Wiederherstellung von 2,7 Millionen Hektar landwirtschaftlicher Böden, die ihre Fruchtbarkeit verloren haben, kostet voraussichtlich 3 Milliarden US-Dollar.

Besonders schwer traf es die Landwirtschaft in Rio Grande do Sul, einem wichtigen Zentrum für die Produktion und den Export von Soja, Reis, Weizen und Fleisch. Ernten wurden vernichtet, Silos, Lagerhäuser und Transportwege zerstört - Analysten erwarteten erhebliche Beeinträchtigungen der Getreideexporte.

Klimaphänomen El Niño als Auslöser

Zum Ausbruch der Katastrophe hatte ein El-Niño-Ereignis im Pazifik beigetragen. Warmes Wasser im Pazifik und sehr hohe Temperaturen im Südatlantik erhöhten die Luftfeuchtigkeit und verstärkten die Niederschläge dramatisch.

Nun droht erneut Gefahr. Nach Prognosen der Weltwetterorganisation vom August 2026 liegt die Wahrscheinlichkeit für ein sehr starkes El-Niño-Ereignis im Herbst und Winter 2026/27 bei über 90 Prozent. Die Meeresoberflächentemperaturen könnten Anomalien von mehr als 2,0 Grad Celsius erreichen, möglicherweise sogar bis zu 2,9 Grad. Für Südostamerika, wo Rio Grande do Sul liegt, werden überdurchschnittlich hohe Niederschläge erwartet.

Verbesserte Schutzmaßnahmen - aber reichen sie?

Marcus Olioveira, Leiter des Zivilschutzes von Porto Alegre, ist bereits in Alarmbereitschaft.

Gerade gab es eine Unwetterwarnung. Mögliche Stürme mit bis zu 80 Stundenkilometern, starken Gewittern und Hagel

berichtet er.

Die Stadt habe jedoch ihre Vorbereitung deutlich verbessert: Der Zivilschutz wurde von 30 auf 80 Mitarbeiter aufgestockt, ein neues Überwachungszentrum eingerichtet. Pumpstationen, Fluttore und Dämme wurden ausgebessert, das Frühwarnsystem modernisiert. Bürgermeister Sebastião Melo kündigte an, dass die Modernisierungsarbeiten an den Pumpstationen - die 2024 wegen Stromschlaggefahr stillgelegt werden mussten - bis November abgeschlossen sein sollen.

Doch Meteorologen wie Gilvan Sampaio vom Weltrauminstitut INPE warnen, dass diese Maßnahmen nicht ausreichen werden.

Meistens werden sie erst ergriffen, wenn es bereits zu Extremereignissen gekommen ist. Aber wir wissen: Das ist die neue Normalität. Nicht nur aufgrund von El Niño.

Durch den Klimawandel werden Extremwetterlagen intensiver. Im Süden und am Pazifik drohen heftige Regenfälle, im Norden und am Amazonas Trockenheit, Hitzewellen und Waldbrände. Die Folgen: Probleme bei der Energieversorgung, Ernteausfälle und steigende Preise bei Grundnahrungsmitteln wie Zucker, Kakao oder Kaffee.

Eine aktuelle Studie des Celso Furtado International Centre for Development Policy und des Climate and Society Institute zeigt, dass die Landesregierung trotz Investitionen in Prävention von umgerechnet fast 400 Millionen Euro weniger als 0,5 Prozent ihres Klimabudgets für die Minderung künftiger Katastrophen ausgegeben hat.

Die Ärmsten sind am verwundbarsten

In informell gebauten Siedlungen wie der Favela Morro da Policia auf einem Hügel in Porto Alegre wird besonders deutlich, wer am stärksten gefährdet ist. Stürme und Starkregen haben hier bereits Häuser verwüstet - einige Bewohner wurden umgesiedelt. Doch nach wie vor leben 150 Familien unter der ständigen Gefahr von umstürzenden Bäumen oder Erdrutschen.

Die Sorge ist, dass Menschen zu Schaden kommen könnten

sagt Gemeindevorsteherin Daisy Martins.

Hier in der Gegend ist es schon oft vorgekommen, dass Menschen von den Wassermassen kilometerweit mitgerissen wurden.

Die Niederschläge nehmen zu, und der Pegel des Guaíba-Flusses steigt erneut.

Die Situation in Porto Alegre ist Teil eines größeren Musters. In den vergangenen Jahren haben extreme Wetterereignisse in Brasilien wirtschaftliche Verluste von über 90 Milliarden US-Dollar verursacht. Betroffen waren 1,7 Millionen Haushalte, und die Lebensqualität von mehr als 324 Millionen Menschen wurde beeinträchtigt. Die Frage ist nun, ob die Stadt und die Region für die nächste Katastrophe besser gewappnet sein werden.

#Extremwetter#Klimawandel#Landwirtschaft
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