Empörung über geplante Live-Übertragung einer Militärhinrichtung in den USA
Die Ankündigung einer öffentlichen Live-Übertragung einer Militärhinrichtung hat in den Vereinigten Staaten eine heftige Debatte ausgelöst. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte vor zwei Tagen in einem Interview mit einem rechten Podcaster erklärt, die Hinrichtung des verurteilten Attentäters Nidal Hasan werde am 3. Dezember durch ein Erschießungskommando vollstreckt und für die Öffentlichkeit per Livestream zugänglich gemacht. Der ehemalige Militärpsychiater hatte 2009 auf dem Stützpunkt Fort Hood in Texas 13 Menschen erschossen und mehr als 30 weitere verletzt – der tödlichste Anschlag, der je auf einer US-Militäranlage verübt wurde.
Präsident Donald Trump bestätigte zunächst auf Nachfrage einer Reporterin, der Hinrichtung und ihrer Live-Übertragung zugestimmt zu haben. Allerdings klang er dabei weniger entschlossen als sein Verteidigungsminister. Er werde das noch entscheiden, so Trump, stellte aber klar, dass Hasan durch ein Erschießungskommando hingerichtet werde.
Unbehagen in der eigenen Regierung
Die Pläne sorgen selbst innerhalb der Regierung für sichtbares Unbehagen. Vizepräsident JD Vance wiegelte ab, man müsse erstmal abwarten, ob es tatsächlich zu einer Live-Übertragung komme. Sollte sie stattfinden, werde er sie sich nicht anschauen, erklärte Vance. Hegseth, der im Januar 2025 mit knapper Mehrheit von 51 zu 50 Stimmen im Senat bestätigt und vereidigt wurde, hat vor seiner Zeit als Verteidigungsminister als Moderator bei Fox News gearbeitet und verfügt über militärische Erfahrung aus Einsätzen im Irak und in Afghanistan.
Hasan war im Juli 2013 in einem Militärprozess verurteilt worden, in dem er sich selbst vertrat und kaum Anstalten unternahm, sich zu verteidigen – er rief keine Zeugen auf. Bei dem Angriff 2009 wurde er von zivilen Sicherheitskräften gestoppt und dabei angeschossen, wodurch er vom Hals abwärts gelähmt wurde. Derzeit wird er im Militärgefängnis Fort Leavenworth in Kansas festgehalten.
Parteiübergreifende Empörung
Die Ankündigung hat parteiübergreifend für Entsetzen gesorgt. Der demokratische Senator Chris Murphy zeigte sich im Fernsehsender CNN sichtlich geschockt und bezeichnete die Pläne als mittelalterlich. Es sei eines der Dinge, die die USA an Terrororganisationen verabscheuten, sagte Murphy und fragte in Richtung Hegseth:
Was imitiert er da, Hinrichtungen der Terrormiliz Islamischer Staat?
Doch auch aus den Reihen der Republikaner kommt scharfe Kritik. Der Abgeordnete Austin Scott schrieb auf der Plattform X, er unterstütze zwar die Todesstrafe für Hasan, aber Live-Übertragungen von Hinrichtungen seien etwas, was militante Islamisten täten. Amerika sei besser als das. Der republikanische Senator John Curtis zog Parallelen zum Untergang des Römischen Reiches und warnte, eine Zivilisation verfalle, wenn sie Hinrichtungen als Unterhaltungsform pflege.
Rechtliche und ethische Bedenken
Neben moralischen stellen sich auch rechtliche Fragen. Eugene Fidell, Experte für Militärrecht an der Yale University, betonte im Sender CBS, eine öffentliche Hinrichtung verstoße gegen internationales Recht. Unklar bleibt auch, wie sichergestellt werden könnte, dass Minderjährige die Übertragung nicht sehen. Zudem sehen die aktuellen militärischen Vorschriften für Hinrichtungen ausschließlich die Giftspritze vor – das Pentagon hat bisher nicht erklärt, warum im Fall Hasan stattdessen ein Erschießungskommando eingesetzt werden soll.
Kritik kommt auch von internationalen Organisationen. Shabia Mantoo, Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros, erklärte, der Livestream einer Exekution sei gleichbedeutend mit einer öffentlichen Hinrichtung und würde gegen das Verbot von Folter verstoßen. Amnesty International äußerte sich ähnlich.
Historische Einordnung
Sollte die Hinrichtung wie angekündigt stattfinden, wäre es die erste Militärhinrichtung in den USA seit 65 Jahren. Die letzte erfolgte am 13. April 1961, als der Soldat John A. Bennett wegen Vergewaltigung und versuchten Mordes an einem elfjährigen österreichischen Mädchen durch den Strang hingerichtet wurde. Eine Hinrichtung durch ein Erschießungskommando gab es zuletzt 1945, als der Soldat Eddie Slovik wegen Fahnenflucht in Frankreich während des Zweiten Weltkriegs erschossen wurde – er war der einzige US-Soldat, der seit dem Bürgerkrieg wegen Desertion hingerichtet wurde.
Gescheiterte Hinrichtung in Tennessee
Die Diskussion kommt wenige Tage nach einer gescheiterten Hinrichtung in Tennessee. Die verurteilte Mörderin Christa Pike, die 1995 im Alter von 18 Jahren die 19-jährige Colleen Slemmer gefoltert und getötet hatte, überlebte am 30. September 2026 einen Hinrichtungsversuch mit zwei Giftspritzen. Sie liegt derzeit im Krankenhaus, kann inzwischen wieder gehen, ihre Arme jedoch laut ihren Anwälten nicht bewegen. Der Vorfall markierte Tennessees zweite gescheiterte Hinrichtung innerhalb von fünf Monaten. Gouverneur Bill Lee stoppte daraufhin alle weiteren Hinrichtungen im Bundesstaat für den Rest des Jahres 2026. Die Anwälte von Pike appellieren an den Gouverneur, ihre Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Unklar ist, ob ein neuer Hinrichtungsversuch unternommen werden soll. Wäre Pike hingerichtet worden, wäre sie die erste Frau gewesen, die in Tennessee seit 1820 exekutiert worden wäre.
Aktuelle Zahlen zur Todesstrafe
In den USA wurden in diesem Jahr nach Stand vom 7. Oktober 30 Menschen hingerichtet. Mehr als die Hälfte der Exekutionen, 16, fanden in Florida statt. Sieben Hinrichtungen gab es in Texas, drei in Oklahoma, zwei in Alabama und jeweils eine in Arizona und Tennessee. Die letzte Hinrichtung erfolgte vor drei Tagen in Texas, wo ein verurteilter Mörder durch die Giftspritze getötet wurde.
Selten wurde in den USA so intensiv über Hinrichtungen und Hinrichtungsmethoden diskutiert wie in den vergangenen Tagen. Ob sich an der Haltung der Amerikaner zur Todesstrafe etwas ändert, bleibt abzuwarten. Umfragen zeigen, dass weiterhin eine Mehrheit der Bevölkerung die Todesstrafe befürwortet, wobei deutliche Unterschiede bestehen: Jüngere Menschen und demokratische Anhänger lehnen Hinrichtungen deutlich stärker ab als ältere Amerikaner und Anhänger der Republikaner.

