Xi Jinping in Washington: USA verlängern Zollpause um zwei Monate
Chinas Staatspräsident Xi Jinping ist am Mittwoch zu seinem dreitägigen Staatsbesuch in den USA eingetroffen und wurde von US-Präsident Donald Trump auf dem Militärstützpunkt Joint Base Andrews in Maryland mit militärischen Ehren empfangen. Es ist Xis erster offizieller Besuch im Weißen Haus seit elf Jahren. Seine letzte Washingtoner Visite fand im September 2015 unter Präsident Barack Obama statt.
Die beiden Staatschefs hatten sich zuletzt im Mai 2026 getroffen, als Trump China einen Staatsbesuch abstattete und Xi daraufhin nach Washington einlud. Der aktuelle Besuch markiert damit einen weiteren Schritt in den hochrangigen Austauschbeziehungen beider Länder innerhalb weniger Monate.
Zum Auftakt des Besuchs verkündete US-Finanzminister Scott Bessent eine zweimonatige Verlängerung der Zollpause. Die zusätzlichen Zölle auf chinesische Importwaren, deren Aussetzung ursprünglich im November auslaufen sollte, werden nun weiter aufgeschoben. Die Verlängerung ist Teil einer Serie von Handelsabkommen, die im Mai 2025 ihren Anfang nahmen, als beide Länder zunächst eine 90-tägige Zollsenkung von 125 Prozent auf 10 Prozent vereinbarten.
Laut der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua betonte Xi in einer schriftlichen Ansprache, die USA und China sollten Partner und keine Rivalen sein. Es handele sich um ein entscheidendes Jahr für die bilateralen Beziehungen. Beide Länder sollten stabile Beziehungen mit Kooperation, moderatem Wettbewerb, überwindbaren Differenzen und der Aussicht auf Frieden fördern.
Neben Trump waren auch die Ehefrauen beider Staatsoberhäupter, Melania Trump und Peng Liyuan, beim Empfang anwesend. Auf dem Programm stehen ein offizieller Empfang im Weißen Haus sowie ein Staatsbankett, zu dem führende Vertreter der Technologiebranche erwartet werden, darunter Tesla-Chef Elon Musk, Amazon-Gründer Jeff Bezos und Google- sowie Alphabet-Chef Sundar Pichai.
Komplexe Handelskonflikte trotz Annäherung
Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt gehen jedoch weit über Zollfragen hinaus. Washington kritisiert Pekings Exportkontrollen auf Halbleiter und Chips, die für die Entwicklung von Künstlicher Intelligenz benötigt werden. Im Oktober 2025 führte China weitreichende Exportkontrollen für seltene Erden ein und wendete erstmals eine extraterritoriale Regelung an, die Exportlizenzen selbst für Produkte erfordert, die außerhalb Chinas hergestellt werden, aber chinesische Seltenerden-Materialien enthalten.
China kontrolliert rund 98 Prozent der weltweiten raffinierten Versorgung mit Gallium und Germanium, kritischen Halbleitermaterialien für Radar-, Satelliten- und 5G-Komponenten. Die im April 2025 angekündigten chinesischen Exportbeschränkungen für schwere Seltenerden und Permanentmagnete führten zu sofortigen Versorgungsengpässen und bedrohten die Automobilindustrie in den USA, Europa und Japan.
Im Gegenzug wirft Washington Peking vor, bestimmte Rohstoffe gezielt zurückzuhalten. Als Teil eines Handelsabkommens vom November 2025 verpflichteten sich die USA, die Umsetzung der sogenannten Affiliates Rule des Bureau of Industry and Security für ein Jahr bis November 2026 auszusetzen, während China im Gegenzug seine Oktober-Exportkontrollen für kritische Mineralien zurückstellte. Wäre die aktuelle Einigung ausgelaufen, hätte China auch seine Exportkontrollen auf seltene Erden weiter ausgeweitet.
Zusätzlich zu den bilateralen Zollverhandlungen erhob die US-Regierung im Juli 2026 neue Zölle in Höhe von 12,5 Prozent auf chinesische Waren im Zusammenhang mit Bedenken wegen Zwangsarbeit. Das Handelsdefizit der USA mit China bei Gütern ist dennoch von 382 Milliarden Dollar im Jahr 2022 auf 202 Milliarden Dollar im Jahr 2025 gesunken, ein Rückgang um 31,8 Prozent, der hauptsächlich durch schwächere Importe chinesischer Waren verursacht wurde.
Trotz der aktuellen Zollpause bleibt die Liste der Streitpunkte zwischen beiden Großmächten lang. Neben Handelsfragen stehen auch geopolitische Themen wie der Iran-Konflikt sowie Fragen der technologischen Vorherrschaft bei Künstlicher Intelligenz auf der Agenda des dreitägigen Besuchs.







