Eröffnung nach fünfjährigem Umbau
Für die Feier am Mittwoch um 11.00 Uhr werden laut dpa unter anderem der frühere Bundespräsident Christian Wulff und Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (beide CSU) erwartet. Das im November 2001 eröffnete Dokumentationszentrum wurde nach einem Entwurf des österreichischen Architekten Günther Domenig gebaut. Seine bisherige Dauerausstellung hieß "Faszination und Gewalt".
Während des fünfjährigen Umbaus hat das Team auch die Ausstellung neu entwickelt. Hunderte Exponate und interaktive Angebote erklären, wie Nürnberg zur Stadt der Reichsparteitage wurde und welche Rolle das Gelände in den folgenden Jahrzehnten spielte. Im Probebetrieb erprobte das Haus gemeinsam mit Besucherinnen und Besuchern sowohl die Technik der Medienstationen als auch neue Vermittlungsformate.
Von den NS-Aufmärschen zu Krieg und Deportation
Die Ausstellung führt in sieben Kapiteln durch vier Zeiträume. Den Anfang bildet die Frage "Warum Nürnberg?", am Ende steht "Was nun, Nürnberg?". Alle Inhalte werden auf Deutsch und Englisch vermittelt.
Zwischen 1933 und 1938 veranstalteten die Nationalsozialisten in Nürnberg ihre mehrtägigen Parteitage. Zu den Aufmärschen, Paraden und Appellen reisten etwa eine Million Menschen als Teilnehmende oder Zuschauer an. Das dafür genutzte Gelände erstreckte sich über elf Quadratkilometer, blieb jedoch eine Großbaustelle. Nur das Zeppelinfeld und die Haupttribüne wurden fertiggestellt und sind bis heute erhalten. Die Stadt Nürnberg bezeichnet das Areal als das größte erhaltene Ensemble nationalsozialistischer Staats- und Parteiarchitektur in Deutschland.
Anders als die bisherige Dauerausstellung widmet die neue Schau der Zeit von 1939 bis 1945 ein eigenes Kapitel über Kriegsgefangenschaft, Zwangsarbeit und Deportation. Auf dem Gelände kamen mindestens 5.000 Menschen ums Leben oder wurden gezielt ermordet. Vom Bahnhof Märzfeld aus wurden mehr als 2.000 Jüdinnen und Juden aus Franken in Ghettos und Vernichtungslager deportiert.
NS-Objekte werden zerlegt statt inszeniert
Nach Angaben der Stadt besuchen jährlich rund 300.000 Menschen aus aller Welt den Ort, um sich mit der NS-Vergangenheit auseinanderzusetzen. Weil nur noch wenige Zeitzeugen leben, erhalten die überlieferten Bauten und Gegenstände größeres Gewicht. Erstmals bezieht die Ausstellung deshalb auch Scheinwerfer der Zeppelintribüne, NS-Fahnen und einen hölzernen Reichsadler ein.
Die Kuratorinnen wollten vermeiden, diese Gegenstände wie NS-Devotionalien zu präsentieren. So liegen die Fahnen gefaltet in den Vitrinen; der Adler wird in Einzelteilen in eine Vitrine gezwängt gezeigt.
Zum neuen Vermittlungsansatz gehört außerdem eine "forensische Untersuchung": Objekte, Dokumente und Bilder werden in ihre Bestandteile zerlegt. Ein im Eintrittspreis enthaltener Media-Guide liest Ausstellungstexte vor und bietet an gekennzeichneten Stationen Originaltöne und Videos.
Mehr Platz und weitere Arbeiten am Gelände
Die Ausstellungsfläche umfasst jetzt 1.600 Quadratmeter und ist damit um 350 Quadratmeter gewachsen. Ursprünglich war das Haus für 100.000 Gäste pro Jahr ausgelegt; inzwischen braucht es Räume für etwa 300.000 jährliche Besucherinnen und Besucher.
Für die Bauarbeiten im Nordflügel der unvollendeten Kongresshalle wurden rund 28,7 Millionen Euro aufgewendet. Weitere 7,4 Millionen Euro kostete die Neugestaltung der Ausstellung.
Bis 2030 sind im Gesamtkonzept Reichsparteitagsgelände weitere Schritte vorgesehen: Die Zeppelintribüne einschließlich des darin liegenden "Goldenen Saals" soll baulich gesichert werden. Zugleich sollen die Tribüne und das Zeppelinfeld als begehbare Exponate für Besucher erschlossen werden.







