1&1 erweitert Glasfaser-Reichweite um 2,7 Millionen Haushalte durch Partnerschaft mit GlasfaserPlus

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Die am 15. Oktober 2026 bekanntgegebene Kooperation zwischen 1&1 und GlasfaserPlus verschafft dem Telekommunikationsanbieter Zugang zu 2,7 Millionen zusätzlichen Haushalten. Die Vereinbarung stärkt 1&1 im Wettbewerb um ländliche Regionen und Klein- und Mittelstädte.

Strategische Partnerschaft erweitert Reichweite

Die 1&1 AG hat am 15. Oktober 2026 eine langfristige Kooperationsvereinbarung mit GlasfaserPlus geschlossen, die dem Telekommunikationsunternehmen den Zugang zu rund 2,7 Millionen weiteren Haushalten ermöglicht. Die Partnerschaft erweitert die Reichweite von 1&1 deutlich und umfasst auch zukünftige Ausbaugebiete bis 2034.

GlasfaserPlus und das Open-Access-Modell

GlasfaserPlus ist ein im Frühjahr 2022 gegründetes Joint Venture zwischen der Deutschen Telekom und dem IFM Global Infrastructure Fund. Das Infrastrukturunternehmen plant, bis 2034 rund vier Millionen Glasfaseranschlüsse im ländlichen Raum sowie in klein- und mittelstädtischen Regionen Deutschlands zu errichten. Das Besondere an GlasfaserPlus: Das Unternehmen betreibt seine Infrastruktur nach dem Open-Access-Modell. Als reines Infrastrukturunternehmen vertreibt GlasfaserPlus keine eigenen Endkundenprodukte, sondern stellt sein Netz Telekommunikationsanbietern diskriminierungsfrei, fair und transparent zu gleichen Bedingungen zur Verfügung.

Multi-Partner-Strategie von 1&1

Für 1&1 ist die Vereinbarung mit GlasfaserPlus Teil einer umfassenderen Netzstrategie. Das Unternehmen verfolgt konsequent die Zusammenarbeit mit mehreren Infrastrukturbetreibern. Neben der neuen Partnerschaft bestehen bereits Kooperationen mit Deutsche Glasfaser, OXG, Tele Columbus und Thüringer Netkom. Zudem nutzt 1&1 seit mehreren Jahren eine Vereinbarung zur Nutzung des Glasfasernetzes der Deutschen Telekom.

Nach eigenen Angaben ist 1&1 Glasfaser bereits in 430 Städten in Deutschland verfügbar oder wird dort ausgebaut. Das Unternehmen betreibt eines der größten Glasfasernetze Deutschlands mit über 70.000 Kilometern Länge und eigener Netzinfrastruktur in über 350 deutschen Städten. Die Kooperation mit GlasfaserPlus erweitert diese Basis erheblich und erschließt vor allem ländliche Gebiete und kleinere Städte, in denen 1&1 bisher nicht oder nur eingeschränkt präsent war.

Marktumfeld: Chancen und Herausforderungen

Die Expansion erfolgt in einem Marktumfeld, das von erheblichen Wachstumschancen, aber auch Herausforderungen geprägt ist. In Deutschland sind derzeit rund 32 Millionen Haushalte und kleine und mittlere Unternehmen über Glasfaser erreichbar. Allerdings nutzen nur 7,8 Millionen davon einen Glasfaseranschluss aktiv. Die Take-Up-Rate liegt damit bei lediglich etwa 26 Prozent. Diese Lücke zwischen Verfügbarkeit und tatsächlicher Nutzung stellt sowohl eine Herausforderung als auch eine Chance für Anbieter wie 1&1 dar, die mit wettbewerbsfähigen Tarifen um Kunden werben.

