Neue Batteriespeicher: Kapazitätszubau in Deutschland steigt um 91 Prozent

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Rund eine halbe Million Batteriespeicher sind in Deutschland in den ersten neun Monaten 2026 ans Netz gegangen. Besonders große Anlagen treiben den Kapazitätszuwachs an. Trotz des starken Ausbaus sieht der Bundesverband Solarwirtschaft weiteren Handlungsbedarf.

Großanlagen prägen den Zuwachs

Die neu in Betrieb genommenen Batteriespeicher erreichen nach Angaben des Bundesverbands Solarwirtschaft (BSW-Solar) zusammen 8,2 Gigawattstunden Kapazität. Gegenüber den ersten drei Quartalen 2025 ist das ein Plus von 91 Prozent. Mit dieser Strommenge ließe sich rechnerisch eine Stadt wie München knapp einen halben Tag versorgen.

Grundlage der Auswertung sind rund 493.000 Anlagen, die bis zum 12. Oktober im Marktstammdatenregister für die ersten neun Monate erfasst waren. Da noch Meldungen hinzukommen dürften, rechnet der Verband für diesen Zeitraum mit insgesamt rund 534.000 neuen Speichern. Seine Prognose für den Kapazitätszubau im gesamten Jahr liegt bei deutlich mehr als 10 Gigawattstunden.

Die Zahl der neuen Anlagen nahm gegenüber dem Vorjahreszeitraum nur um gut ein Fünftel zu. Dass die Kapazität wesentlich stärker wächst, liegt vor allem an den Großspeichern mit mehr als einem Megawatt Leistung: Hier wurden 220 Anlagen in Betrieb genommen, nach 63 im Vergleichszeitraum. Ihr Kapazitätszubau erhöhte sich von 0,9 auf 3,8 Gigawattstunden.

Damit entfiel auf Großspeicher mehr neue Kapazität als auf Heimspeicher der Größenklasse 2 bis 20 Kilowattstunden. Bei diesen stieg der Zubau von 2,6 auf 3,2 Gigawattstunden; die Zahl der neuen Anlagen erhöhte sich von 261.000 auf 303.000. Hinzu kamen 172.000 Kleinstspeicher mit jeweils bis zu 5 Kilowattstunden und zusammen 0,5 Gigawattstunden Kapazität. Weitere 0,7 Gigawattstunden entfielen auf 17.000 Gewerbespeicher mit jeweils 20 bis 1.000 Kilowattstunden.

Bestand und geplante Großspeicher

Einen Blick auf den gesamten Großspeicherbestand bietet der Batteriespeicher-Report. Seiner Auswertung des Marktstammdatenregisters der Bundesnetzagentur zufolge waren am 3. Oktober 2026 deutschlandweit 548 Großbatteriespeicher ab 1 Megawatt Leistung in Betrieb gemeldet. Zusammen verfügten sie über 4,47 Gigawatt Leistung und 7,74 Gigawattstunden Kapazität. Als geplant waren weitere 700 Einheiten mit insgesamt 35,0 Gigawattstunden registriert.

Auch bei den Netzbetreibern lagen zahlreiche Vorhaben vor: Im Januar 2026 hatten allein die deutschen Übertragungsnetzbetreiber mehr als 500 Anschlussanträge für Großbatteriespeicher mit zusammen über 200 Gigawatt Leistung erhalten. Zusagen der vier Betreiber gab es für mehr als 40 Gigawatt, berichtet photovoltaik.eu.

Für ein Projekt im Energiepark Philippsburg hat EnBW bereits die finale Investitionsentscheidung getroffen. Geplant sind 400 Megawatt Leistung und 800 Megawattstunden Kapazität, ohne staatliche Förderung. Nach Angaben von photovoltaik.eu war der Baubeginn für das Frühjahr vorgesehen; in Betrieb gehen soll der Speicher Ende 2027.

Welchen Ausbau der Verband für nötig hält

Batteriespeicher können Schwankungen bei der Stromerzeugung aus erneuerbaren Quellen ausgleichen. BSW-Solar-Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig beschreibt ihre Rolle so: "Batteriespeicher entwickeln sich zu einem Wachstumstreiber und Effizienz-Hebel der Energiewende". Nach seiner Einschätzung helfen sie, das Stromsystem effizienter zu betreiben und Kosten in Milliardenhöhe zu vermeiden.

Das derzeitige Ausbautempo reicht aus Sicht des Verbands allerdings nicht aus. Für eine möglichst kostengünstige Integration der erneuerbaren Energien müsse der jährliche Zubau bis 2030 das Vier- bis Fünffache der für dieses Jahr angesetzten 10 Gigawattstunden erreichen.

Beim angestrebten Gesamtbestand nennt der BSW-Solar rund 100 Gigawattstunden bis 2030 und fordert damit eine Vervierfachung der installierten Kapazität, wie photovoltaik.eu berichtet. Eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme beziffert den Bedarf für 2030 auf 104 Gigawattstunden. Ende 2025 waren in Deutschland rund 25 Gigawattstunden installiert, berichtet der NDR.

Reformen für Betrieb und Netzanschluss

Mit einem Positionspapier wirbt der BSW-Solar für weitere gesetzliche Erleichterungen. Batterien sollen sich einfacher gemeinsam mit Solar- und Windparks sowie an Verbrauchsstandorten betreiben lassen. Außerdem behandelt das Papier Speicher an Umspannwerken und die Regeln zur Abschaltung von Anlagen, wenn Netzengpässe drohen.

Für Speicher an Umspannwerken verweist der Verband auf eine Studie des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik IEE. Nach seiner Darstellung könnte ein gezielter Ausbau dort ermöglichen, die installierte Photovoltaikleistung mehr als zu verdoppeln und die Kosten des Netzausbaus nennenswert zu senken, berichtet das Windkraft-Journal.

Einige rechtliche Änderungen gelten bereits seit dem Jahreswechsel 2025/2026. Wie photovoltaik.eu erläutert, gibt Paragraf 11c des Energiewirtschaftsgesetzes dem Bau von Energiespeicheranlagen Vorrang gegenüber anderen Schutzgütern. Zudem sind Stromspeicher mit mindestens vier Megawatt Leistung nach dem Baugesetzbuch als Bauvorhaben im Außenbereich zulässig.

Körnig verlangt darüber hinaus politische Priorität für das Thema: "Batteriespeicher müssen Chefsache werden". Es sei nicht hinnehmbar, zunehmend günstigen Solar- und Windstrom ungenutzt zu lassen, während über hohe Stromkosten diskutiert werde. Speicher könnten die vorhandenen Netze besser ausnutzen und die Energiewende günstiger machen. Seine Forderung: "Dafür muss die Politik jetzt die gesetzlichen Bremsen lösen."

#Energiewende#Bundesnetzagentur
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