EU-Verschuldung könnte bis 2027 eine Billion Euro erreichen

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Der Europäische Rechnungshof schlägt Alarm: Die Schulden der Europäischen Union steigen rapide und könnten 2027 die Billionengrenze überschreiten. Zugleich wurden Unregelmäßigkeiten bei Ausgaben in Milliardenhöhe festgestellt.

EU-Verschuldung könnte bis 2027 eine Billion Euro erreichen

Die Verschuldung der Europäischen Union nimmt dramatische Ausmaße an. In einem aktuellen Bericht warnt der Europäische Rechnungshof, dass die Schulden bis 2027 auf bis zu eine Billion Euro ansteigen könnten. Ende 2025 hatte die EU-Verschuldung bereits 739 Milliarden Euro erreicht und sich damit innerhalb weniger Jahre mehr als verdreifacht.

Der Hauptgrund für diese explosionsartige Entwicklung liegt im NextGenerationEU-Programm, einem temporären Wiederaufbauinstrument als Reaktion auf die Corona-Pandemie. Im Rahmen dieses Programms kann die Europäische Kommission zwischen Mitte 2021 und 2026 bis zu 806,9 Milliarden Euro durch die Ausgabe von EU-Anleihen aufnehmen, um europäische Volkswirtschaften durch Zuschüsse und Darlehen zu unterstützen. Bis Mai 2024 hatte die Kommission bereits mehr als 320 Milliarden Euro geliehen, wovon 265,4 Milliarden Euro an die Mitgliedstaaten ausgezahlt wurden.

Vor der Einführung von NextGenerationEU im Jahr 2020 war die Europäische Kommission ein verhältnismäßig kleiner Kreditnehmer gewesen, der hauptsächlich Anleihen für Programme wie den Europäischen Finanzstabilisierungsmechanismus und makrofinanzielle Hilfen ausgab. Die aktuelle Kreditaufnahme stellt somit einen beispiellosen Wandel dar.

Massive Zinsbelastung erwartet

Die steigenden Schulden werden erhebliche finanzielle Folgen haben. Nach Einschätzung des Rechnungshofs wird die EU zwischen 2028 und 2034 bis zu 93 Milliarden Euro allein für Zinszahlungen aufwenden müssen. Diese Belastung kommt zusätzlich zum regulären EU-Haushalt für 2021-2027 hinzu, der sich auf 1.211 Milliarden Euro beläuft und durch nationale Beiträge finanziert wird.

Daniel Caspary, das deutsche Mitglied des Rechnungshofes, der am 1. März 2026 sein Amt antrat, rechnet mittelfristig mit einer deutlichen Erhöhung der nationalen Beiträge, „insbesondere auch für Deutschland als größten Nettozahler". Deutschland zahlte 2023 mit 17,4 Milliarden Euro mehr in die EU-Kassen ein, als es zurückerhielt, und war damit der größte Nettozahler unter den Mitgliedstaaten.

Milliarden Euro fehlerhaft ausgegeben

Neben der Verschuldung stellt der Europäische Rechnungshof, der als unabhängige Institution mit Sitz in Luxemburg seit 1975 die EU-Finanzen prüft, auch erhebliche Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung von EU-Geldern fest. In seiner jährlichen Untersuchung zur rechtmäßigen Mittelverwendung entdeckten die Prüfer erneut Verstöße in Milliardenhöhe.

Im vergangenen Haushaltsjahr waren geschätzt 3,8 Prozent der Ausgaben fehlerhaft. Bei Gesamtausgaben von rund 176,3 Milliarden Euro entspricht das einer Summe von etwa 6,7 Milliarden Euro, bei denen gegen EU-Vorschriften verstoßen wurde. Im Vorjahr hatte die Quote mit 3,6 Prozent etwas niedriger gelegen, 2023 lag sie mit 5,6 Prozent auf dem höchsten Stand seit Jahren.

Zu den häufigsten Problemen zählten Verstöße gegen die Vorschriften für die Vergabe öffentlicher Aufträge sowie die Finanzierung nicht förderfähiger Projekte oder Ausgaben. Ab einer Schwelle von zwei Prozent gelten vorschriftswidrige Ausgaben als wesentlich.

Der Rechnungshof betont jedoch, dass die geschätzte Fehlerquote kein Maß für Betrug, Ineffizienz oder Verschwendung sei. Sie sei vielmehr eine Schätzung der Beträge, die nicht im Einklang mit den EU-Bestimmungen und nationalen Vorschriften verwendet worden seien.

Die Entwicklung der EU-Verschuldung muss im Kontext der Gesamtverschuldung betrachtet werden: Die kombinierten Staatsschulden aller 27 EU-Mitgliedstaaten erreichten im ersten Quartal 2026 insgesamt 15,7 Billionen Euro, was 82,9 Prozent des EU-BIP entspricht. Die institutionelle EU-Verschuldung kommt zu dieser Summe hinzu.

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