Safer Internet Day 2027: klicksafe ruft zu Aktionen gegen sexualisierte Gewalt im Netz auf

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Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt steht im Mittelpunkt des Safer Internet Day am 9. Februar 2027. Unter dem Motto "Mein Bild - Deine Grenze. Stopp sexualisierte Gewalt im Netz" lädt die EU-Initiative klicksafe bundesweit zu Veranstaltungen und Projekten ein. Auch der…

Teilnahme am Aktionstag und im Februar

Ob sexualisierte Deepfakes, Cybergrooming oder Erpressung mit intimen Bildern, sogenannte Sextortion: Nach Angaben von klicksafe sind Kinder und Jugendliche zunehmend von sexualisierter Gewalt im Netz betroffen. Mit dem Aktionstag will die Initiative über digitale Grenzverletzungen aufklären und den Schutz junger Menschen stärken.

Mitmachen können unter anderem Schulen, Unternehmen, Behörden, Medienhäuser, Start-ups und Vereine. Ihre Veranstaltungen, Aktionen und Projekte dürfen das diesjährige Schwerpunktthema aufgreifen oder andere Fragen der Online-Sicherheit und Medienkompetenz behandeln. Anmeldungen nimmt klicksafe ab sofort entgegen.

Für pädagogische Fachkräfte, Eltern und Jugendliche kündigt klicksafe begleitende medienpädagogische Materialien an. Außerdem ist eine klicksafe Schulstunde zum Thema geplant, die eine Auseinandersetzung mit bildbasierter sexualisierter Gewalt ermöglichen soll.

klicksafe koordiniert den Safer Internet Day in Deutschland seit 2004 und ist auch für den Aktionsmonat zuständig. Seinen Ursprung hat der internationale Aktionstag im EU-Projekt SafeBorders von 2004; 2005 nahm ihn das europäische Insafe-Netzwerk als eine seiner ersten Aktionen auf. Nach Angaben der EU-Plattform "Better Internet for Kids" beteiligen sich heute mehr als 160 Länder und Territorien.

Polizeiliche Zahlen und Erfahrungen Jugendlicher

Als Beleg für die Entwicklung verweist klicksafe auf das "Bundeslagebild Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen 2025". Es verzeichnet rund 5.000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Einwirken ohne Körperkontakt. Nach den genauen Angaben des Bundeskriminalamts waren es 4.861 sogenannte Hands-Off-Straftaten, 16,5 Prozent mehr als 2024.

Dazu gehören etwa Fälle, in denen Kinder über Chats zu sexuellen Aufnahmen oder zu sexuellen Handlungen an sich selbst im Livestream gebracht wurden. Laut klicksafe nutzen Täterinnen und Täter soziale Medien, Messenger und Gaming-Plattformen, um junge Menschen direkt und unbemerkt von deren Umfeld zu erreichen. Die Initiative geht von einem erheblich größeren Dunkelfeld aus: Viele Betroffene erkannten Übergriffe nicht, hielten sie für normal oder meldeten sie nicht.

Vorgestellt wurde das Lagebild am 21. Juli 2026 von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, BKA-Präsident Holger Münch und Kerstin Claus, der Unabhängigen Beauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Einen neuen Höchststand erreichten 2025 die Straftaten im Zusammenhang mit jugendpornografischen Inhalten: 11.515 Fälle bedeuteten einen Anstieg um 19,9 Prozent. Bei kinderpornografischen Inhalten sank die Zahl dagegen um 2,7 Prozent auf 41.677 Fälle. Insgesamt registrierte das Lagebild 20.051 minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs, nach 19.344 im Jahr 2024.

Wie Jugendliche belastende Erfahrungen im Netz wahrnehmen, zeigt die Studie JIMplus 2026. Ungewollt zugesandte Nacktbilder, etwa "Dickpics", zählen demnach zu den am stärksten empfundenen Belastungen. 72 Prozent der befragten Jugendlichen bewerten solche Bilder als "sehr belastend" oder "belastend".

