Frankreich spricht mit Taliban über Rückführungen – US-Pläne sehen Route über Pakistan vor

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Paris will die Rückführung von Afghanen ohne Aufenthaltsgenehmigung ermöglichen und verhandelt darüber mit den Taliban. Während mehrere EU-Staaten solche Abschiebungen vorantreiben, berichtet die New York Times über US-Pläne, mehr als 150 Afghanen über Pakistan auszuweisen.

Frankreich betont technischen Charakter der Gespräche

Frankreichs Innenminister Laurent Nuñez erläuterte am Montag vor dem Parlament das Ziel der Kontakte: "Wir versuchen, die Möglichkeit zu schaffen, eine bestimmte Anzahl von Afghanen ohne Aufenthaltsgenehmigung zurückzuführen. Das sind technische Gespräche", sagte er. Als Beispiel verwies er auf Deutschland: "Andere Länder tun das, Deutschland tut das."

Eine diplomatische Anerkennung sei damit nicht verbunden, betonte auch das französische Außenministerium. Seit die Taliban im August 2021 erneut die Macht übernahmen, unterhält Paris keine diplomatischen Beziehungen zu ihrer Regierung. Die französische Botschaft in Kabul ist weiterhin geschlossen.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP gehört Frankreich damit zu rund 20 EU-Staaten, die Rückführungen von Afghanen beschleunigen wollen. Auch Deutschland, Belgien und Schweden haben dafür Gesprächskanäle zu den Taliban eröffnet. In Frankreich könnten nach Einschätzung einer mit der Angelegenheit vertrauten Quelle Hunderte Afghanen betroffen sein.

Deutschland lässt Taliban-Vertreter zu

Deutschland erkennt die Taliban-Regierung ebenfalls nicht offiziell an, verhandelt mit ihr jedoch auf hoher Ebene. Unter maßgeblichem Einsatz von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) verfolgt die Bundesregierung das Ziel, mehr Menschen nach Afghanistan abzuschieben. Anders als Österreich und zahlreiche weitere Staaten hat sie den Taliban ermöglicht, die afghanischen Auslandsvertretungen im Land weitgehend zu übernehmen.

Die Taliban knüpfen Rückführungsvereinbarungen nach NDR-Recherchen daran, dass der jeweilige Staat einen oder mehrere Konsularbeamte aus Kabul akzeptiert. Zwei Taliban-Diplomaten durften bereits im Sommer 2025 nach Deutschland einreisen.

Im Juni verhandelte eine Taliban-Delegation in Brüssel mit der EU und 15 Mitgliedstaaten über die Rücknahme abgelehnter Asylsuchender. Menschenrechtsorganisationen und linke Gruppen kritisierten die Gespräche heftig. Die EU erkennt die Taliban-Regierung nicht offiziell an. Nach Angaben von tagesschau.de hat seit diesem Besuch kein weiterer EU-Staat Absprachen wie Deutschland getroffen.

Ende August 2026 kamen drei Vertreter des afghanischen Außenministeriums nach Deutschland. Sie suchten die Botschaft in Berlin und die Generalkonsulate in Bonn und München auf und nahmen dort deutsche sowie alte afghanische Flaggen ab. Nach NDR-Informationen reiste die Delegation in der Woche vor dem 23. September wieder nach Afghanistan.

RFI zufolge brachte Deutschland im Sommer 2026 mit mindestens zwei Charterflügen afghanische Staatsangehörige nach Kabul; nicht alle waren wegen einer Straftat verurteilt. Das Bundesinnenministerium bezifferte die Zahl der seit Beginn der laufenden Legislaturperiode abgeschobenen Männer auf insgesamt 228. Dabei handelte es sich überwiegend, aber nicht ausschließlich um Straftäter. Bei der zum Zeitpunkt dieser Angaben letzten Sammelabschiebung flogen 23 Ausreisepflichtige von Leipzig/Halle nach Kabul.

US-Pläne betreffen auch Angehörige früherer Militärhelfer

Über die geplante Ausweisung von mehr als 150 Afghanen aus den USA berichtete die New York Times unter Berufung auf drei US-Regierungsmitarbeiter. Da die US-Regierung die Betroffenen nicht direkt nach Afghanistan abschieben kann, sollen sie über Pakistan gebracht werden.

Die Gruppe wird dem Bericht zufolge in Louisiana festgehalten. Zu ihr gehören Angehörige von Menschen, die das US-Militär unterstützt haben, sowie mindestens ein homosexueller Mann. Als Termin für den ersten Flug nannte die Zeitung den 2. November. Es würde sich um eine der größten einzelnen Abschiebungen von Afghanen handeln.

AfghanEvac-Präsident Shawn VanDiver warf der US-Regierung vor, die geplante Abschiebung in die Woche der US-Zwischenwahlen zu legen, in der Hoffnung, sie werde unbeachtet bleiben. Die Wahl findet am Dienstag statt. Viele Betroffene seien Brüder oder Söhne von Männern, die an der Seite der US-Streitkräfte gedient hätten. Nach Angaben der Menschenrechtsgruppe sind auch Menschen betroffen, die selbst bis zum Abzug 2021 das US-Militär in Afghanistan unterstützten.

US-Präsident Donald Trump hatte bereits im Vorjahr Einreiseverbote für mehrere Staaten einschließlich Afghanistans verhängt. Zudem will er den Abschiebeschutz für Afghanen beenden. Einige von ihnen hatten nach der Machtübernahme der Taliban 2021 spezielle Einwanderungsvisa (SIV) erhalten.

Am Montag reagierte die Taliban-Regierung besorgt auf die mutmaßlichen US-Pläne. Außenministeriumssprecher Abdul Kahar Balchi verlangte von Washington einen "verantwortungsvollen und maßvollen Ansatz". Entscheidungen müssten "die Rechte und legitimen Forderungen" der Betroffenen berücksichtigen. Zugleich erklärte er Kabul bereit, auf Grundlage gegenseitigen Verständnisses praktisch zusammenzuarbeiten.

Verfolgungsgefahr und Spannungen mit Pakistan

Den von einer Abschiebung betroffenen Afghanen drohen in ihrer Heimat Verfolgung und Gewalt. Zwar hatten die Taliban nach ihrer Machtübernahme früheren Mitarbeitern westlicher Streitkräfte und Regierungen eine Generalamnestie zugesagt, die eine sichere Rückkehr gewährleisten sollte. Die Uno berichtet jedoch weiterhin von außergerichtlichen Tötungen, Willkürjustiz und Misshandlungen.

Auch darüber hinaus werden den Taliban massive Grundrechtsverletzungen vorgeworfen. Insbesondere für Frauen und Mädchen hat sich die Lage seit ihrer erneuten Machtübernahme drastisch verschlechtert.

Pakistan hatte seine Strafverfolgungsbehörden bereits früher in diesem Jahr angewiesen, afghanische Staatsbürger ohne Visum festzunehmen. Die Maßnahme gehört zu einer seit Jahren betriebenen Rückführungspolitik, die Millionen Afghanen zurückgedrängt hat.

Zugleich belasten wiederholte Zusammenstöße an der gemeinsamen Grenze die Beziehungen zwischen Pakistan und Afghanistan. Die pakistanische Regierung beschuldigt die Taliban, Kämpfern Zuflucht zu bieten, die Anschläge in Pakistan verüben. Kabul weist diesen Vorwurf zurück.

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