Fragmentierter Markt und internationale Einordnung

Der deutsche Glasfasermarkt ist stark fragmentiert. Neben großen Anbietern wie Telekom, Vodafone und 1&1 sind über 200 regionale Netzbetreiber aktiv. Deutschland belegt mit einem Glasfaseranteil von 12,2 Prozent aller Breitbandanschlüsse lediglich Platz 40 im OECD-Ranking. Über 70 Prozent der Glasfaseranschlüsse in Deutschland, vor allem in ländlichen Regionen, wurden von Wettbewerbern der Deutschen Telekom errichtet. Diese Wettbewerber investieren mit 29,4 Prozent ihres Umsatzes weiterhin fast 50 Prozent mehr als die Deutsche Telekom, die 20,9 Prozent ihres Umsatzes in den Ausbau steckt.

Regulatorische Entwicklungen

Die Bundesnetzagentur hat kürzlich ein Diskussionspapier zu Open-Access-Bedingungen vorgelegt, um den Wettbewerb auf Glasfasernetzen zu sichern. Verbraucher sollen auch auf Glasfaser zwischen verschiedenen Anbietern, Produkten und fairen Preisen wählen können. Diese regulatorische Entwicklung unterstützt das Geschäftsmodell von Infrastrukturunternehmen wie GlasfaserPlus und schafft Rahmenbedingungen, die Kooperationen wie die zwischen 1&1 und GlasfaserPlus begünstigen.

Mobilfunk-Strategie als Ergänzung

Die Netzstrategie von 1&1 beschränkt sich nicht auf Glasfaser. Seit Dezember 2023 betreibt das Unternehmen ein eigenes Mobilfunknetz auf Basis der Open-RAN-Technologie, Europas erstes vollständig virtualisiertes 5G-Netz. Zum 31. März 2026 erreichte dieses Netz bereits circa 29 Prozent der deutschen Haushalte. Wo das eigene Netz noch nicht verfügbar ist, nutzt 1&1 National Roaming über das Vodafone-Netz. Die parallele Entwicklung eigener Infrastruktur im Mobilfunk und die strategische Zusammenarbeit mit Partnern im Festnetz zeigen einen zweigleisigen Ansatz: Eigenbau dort, wo es wirtschaftlich sinnvoll ist, Kooperation dort, wo Partner bereits investiert haben.

Perspektiven für Wachstum und Profitabilität

Für Anleger stellt sich die Frage, wie sich die erweiterte Reichweite auf Wachstum und Profitabilität auswirkt. Die Partnerschaft mit GlasfaserPlus ermöglicht 1&1 den Zugang zu Millionen zusätzlicher potenzieller Kunden, ohne selbst die hohen Infrastrukturinvestitionen tragen zu müssen. Gleichzeitig verschärft die aggressive Preisstrategie, mit der 1&1 am Markt auftritt, den Wettbewerb. Ob sich daraus nachhaltige Margen ergeben, hängt davon ab, wie erfolgreich das Unternehmen die niedrige Take-Up-Rate im deutschen Glasfasermarkt für sich nutzen kann.

Die Kooperation mit GlasfaserPlus verschafft 1&1 einen Wettbewerbsvorteil gegenüber Anbietern, die ausschließlich auf eigene Infrastruktur setzen oder auf die Netze einzelner Partner angewiesen sind. Die Strategie der Multi-Partner-Kooperationen erlaubt eine schnellere und kosteneffizientere Expansion. Zugleich bleibt 1&1 von der Qualität und Zuverlässigkeit der Partner-Infrastruktur abhängig. Die langfristige Vereinbarung bis 2034 bietet Planungssicherheit, setzt aber voraus, dass GlasfaserPlus seine Ausbauziele wie geplant umsetzt.

Insgesamt markiert die Partnerschaft mit GlasfaserPlus einen wichtigen Schritt in der Netzstrategie von 1&1. Die Kombination aus eigener Infrastruktur und strategischen Kooperationen positioniert das Unternehmen als einen der führenden Glasfaseranbieter in Deutschland. Ob sich daraus ein nachhaltiger Wettbewerbsvorteil und attraktive Renditen für Aktionäre ergeben, wird sich in den kommenden Jahren zeigen, wenn die zusätzlichen 2,7 Millionen Haushalte tatsächlich erschlossen und in zahlende Kunden umgewandelt werden.

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