Persönliche Ansprache statt Anzeigen
Democrats Abroad hat in den vergangenen Monaten mit der Kampagne "Rally for Democracy" zur Teilnahme an der Wahl aufgerufen, in Deutschland ebenso wie in anderen Ländern. LeMieux berichtet von einer deutlich größeren Bereitschaft zur Beteiligung als bei der vorherigen Zwischenwahl. Der Jurist stammt aus Michigan, lebt seit 2004 in Deutschland und unterrichtet amerikanisches Recht an der Universität Osnabrück. Democrats Abroad Germany ist das offizielle Länderkomitee der US-Demokraten für Amerikaner in Deutschland.
Nach Angaben von Democrats Abroad stimmen üblicherweise nur etwa 3 bis 5 Prozent der wahlberechtigten US-Bürger im Ausland bei US-Wahlen ab. Bei der Mobilisierung setzt die Organisation 2026 verstärkt auf persönliche Kontakte. Als Grund nennt sie EU-Regeln, die ihr Werbung in sozialen Medien untersagen.
Zur Unterstützung der Wähler veranstaltete Democrats Abroad Germany am 19. September einen bundesweiten "Ballot Drop Day". Kostenlose Hilfsstationen gab es unter anderem in Berlin, Düsseldorf, Mainz, München, Nürnberg und Würzburg. Nach Angaben der Organisatoren ist diese Hilfe überparteilich und richtet sich an alle wahlberechtigten US-Bürger, auch an Doppelstaatler.
Mehrheiten im Kongress stehen zur Wahl
Der Ausgang der Midterms entscheidet darüber, ob Präsident Donald Trump seinen bisherigen Kurs fortsetzen kann oder künftig mit den Demokraten zusammenarbeiten muss. LeMieux lehnt es dennoch ab, die Abstimmung als "Schicksalswahl" zu bezeichnen: "Jede Wahl ist wichtig."
Zur Wahl stehen sämtliche 435 Mandate im Repräsentantenhaus sowie rund ein Drittel der 100 Senatssitze. Die Demokraten müssten nach Einschätzung des Tagesspiegels im Senat netto vier Sitze hinzugewinnen, um dort eine Mehrheit von 51 zu 49 zu erreichen. Im Repräsentantenhaus sehen Experten nur etwa 40 bis 50 Mandate als umkämpft an.
Das Pew Research Center beziffert die Zahl der wahlberechtigten US-Bürger ab 18 Jahren auf rund 250 Millionen. Das sind 8,4 Millionen mehr als bei den Zwischenwahlen 2022.
Briefwahl auch nach langem Auslandsaufenthalt
Rund 2,2 Millionen wahlberechtigte Amerikaner leben laut US-Behörden außerhalb der Vereinigten Staaten. Für Deutschland gehen Schätzungen von bis zu 150.000 aus. Ihr Recht auf Briefwahl bei US-Bundeswahlen regelt der Uniformed and Overseas Citizens Absentee Voting Act, kurz UOCAVA: Nahezu jeder im Ausland lebende US-Bürger ab 18 Jahren darf auf diesem Weg wählen, unabhängig davon, wie lange er bereits außerhalb der USA lebt.
Die Regelung gilt ebenso für Angehörige des US-Militärs und der Handelsschifffahrt sowie für deren wahlberechtigte Familienangehörige. Ein US-Bundesgesetz verpflichtet dazu, die Wahlunterlagen an Militär- und Auslandswähler spätestens 45 Tage vor einer allgemeinen Wahl zu versenden. Für die Abstimmung am 3. November 2026 war damit der 19. September 2026 der späteste Versandtermin.



