Hilfe im Zentrum des Ausbruchs
In Mongbwalu erlebte Christiane Piepel, wie Menschen binnen Stunden oder weniger Tage an Ebola starben. Sie sah aber auch, dass eine rechtzeitige Behandlung Leben retten konnte. Die Bergbaustadt liegt in Ituri, jener Provinz im Nordosten der DR Kongo, von der sich das Virus seit Mai ausgebreitet hat.
Die 47-jährige Fachärztin für Innere Medizin und Infektiologie arbeitet in einer Praxis und als Tropenmedizinerin im Bremer Gesundheitsamt. Während ihres Einsatzes gehörte sie zu einem Team mit etwa 50 internationalen Ärzten und Helfern sowie rund 400 kongolesischen Mitarbeitern.
"Der Ausbruch ist außer Kontrolle, völlig", sagt Piepel. Bewaffnete Konflikte und von Milizen gesperrte Straßen erschweren den Zugang zu ganzen Regionen. Zugleich zieht der Bergbau viele Menschen an, die zwischen Minen wechseln und in provisorischen Lagern mit unzureichenden sanitären Einrichtungen leben. Als weitere Hindernisse nennt sie Armut, Misstrauen gegenüber dem Staat und Falschinformationen über Ebola.
Frühe Versorgung entscheidet mit über die Überlebenschancen
Nach Piepels Schilderung starben im Mai zunächst fast alle Erkrankten. Im Juli waren es etwa zwei Drittel, Ende August noch jeder Zweite. Wie eine Erkrankung verlaufe, hänge wesentlich davon ab, wie früh jemand das Behandlungszentrum erreiche.
Für den seltenen Ebola-Typ Bundibugyo stehen bislang weder zugelassene Medikamente noch eine zugelassene Impfung zur Verfügung. Das Team behandelt deshalb die Symptome: Es gleicht mit Infusionen Flüssigkeits- und Nährstoffverluste aus, lindert Schmerzen und Fieber, behandelt Krampfanfälle und stabilisiert den Kreislauf.
Die WHO bezifferte die Fallsterblichkeit in der DR Kongo zum 6. Oktober 2026 auf 48,2 Prozent. Grundlage waren 8.728 bestätigte Fälle und 4.205 Todesfälle. Bei früheren Bundibugyo-Ausbrüchen lag dieser Anteil 2007 in Uganda bei 30 Prozent und 2012 in der DR Kongo bei 50 Prozent.
Auch die Sterbeorte geben nach Einschätzung der WHO Hinweise auf Probleme beim Zugang zur Versorgung: Von 372 Todesfällen in einem Berichtszeitraum ereigneten sich 264 außerhalb von Behandlungszentren und 108 in solchen Einrichtungen. Das deute darauf hin, dass Erkrankungen zu spät erkannt würden und Betroffene die Versorgung verzögert erreichten.
Therapien und Impfstoffe werden noch geprüft
Für mögliche gezielte Behandlungen hat die WHO am 28. Mai 2026 Empfehlungen zur Forschung veröffentlicht. Die Antikörper MBP134 und Maftivimab sowie das antivirale Mittel Remdesivir sollen ausschließlich in klinischen Studien geprüft werden. Für die vorbeugende Behandlung nach einem möglichen Viruskontakt wurde das oral einzunehmende Obeldesivir priorisiert.
Als aussichtsreichsten Impfstoffkandidaten benannte die WHO den Einzeldosis-Impfstoff rVSV Bundibugyo von IAVI. Bis zu einer klinischen Prüfung seien voraussichtlich sieben bis neun Monate nötig. Für ChAdOx1 Bundibugyo von Oxford und dem Serum Institute of India nannte sie einen möglichen Zeitraum von zwei bis drei Monaten bis zur Verfügbarkeit. Diese Zeitangaben stammen aus der Einschätzung vom Mai.
Ervebo ist nicht gegen Bundibugyo-Erkrankungen zugelassen. Im August kündigte die WHO dennoch an, 70.000 Dosen dieses Impfstoffs in die DR Kongo zu schicken. Davon sind 20.000 für eine Phase-III-Studie zur Wirksamkeit gegen das Bundibugyo-Virus vorgesehen. Die übrigen Dosen sollen für Einsatzkräfte und Gesundheitspersonal an vorderster Front genutzt werden.