Weitere Befunde liefert die fünfte Befragungswelle der Längsschnittstudie "Kinder und Jugendliche als Opfer von Cybergrooming" der Landesanstalt für Medien NRW. Vom 16. bis 29. Januar 2025 wurden dafür 2.041 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 17 Jahren befragt. 24 Prozent hatten mindestens eine Form von Cybergrooming erlebt; unter den 14- bis 17-Jährigen lag der Anteil bei 35 Prozent. Von den durch Cybergrooming Betroffenen waren 26 Prozent zusätzlich Opfer von Sextortion geworden.

Forderungen nach strafrechtlichem Schutz und verlässlichen Meldungen

Bei der Vorstellung des Lagebilds erklärte Kerstin Claus, Cybergrooming betreffe fast jeden Dritten im Alter von 14 bis 17 Jahren, sei bislang aber nicht strafbar. Zugleich nehme Sextortion drastisch zu. Die Beauftragte verlangte, Jugendliche vor Cybergrooming zu schützen und Sextortion als eigenständige Sexualstraftat zu erfassen.

BKA-Präsident Holger Münch verwies am selben Tag auf mehr als 100.000 strafrechtlich relevante Hinweise, die das NCMEC dem BKA 2025 übermittelt habe. Nach seiner Darstellung besteht durch die seit Anfang April 2026 geltende Regelungslage in der EU eine Lücke bei der Erkennung und Meldung von kinder- und jugendpornografischen Inhalten sowie von Cybergrooming. Er forderte eine dauerhafte Regelung über die CSA-Verordnung: Die kommende Interimslösung laufe im April 2028 aus.

Prävention, Plattformverantwortung und Hilfe für Betroffene

"Jede Grenzüberschreitung ist eine zu viel", sagt Dr. Marc Jan Eumann, Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Er fordert von Plattformen einen konsequenten Schutz von Kindern und Jugendlichen. Digitaler sexualisierter Gewalt dürfe nicht der Charakter eines bloß virtuellen Vergehens zugeschrieben werden; sie greife die Selbstbestimmung und Unversehrtheit junger Menschen real an.

Deborah Woldemichael, Leiterin von klicksafe bei der Medienanstalt Rheinland-Pfalz, beschreibt bildbasierte sexualisierte Gewalt als Teil des digitalen Alltags vieler junger Menschen. Jugendliche normalisierten sie deshalb häufig. Prävention müsse ihnen helfen, Übergriffe zu erkennen, Unterstützung zu suchen und die Rechte anderer zu respektieren.

klicksafe sieht Politik, Gesetzgeber, Schulen und Plattformen in der Verantwortung. Kinder, Jugendliche und Erwachsene müssten umfassend über sexualisierte Gewalt im Netz, persönliche Grenzen und ihre Rechte aufgeklärt werden. Neben Medienkompetenz brauche es die konsequente Umsetzung von Schutzmaßnahmen und die Verfolgung von Übergriffen.

Für Plattformen fordert die Initiative einfach erreichbare Meldewege, die konsequente Löschung rechtswidriger Inhalte und wirksamen Schutz für Betroffene. Wer einen Übergriff beobachte, solle die betroffene Person unterstützen, Inhalte melden und sie nicht weiterverbreiten.

Menschen, die von digitaler Gewalt berichten, benötigten fachkundige Hilfe statt Schuldzuweisungen. Die Verantwortung trügen diejenigen, die die Gewalt ausüben. Zum geforderten Hilfsangebot gehören vertrauliche, niedrigschwellig erreichbare Beratungsstellen und verlässliche Informationen darüber, welche nächsten Schritte möglich sind.

Die Initiative hinter dem Aktionstag

klicksafe ist die deutsche Medienkompetenz-Initiative der Europäischen Union. Die Medienanstalt Rheinland-Pfalz koordiniert ihre Arbeit in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz. Die Initiative unterstützt einen selbstbestimmten und kritischen Umgang mit digitalen Medien. Nach eigenen Angaben arbeitet sie politisch und wirtschaftlich unabhängig und gehört dem Verbund "Safer Internet DE" an.

#Europäische Union#Polizei
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