Stuttgarter Oper: Oettingers Expertenrunde soll am 4. November beginnen

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Sanierung des historischen Opernhauses oder Neubau: In diesem Streit soll eine Expertengruppe unter Günther Oettinger Empfehlungen erarbeiten. Nach Informationen des SWR haben sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper mit Oettinger auf den 4…

Zwei bis drei Sitzungen für die Neubewertung

Für die Vermittlung sind laut SWR zwei bis drei Sitzungen vorgesehen. Welche Fachleute angehört werden sollen, sei bereits vereinbart. Özdemir kündigte an, auch Erfahrungen aus großen Theaterbauprojekten in Köln, Frankfurt und Hamburg einzubeziehen.

Der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Oettinger (CDU) hatte Mitte September auf Bitten von Özdemir (Grüne) und Nopper (CDU) zugesagt, die Runde zu leiten. Der 73-Jährige soll mit der Gruppe Empfehlungen für die Zukunft des weltgrößten Dreispartenhauses vorlegen. Dabei ist zu prüfen, ob ein Neubau gegenüber der Sanierung die bessere und günstigere Lösung wäre.

Die Sanierung des Littmann-Baus im Zentrum Stuttgarts wird seit Jahrzehnten geplant. Angesichts geschätzter Gesamtkosten von bis zu zwei Milliarden Euro wächst jedoch vor allem in der Landes-CDU der Widerstand. Ihr Fraktionschef Tobias Vogt begründete die Ablehnung des bisherigen Konzepts zuletzt mit der verschlechterten Wirtschaftslage. Er favorisiere eher einen Neubau, dessen Kosten sich besser kalkulieren ließen.

Auch Özdemir stellte wegen der Kosten und der CDU-Bedenken die Sanierungspläne infrage und brachte einen Neubau als Alternative ein. Mit Nopper schlug er eine "ergebnisoffene Neubewertung" vor. Für das "Jahrhundertprojekt" sei breite Akzeptanz nötig, erklärte er. Kunstministerin Petra Olschowski (Grüne) setzt sich dagegen klar für die Sanierung ein: Das denkmalgeschützte Haus müsse ohnehin modernisiert werden.

Belastbarer Kostenvergleich fehlt bislang

Den genannten Milliardenbeträgen steht eine noch unvollständige Kostengrundlage gegenüber. Nach Angaben des baden-württembergischen Wissenschaftsministeriums gibt es für die eigentliche Sanierung des Opernhauses bislang keine belastbare Schätzung. Von den drei Teilprojekten sind erst zwei beziffert: rund 289 Millionen Euro für die Interimsspielstätte und 127 Millionen Euro für den Werkstattneubau in Bad Cannstatt.

Für einen Opernneubau waren in früheren Untersuchungen 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro angesetzt worden. Eine aktuelle, belastbare Rechnung zum Vergleich von Neubau und Sanierung liegt nach Angaben von BackstageClassical jedoch nicht vor.

Mehr Klarheit über die Gestaltung des historischen Hauses soll der laufende Architektenwettbewerb bringen. Die Entscheidung über die Sanierung und Neugestaltung des Littmann-Baus wird voraussichtlich am 4. Dezember 2026 fallen. Mit einer Kostenschätzung ist laut Wissenschaftsministerium aber auch unmittelbar danach noch nicht zu rechnen.

Streitpunkt Interim an den Wagenhallen

Besonders kritisiert die CDU-Landtagsfraktion die 289 Millionen Euro für die geplante Ausweichspielstätte. Dort sollen Oper und Ballett während der Sanierung etwa zehn Jahre lang unterkommen.

Für den Standort an den Wagenhallen hat die Projektgesellschaft Württembergische Staatstheater (ProWST) am 6. Juli 2026 überarbeitete Pläne vorgestellt. Nach Angaben der Stadt Stuttgart wurde die vorgesehene Fläche um nahezu 40 Prozent verkleinert; als Kostendeckel sind 289 Millionen Euro festgelegt. Der Grobterminplan sieht weiterhin vor, dass die Württembergischen Staatstheater das Interim ab 2033 nutzen.

Stadt und Land übernehmen die Finanzierung je zur Hälfte. Die dauerhaft verbleibenden Gebäudeteile sollen anschließend anderen Nutzungen dienen, etwa als Büro- und Gewerbeflächen für die am Standort entstehende Maker City. Für diese Gebäudeteile sind rund 150 Millionen Euro Erstellungskosten veranschlagt. Nach zehn Jahren Theaterbetrieb wird ihr Restbuchwert auf etwa 100 Millionen Euro geschätzt.

Der aktuelle Rahmenterminplan der Landesregierung sieht den Abschluss der Opernsanierung einschließlich Kulissenlager und Interimsspielstätte für 2041 vor.

Denkmalschutz und Warnung vor einem Planungsstopp

Auch bei einem Opernneubau müsste der 1912 eröffnete Littmann-Bau erhalten bleiben: Er steht unter Denkmalschutz, unabhängig von seiner künftigen Nutzung.

Die Architektenkammer Baden-Württemberg und der BDA-Landesverband wandten sich in einem offenen Brief vom 23. September 2026 gegen einen Abbruch des laufenden Wettbewerbs zur Sanierung, Modernisierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater. Dessen Ergebnis soll Anfang Dezember vorliegen. Eine grundlegende Revision der Planung würde ihrer Einschätzung nach weitere Kostensteigerungen und einen zusätzlichen Imageverlust für Land und Landeshauptstadt bedeuten.

Zugleich beschreibt das Finanzministerium den Zustand des Opernhauses als dringlich. In seiner Stellungnahme vom 15. September 2026 verweist es auf erheblichen Sanierungsbedarf; eine uneingeschränkte Betriebssicherheit sei nicht mehr gegeben. Ab 2027 könnte deshalb eine längere jährliche Spielzeitpause für Instandhaltungs- und Sicherungsarbeiten nötig werden.

Auch der jährliche Mittelbedarf für den sogenannten Baukorridor könnte steigen: Für 2024 bis 2026 liegt er bei 4,5 Millionen Euro, ab 2027 rechnet das Ministerium grob mit möglicherweise 6,0 bis 7,5 Millionen Euro pro Jahr.

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