Awo plant 100 Einzelzimmer auf Nordenhams früherem Klinikgelände

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Auf dem ehemaligen Gelände der Wesermarsch-Klinik an der Albert-Schweitzer-Straße soll ein neues Altenwohnzentrum entstehen. Die Awo will damit ihr sanierungsbedürftiges Haus in Atens ersetzen. Der Bau soll 2028 beginnen, spätestens 2030 sollen die Bewohner umziehen können.

Entscheidung gegen eine Sanierung in Atens

Der Vorstand des Awo-Bezirksverbandes Weser-Ems hat den Beschäftigten am Carl-Zeiss-Weg die Entwürfe für den Neubau präsentiert. Vorstand und Präsidium wollen mit ihren einstimmigen Beschlüssen den Standort Nordenham erhalten. Eine Modernisierung des 1965 eröffneten Hauses in Atens halten sie jedoch wirtschaftlich und organisatorisch nicht für vertretbar. Für den Neubau rechnet die Awo mit Kosten im niedrigen zweistelligen Millionenbereich.

Das bestehende Altenwohnzentrum am Carl-Zeiss-Weg 40 verfügt nach Awo-Angaben über 95 Wohnplätze in 67 Einzel- und 14 Doppelzimmern. Ein Beispielgrundriss zeigt ein 18 Quadratmeter großes Einzelzimmer mit Bad. Im künftigen Haus sind ausschließlich Einzelzimmer vorgesehen, insgesamt 100.

Mehr Platz und digitale Unterstützung

Die Awo beschreibt für das neue Altenwohnzentrum eine Fläche von rund 5.000 Quadratmetern. Die Eckdaten der Stadtverwaltung sehen eine Netto-Raumfläche von 5.200 Quadratmetern, bis zu vier Geschosse und ein Flachdach vor. Zur Planung gehören Funktions- und Gemeinschaftsbereiche sowie Atrien in den oberen Etagen, die Tageslicht und Frischluft ins Haus bringen sollen.

Großzügig bemessene Bewohnerzimmer sollen mehr Bewegungsfreiheit bieten und die Arbeit mit Hilfsmitteln wie Liftern erleichtern. Sensoren sind zur frühzeitigen Sturzerkennung vorgesehen. KI-gestützte Rufanlagen sollen dabei helfen, herausfordernde Situationen bei Bedarf schneller zu klären.

Von der Ausstattung und automatisierten Anwendungen verspricht sich der Bezirksverband auch bessere Arbeitsabläufe. Matthias Firme, der das bestehende und künftig auch das neue Haus leitet, betont, dass KI, Robotik und Software nicht zu weniger menschlicher Nähe führen sollten. Vielmehr könnten Pflege- und Betreuungskräfte durch die digitalen Hilfen mehr Zeit für die Bewohner gewinnen.

Für Heizung und Warmwasser soll das Gebäude ohne fossile Brennstoffe auskommen. Geplant ist dafür eine Kombination aus Wärmepumpen, Geothermie und einer Photovoltaikanlage mit Speicher.

Sprachheilkindergarten als weiterer Baustein

Neben dem Altenwohnzentrum erwägt die Awo einen Neubau für ihren Sprachheilkindergarten. Er würde das ältere Gebäude an der Körnerstraße ersetzen. Die Planung und die Berechnung der Kosten laufen noch. Als Eckdaten nennt die Stadtverwaltung bis zu drei Vollgeschosse, 950 Quadratmeter Fläche und ebenfalls ein Flachdach.

Die bestehende Einrichtung an der Körnerstraße 31 behandelt seit 1992 Kinder mit komplexen Sprachstörungen. Das teilstationäre Angebot umfasst 30 Betreuungsstunden pro Woche für 28 Kinder im Alter von vier bis sieben Jahren. Sie verteilen sich auf drei Gruppen mit jeweils acht Kindern und eine weitere Gruppe mit vier Kindern.

"Wir sehen die vielen synergetischen Vorteile, die eine Zusammenführung von Pflegeeinrichtung und Kita mit sich bringt", sagt der Awo-Vorstandsvorsitzende Thomas Elsner. Er verweist auf gemeinsame Abläufe bei Arbeitsorganisation, Einkäufen und ähnlichen Standards sowie auf den Austausch zwischen den Generationen. Einrichtungen mit einem solchen Miteinander betreibt oder plant die Awo auch in Oldenburg, Rostrup und Aurich.

Erbpacht und Baurecht für das Klinikareal

Für das Vorhaben übernimmt die Awo von der Stadt Nordenham eine rund 9.000 Quadratmeter große Teilfläche in langfristiger Erbpacht; ein Kauf ist nicht nötig. Das gesamte frühere Klinikgelände misst etwa 40.000 Quadratmeter. Seit dem Abriss der alten Wesermarsch-Klinik im Jahr 2018 liegt es brach. Zuvor war die Klinik in einen Neubau in Esenshamm umgezogen.

Bis das Grundstück vom Krankenhausträger Helios an die Stadt überging, vergingen mehrere Jahre. Ein beauftragter Dienstleister hatte den Boden in Teilen des Areals unzureichend verdichtet. Im Sommer 2026 wurde die Übertragung schließlich notariell besiegelt. Bereiche, die nicht bebaut werden können, sollen als öffentliche Grünanlage zugänglich werden.

Das nötige Bebauungsplanverfahren hat die Stadt bereits eingeleitet. Der Bauausschuss stimmte im Juni 2026 einstimmig und ohne Diskussion dafür. Mit der Planänderung sollen "Flächen für den Gemeinbedarf" ausgewiesen und damit die baurechtlichen Voraussetzungen für das Projekt geschaffen werden.

Die Verwaltung begrüßt die Pläne: Aus ihrer Sicht können die neuen Einrichtungen das soziale Angebot in Nordenham langfristig sichern und eine wohnortnahe Versorgung über die Generationen hinweg ermöglichen. Welche Nutzung die bisherigen Gebäude am Carl-Zeiss-Weg und an der Körnerstraße nach dem Umzug erhalten sollen, hat die Awo nicht mitgeteilt.

#Wärmepumpe#Pflege#Künstliche Intelligenz
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