Traditionsunternehmen Halberstädter Würstchen schließt endgültig – 152 Arbeitsplätze fallen weg

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Die Halberstädter Konserven GmbH stellt den Betrieb ein. Alle Mitarbeiter haben ihre Kündigung erhalten. Die Zukunft der geschützten Marke und der historischen Produktionsstätte bleibt ungewiss.

Traditionsunternehmen Halberstädter Würstchen schließt endgültig – 152 Arbeitsplätze fallen weg

Nach jahrelangen Sanierungsversuchen ist das endgültige Aus für die Halberstädter Konserven GmbH besiegelt. Der Geschäftsbetrieb wird eingestellt, die Produktion steht bereits still. Alle 152 Beschäftigten haben Kündigungen erhalten. Damit endet die Geschichte eines Unternehmens, das 1883 von Friedrich Heine gegründet wurde und bis 1913 zur größten Fleischverarbeitungsfabrik Europas aufstieg.

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten bestätigte, dass sämtliche Mitarbeiter ihre Kündigungen bereits erhalten haben. Ein Teil der Belegschaft hat inzwischen neue Arbeitsstellen gefunden. Der Betriebsrat hatte sich bereits vor einigen Wochen aufgelöst. Unklar bleibt, wie viele Beschäftigte in den verschiedenen Tochtergesellschaften aktuell noch betroffen sind.

Jahrelange Sanierungsbemühungen gescheitert

Insolvenzverwalterin Karina Schwarz erklärte gegenüber der Volksstimme, es habe in den vergangenen Jahren zahlreiche Versuche gegeben, den Standort zu sanieren. Die notwendigen Voraussetzungen seien jedoch nicht geschaffen worden. Gläubigerverzichte allein hätten nicht ausgereicht, um das Unternehmen dauerhaft zu stabilisieren. Bereits zuvor war auf erhebliche Investitionsrückstände hingewiesen worden.

Die Schließung trifft ein Unternehmen mit bewegter Geschichte. Nach der Gründung entwickelte Friedrich Heine 1896 die erste Wurstkonserve, eine Innovation, die den Export der regionalen Spezialität auf den Weltmarkt ermöglichte. 1948 wurde das Unternehmen in der DDR verstaatlicht und firmierte bis zur Wiedervereinigung 1989 als VEB Halberstädter Fleischwaren.

Geschützte Marke und Produktionsmethode in Gefahr

Die genutzten Gebäude sollen nun an die Eigentümerfamilie Nitsch zurückgegeben werden. Ob sich für die Immobilien und Produktionsanlagen ein neuer Nutzer findet, ist derzeit offen. Besonders ungewiss ist die Zukunft der traditionsreichen Marke "Halberstädter Würstchen", die seit 2010 den Status einer geschützten geografischen Angabe trägt. Diese Zertifizierung schützt die traditionelle Herstellung im Kaminrauchverfahren, das nur im Raum Halberstadt durchgeführt werden kann. Die Markenrechte liegen bei der Eigentümerfamilie Nitsch. Ob es Interessenten für eine Fortführung gibt, ist bislang nicht bekannt.

Die Schließung reiht sich ein in eine schwierige Phase für die deutsche Lebensmittelindustrie. Die Branche, Deutschlands viertgrößter Industriezweig, kämpft seit 2021 mit verhaltenen Konsumausgaben, Inflation und steigenden Produktionskosten. Laut Sanierungsexperten gehören Lebensmittelhersteller zu den besonders insolvenzgefährdeten Branchen in den Jahren 2025 und 2026.

Mitarbeiter warten auf ausstehendes Gehalt

Für zusätzliche Unsicherheit sorgt die finanzielle Situation vieler ehemaliger Mitarbeiter. Nach Informationen aus dem Unternehmen warten Beschäftigte noch immer auf ihr Gehalt für den Monat Mai. Hintergrund ist, dass die Agentur für Arbeit die Zahlung von Insolvenzgeld bislang nicht bewilligt hat. Nach deutschem Recht muss Insolvenzgeld innerhalb von zwei Monaten nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt werden und wird bei vollständigen Unterlagen typischerweise innerhalb von zwei bis vier Wochen ausgezahlt, wobei sich die Bearbeitung jedoch auch über mehrere Monate hinziehen kann.

Oberbürgermeister hofft weiter auf Investor

Trotz der angespannten Lage gibt sich Halberstadts Oberbürgermeister Daniel Szarata (CDU) hoffnungsvoll. Die Stadt stehe dem Traditionsbetrieb weiterhin unterstützend zur Seite.

Umso länger es dauert, umso schwieriger ist es, das ist klar. Aber ich würde die Flinte an der Stelle noch nicht ins Korn werfen

sagte Szarata gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT. Sollte sich ein Käufer finden, könne die Produktion schnell wieder hochgefahren werden.

Für die Stadt Halberstadt bedeutet die Schließung den Verlust eines traditionsreichen Arbeitgebers. Zugleich hat die Stadt in jüngster Zeit auch neue Investitionen angezogen: 2024 etablierte Daimler Truck AG in Halberstadt sein weltweit größtes Logistikzentrum, was die Attraktivität des Standorts für andere Branchen unterstreicht.

#Arbeitslosigkeit#Inflation
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