Augustusburg weiht einzigartige 360-Grad-Orgel-Klangwelt ein

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In der Stadtkirche St. Petri wurde die historische Jehmlich-Orgel restauriert und um fünf neue Orgelwerke sowie ungewöhnliche Klangquellen erweitert. Das 1,3-Millionen-Euro-Projekt soll Tradition mit Innovation verbinden und neue Besuchergruppen ansprechen.

Augustusburg weiht einzigartige 360-Grad-Orgel-Klangwelt ein

In Augustusburg bei Chemnitz entsteht ein neues Highlight in der sächsischen Orgellandschaft: Nach zweieinhalb Jahren Arbeit wird am Wochenende eine innovative Orgel-Klanginstallation eingeweiht, die historisches Handwerk mit modernster Technik vereint. Für rund 1,3 Millionen Euro wurde die Jehmlich-Orgel in der Stadtkirche St. Petri nicht nur restauriert, sondern um ein spektakuläres Klanguniversum erweitert.

Die historische Orgel stammt von Jehmlich Orgelbau Dresden, einem Familienunternehmen, das 1808 gegründet wurde und bereits in sechster Generation geführt wird. Mit über 1.161 weltweit gebauten Orgeln bis 2014 gilt die Firma als sächsischer Orgelbauer mit dem umfangreichsten Werk. Die Restaurierung und Erweiterung übernahm die Firma Schuke Orgelbau aus Brandenburg, die seit ihrer Gründung 1820 in Potsdam auf über 200 Jahre Erfahrung im Orgelbau zurückblickt.

Das Besondere an dem Projekt: Fünf zusätzliche Orgelwerke wurden im Kirchenraum verteilt installiert. Hinzu kommen völlig neue Klangquellen wie Marimbaphon, Akkordeon, Glocken und sogar Vogelstimmen, die geschützt in Glasvitrinen zu sehen sind. Insgesamt sind nun 4.567 Pfeifen und Klangelemente über einen zentralen Spieltisch miteinander verbunden, der ein nahezu rundum umfassendes Klangerlebnis ermöglicht.

Vom Vulkanbass bis zur Moldau

Kirchenmusiker Pascal Kaufmann, der das Projekt mitinitiierte, beschreibt die technischen Möglichkeiten: Der neue Spieltisch verfüge nicht nur über eine zusätzliche Tastenreihe, sondern auch über mehr Tasten in der Breite. Dadurch könnten Organisten nicht nur klassische Orgelliteratur spielen, sondern auch sinfonische Werke von Tschaikowskys Schwanensee bis zu Smetanas Moldau.

Ein besonderes Highlight ist der sogenannte Vulkanbass. Die hölzernen Basspfeifen, bis zu acht Meter lang, liegen im Emporenboden eingebettet und erzeugen fundamentale Bassklänge, deren Vibrationen die Zuhörer im ganzen Körper spüren. Die Bezeichnung verweist auf den geologischen Untergrund: Die Kirche wurde auf einem erloschenen Vulkan errichtet.

Michael Schuke, der das Familienunternehmen heute mit seinem Bruder leitet, war persönlich vor Ort. Das Team habe historisches Pfeifenwerk wiederverwendet und neues hinzugefügt, erläutert er. Die größte Herausforderung sei gewesen, alles von der Montage über die elektronische Ansteuerung bis zur Intonation in Einklang zu bringen.

Breite Unterstützung für das Millionenprojekt

Dass die Vision Wirklichkeit werden konnte, ist dem Engagement vieler Menschen zu verdanken. Der Freistaat Sachsen übernahm einen Großteil der Kosten, doch mehr als 1.000 private Spender und zahlreiche Ehrenamtliche unterstützten das Vorhaben. Ein Vertretungsorganist etwa, der sich als freiwilliger Lichttechniker einbrachte, konzipierte die Illumination des Ortes mit und ist nahezu jeden Abend in der Kirche anzutreffen. Für Kaufmann sind solche Momente Glücksfall: wenn man auf die Stärken der Menschen vor Ort setzen könne.

Das Projekt fügt sich in eine traditionsreiche Orgelkultur ein: Sachsen verfügt über rund 2.500 Orgeln, von denen mehr als 150 historische Exemplare sind. Die deutsche Orgelbaukunst und Orgelmusik wurden im Dezember 2017 von der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe erklärt, was die kulturelle Bedeutung solcher Erhaltungs- und Innovationsprojekte unterstreicht.

Tourismusmagnet im UNESCO-Welterbe

Die neue Klangwelt soll zusammen mit dem Renaissance-Schloss Augustusburg, das zwischen 1568 und 1572 von Kurfürst August von Sachsen als Jagdschloss erbaut wurde, ein touristischer Anziehungspunkt werden. Das Schloss thront 516 Meter über dem Zschopautal und beherbergt bereits Europas bedeutendstes Motorradmuseum mit über 150 Exponaten.

Augustusburg liegt etwa zwölf Kilometer östlich von Chemnitz im Erzgebirge und ist seit 1980 staatlich anerkannter Erholungsort. Die gesamte Region Erzgebirge/Krušnohoří wurde 2019 als Montanregion UNESCO-Welterbestätte. Die Stadtkirche selbst verfügt über weitere Kunstschätze, darunter einen Altar von Lucas Cranach dem Jüngeren.

Programm für alle Sinne

Das Ziel des Projekts ist es, auch Menschen anzusprechen, die bisher keine begeisterten Orgelmusik-Hörer waren – insbesondere Kinder und Jugendliche. Das Instrument sei einfach beeindruckend, betont Kaufmann. Man könne nicht nur zuhören, sondern mit Kindern herumgehen und in die Orgel hineinschauen.

Geplant sind Führungen, die die Klangwelt mit allen Sinnen erlebbar machen, kurze Mittagsmusiken, elegische Abendklänge und große Konzerte mit Illumination. Jeden Monat ist zudem eine Orgelwoche vorgesehen. Das Programm für die kommende Herbst- und Wintersaison verspricht vielfältige Erlebnisse.

Die Orgelweihe findet am 26. September 2026 statt, die Tickets dafür sind bereits ausverkauft. Am 27. September folgt ein Fest zur Orgelweihe mit freiem Eintritt von 12 bis 20 Uhr. In der Stadtkirche St. Petri werden fünf Konzerte mit wechselndem Programm geboten, ergänzt durch Aktionen und kulinarische Angebote in der gesamten Altstadt.

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