Mehr Erkrankte bei abflachenden Neuerkrankungsraten
Wie sich CED weltweit verbreiten, untersuchten Hracs und Kollegen von der GIVES-21 Research Group in einer im April 2025 in "Nature" veröffentlichten Analyse. Grundlage waren Versorgungsdaten aus 522 populationsbasierten Studien in 82 Weltregionen. Die Daten decken den Zeitraum von 1920 bis 2024 ab; die Forschenden beschreiben die Entwicklung anhand von vier epidemiologischen Stadien.
Die meisten früh industrialisierten Regionen Europas, Nordamerikas und Ozeaniens ordnet die Analyse dem Stadium 3 zu, dem sogenannten "compounding prevalence". Kennzeichnend ist, dass die Rate der Neuerkrankungen, die Inzidenz, langsamer zunimmt, stagniert oder zurückgeht. Der Anteil der Menschen, die mit CED leben – die Prävalenz –, steigt dagegen weiterhin stetig.
Menschen ab 60 Jahren machen einen wachsenden Anteil aus
Den Wandel der Altersstruktur zeigen Daten der Global Burden of Disease Study 2021, über die Liu und Kollegen 2024 in "Frontiers in Aging" berichteten: Weltweit lebten 1990 insgesamt 573.500 Menschen ab 60 Jahren mit CED, 2021 waren es 1.278.190. Damit entfiel rund ein Drittel, etwa 33 Prozent, aller CED-Fälle auf diese Altersgruppe. Für 2051 wird ihre Zahl auf etwa 2.316.000 prognostiziert.
Auch eine kanadische Untersuchung von Coward und Kollegen aus dem Jahr 2019 dokumentiert diese Verschiebung. Dort erhöhte sich der Anteil der mindestens 60-Jährigen unter den CED-Patienten zwischen 1999 und 2018 von 18,9 auf 35,7 Prozent.
Modelle erwarten weiteren Anstieg bis 2043
Für Kanada, Dänemark und Schottland modelliert die internationale Analyse eine weiter steigende Prävalenz. In Kanada liegt der Ausgangswert bei 0,65 Prozent im Jahr 2014, für 2043 werden 1,05 Prozent erwartet. Für Dänemark ergeben sich Werte von 0,86 auf 1,59 Prozent, für Schottland von 0,74 auf 1,51 Prozent.
Dabei verlangsamt sich in den Modellen das Wachstum der Prävalenz. Die Analyse beschreibt dies als Übergang zum Stadium 4, dem "prevalence equilibrium", der durch die alternde CED-Population vorangetrieben wird. Prognosen für Kanada und Schottland gehen zudem davon aus, dass bis 2030 rund ein Prozent der Bevölkerung mit CED leben wird.
Begleiterkrankungen und Wechselwirkungen berücksichtigen
Für ältere CED-Patienten nennt eine Arbeit von Taleban und Kollegen aus dem Jahr 2015 besondere medizinische Herausforderungen: mehrere gleichzeitig bestehende Erkrankungen, Wechselwirkungen zwischen Arzneimitteln und ein erhöhtes Operationsrisiko. Tillotts Pharma hebt deshalb in seiner Pressemitteilung Therapiekonzepte hervor, die Wirksamkeit und gute Verträglichkeit im höheren Alter mit der Berücksichtigung von Begleiterkrankungen und der gleichzeitigen Einnahme mehrerer Medikamente verbinden.
Die finanziellen Belastungen beleuchtet eine US-Studie von Park und Kollegen aus dem Jahr 2020. Demnach betrugen die medizinischen Ausgaben für Menschen mit CED in den Jahren 2015–2016 durchschnittlich 22.987 US-Dollar pro Jahr – mehr als das Dreifache der Ausgaben für Personen ohne CED.



