Copla führt Software für IKT-Drittdienstleister ein, um eine 69-prozentige Compliance-Lücke zu schließen
Copla, ein 2023 gegründeter Anbieter von GRC-Automatisierungslösungen (Governance, Risk und Compliance) aus Vilnius, hat am 19. Oktober 2026 die Markteinführung seiner Software für IKT-Drittdienstleister bekannt gegeben. Die Lösung richtet sich an Unternehmen, die Lieferantenrisiken und Drittparteien-Beziehungen in Beschaffung, IT, Recht und Compliance verwalten müssen, und geht über regulierte Finanzinstitute hinaus.
Der Global Cybersecurity Outlook 2025 des Weltwirtschaftsforums zeigt das Ausmaß der Problematik: 69 Prozent der Organisationen empfinden Vorschriften als zu komplex oder zu zahlreich oder haben Schwierigkeiten zu überprüfen, ob ihre Drittlieferanten die Anforderungen erfüllen. Zusätzlich identifizierten 54 Prozent der großen Organisationen Lieferketten-Herausforderungen als größtes Hindernis für Cyber-Resilienz, während 63 Prozent die komplexe und sich entwickelnde Bedrohungslandschaft als zentrale Herausforderung nennen.
Vier zentrale Problemfelder bei der Drittanbieter-Überwachung
Laut Copla lassen sich die Compliance-Lücken auf vier wiederkehrende Probleme zurückführen: eine Risikoüberwachung, die jährlich statt kontinuierlich erfolgt, ein Onboarding und eine Dokumentenerfassung, die auf manuellem Nachfassen beruhen, eine fehleranfällige Berichterstattung durch das Kopieren von Daten zwischen Tabellenkalkulationen sowie Risiken, die sich über mehrere Ebenen in Subunternehmerketten aufbauen, ohne dass ein einzelnes Register dafür konzipiert wurde.
In regulierten Branchen verschärft sich die Situation erheblich. Der Digital Operational Resilience Act (DORA) der EU, der seit dem 17. Januar 2025 für über 22.000 Finanzinstitute anwendbar ist – darunter Banken, Versicherer, Wertpapierfirmen und Krypto-Asset-Dienstleister – verlangt gemäß Artikel 28(3) ein kontinuierlich aktualisiertes Informationsregister über alle IKT-Drittanbieter. Die meisten EU-Mitgliedstaaten setzten die ersten Einreichungsfristen für Anfang bis Mitte April 2025 fest.
Massive Schwierigkeiten bei der praktischen Umsetzung
Die Vorbereitung auf diese Anforderungen verläuft höchst unterschiedlich. Bei einem Testlauf der Europäischen Aufsichtsbehörden im Jahr 2024 bestanden lediglich 6,5 Prozent von knapp 1.000 getesteten Finanzunternehmen alle 116 erforderlichen Datenqualitätsprüfungen. Eine separate Erhebung ergab, dass nur 8 Prozent der Finanzunternehmen eine vollständige Einhaltung der DORA-Anforderungen für IKT-Drittdienstleister meldeten, wobei 46 Prozent das Register als schwierigste zu erfüllende Anforderung bezeichneten.
Die Konsequenzen bei Nichteinhaltung sind erheblich: DORA sieht Strafen von 5 bis 10 Millionen Euro oder 5 bis 10 Prozent des Jahresumsatzes vor, die seit Januar 2025 durch nationale Aufsichtsbehörden durchgesetzt werden. Im November 2025 haben die Europäischen Aufsichtsbehörden bereits 19 IKT-Anbieter als kritische Drittdienstleister (CTPPs) eingestuft und unterwerfen sie der direkten Aufsicht durch gemeinsame Prüfungsteams.
Branchenübergreifendes Problem
Das grundlegende Problem – die Nachverfolgung von Lieferantenbeziehungen, Zertifizierungen und Vertragsbedingungen ohne eine gemeinsame Single Source of Truth – beschränkt sich nicht auf den Finanzsektor. Coplas Software unterstützt neben DORA auch weitere Compliance-Frameworks wie NIS2, ISO 27001 und SOC 2 und adressiert damit ein branchenübergreifendes Defizit im Drittanbieter-Risikomanagement.
Die Plattform zielt darauf ab, die genannten Schwachstellen durch Automatisierung zu beheben: kontinuierliche statt punktuelle Überwachung, automatisiertes Onboarding, fehlerreduzierte Berichterstattung durch zentrale Datenerfassung und eine transparente Darstellung mehrstufiger Lieferantenbeziehungen.