Strenge Abläufe zum Schutz der Helfer
Vor jedem Betreten des Hochrisikobereichs muss das Personal sämtliche Haut bedecken. Zur Ausrüstung gehören ein dichter Schutzanzug, zwei Paar Handschuhe, FFP2-Maske, Haube, Schürze, Schutzbrille und Gummistiefel. Allein das Anlegen beansprucht laut Piepel 10 bis 15 Minuten; eine zweite Person überwacht jeden Schritt.
Nach höchstens einer Stunde verlässt das Personal den Bereich wieder. In den luftundurchlässigen Anzügen wird die Hitze zur starken körperlichen Belastung, während Trinken nicht möglich ist und die Konzentration nachlässt. Als gefährlichsten Moment bezeichnet Piepel das Ablegen der Ausrüstung. Auch dabei gelten feste Abläufe, begleitet von einer geschulten zweiten Person.
Eine Infektion bei einer Einsatzkraft meldeten die Niederlande am 1. Oktober 2026. Nach WHO-Angaben war die Gesundheitskraft bei der Ebola-Bekämpfung in der DR Kongo tätig gewesen und positiv auf das Bundibugyo-Virus getestet worden. Nach der medizinischen Evakuierung wurde sie im Hochsicherheits-Isolationszentrum des Universitätsklinikums Leiden aufgenommen.
Tausende Fälle und Infektionen über Landesgrenzen hinweg
Die US-Gesundheitsbehörde CDC verzeichnete mit Stand 20. Oktober 2026 weltweit 9.668 bestätigte Fälle und 4.649 bestätigte Todesfälle im aktuellen Ausbruch. Für die DR Kongo nennt sie 9.637 Fälle und 4.646 Todesfälle. Auf Kenia entfallen neun Fälle und ein Todesfall, auf Uganda 20 Fälle und zwei Todesfälle; für Nigeria und Frankreich wird jeweils ein Fall aufgeführt. Behörden gehen davon aus, dass die tatsächlichen Zahlen deutlich höher liegen als die erfassten.
Nach Einstufung der CDC handelt es sich um den zweitgrößten dokumentierten Ebola-Ausbruch. Die Schwelle von 1.000 bestätigten Fällen wurde innerhalb von 40 Tagen nach Beginn der organisierten Bekämpfungsmaßnahmen überschritten. Beim Ausbruch in der DR Kongo 2018 dauerte dies rund 235 Tage. Africa CDC bezeichnet die aktuelle Ausbreitung als die schnellste in der Geschichte der Ebola-Ausbrüche.
Wie stark Ituri betroffen ist, zeigen ECDC-Angaben vom 19. Oktober 2026: Für die Provinz wurden 6.960 Fälle und 3.217 Todesfälle gemeldet, mehr als für jede andere Provinz. Insgesamt waren in der DR Kongo 66 von 178 Gesundheitszonen in acht Provinzen betroffen. Von den bestätigten Patienten waren 2.550 genesen, weitere 937 befanden sich in Isolation.
Den ersten importierten, laborbestätigten Bundibugyo-Fall in Kenia meldete die WHO am 5. Oktober 2026. Der Mann war aus der DR Kongo über Uganda nach Nairobi gereist. Er wurde dort isoliert behandelt und starb am selben Tag. Vermutlich hatte er sich während der Behandlung einer anderen Erkrankung infiziert.
Die USA haben die Einreise für Menschen, die sich kürzlich in der DR Kongo aufgehalten haben, vorübergehend eingeschränkt. Nach Angaben der CDC darf niemand einen kommerziellen Flug mit Ziel USA besteigen, der innerhalb der vorausgegangenen 21 Tage in der DR Kongo war.
Was Piepel nach der Rückkehr begleitet
Fast zwei Monate nach ihrer Rückkehr nach Bremen hält Piepel per E-Mail Verbindung zu den Kollegen im Behandlungszentrum. So erfährt sie weiterhin, welche Patienten gestorben sind und welche überlebt haben. "Das Zurückkommen braucht Zeit", sagt sie.
Zu ihren Erinnerungen gehören auch Verläufe, die sie als "fast wie Wunder" beschreibt. Ein älterer Mann wurde im Koma eingeliefert, wachte fünf Tage später auf und überlebte. Ebenso überlebten eine Frau, die zusätzlich an Tuberkulose litt, und ein Mann, der durch Durchfall mehrere Liter Wasser verloren hatte.
Piepel erzählt auch von einem vier Wochen alten Neugeborenen, das Ebola überstand, während seine Eltern starben. Eine Frau, die selbst genesen war und ihr acht Monate altes Baby durch das Virus verloren hatte, adoptierte das Kind.


