Kollision auf der Strecke Madrid–Sevilla
Die beiden Züge kollidierten am 28. Oktober 2026, einem Mittwoch, kurz vor neun Uhr morgens. Der Unfallort liegt zwischen Mora und Urda auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Madrid–Sevilla. Beide Züge fuhren von Madrid nach Andalusien. Offiziellen Angaben zufolge reisten im Renfe-AVE 397 Fahrgäste; im Zug des privaten Betreibers Iryo waren 147 Menschen, darunter ein Baby.
Zu den bislang vorliegenden Angaben gehört, dass der Renfe-AVE vor dem Aufprall eine Strecke von rund 25 Kilometern in etwa 17 Minuten zurücklegte. Nach dem Ausfall des Sicherungssystems LZB war laut geltendem Protokoll jedoch nur eine Fahrt auf Sicht mit höchstens rund 40 km/h zulässig.
Die Ermittlungen stehen noch am Anfang. Europäische Vertreter warnten deshalb vor voreiligen Schlussfolgerungen. Die Europäische Kommission bot der spanischen Regierung Unterstützung an und kündigte an, dass die EU-Eisenbahnagentur die Situation prüfen werde.
Experten kritisieren Zustand und Wartung des Netzes
Mit dem Unglück rückt erneut die Frage in den Mittelpunkt, ob Spanien ausreichend in die Instandhaltung seiner Bahninfrastruktur investiert. Raymond Torres, Chef für Konjunkturanalyse bei Funcas, der Stiftung spanischer Sparkassen, sagte dem Handelsblatt: "Mich macht der Unfall fassungslos. Die Hochgeschwindigkeitszüge waren jahrelang der Stolz Spaniens". Seine Einschätzung: "Aber zwei große Unfälle hintereinander deuten darauf hin, dass es ein strukturelles Problem gibt."
Salvador García-Ayllón, Professor für Verkehrstechnik und Verkehrsinfrastruktur an der Polytechnischen Universität Cartagena (UPCT), übte in El País ebenfalls Kritik. Er bemängelte "mangelnde Investitionen, schlechte Planung und Misswirtschaft im System über mehrere Jahre hinweg".
Schon am 18. Januar 2026 hatte ein schwerer Unfall im Hochgeschwindigkeitsverkehr 46 Menschen das Leben gekostet: Nahe Adamuz in der Provinz Córdoba entgleiste ein Iryo-Zug und kollidierte mit einem entgegenkommenden Zug von Renfe. Zwei Tage darauf kam in Gelida in Katalonien ein Fahrschüler bei einem Rodalies-Unfall ums Leben, nachdem eine Stützmauer auf die Gleise gestürzt war.
Milliardenzusage und Forderungen nach mehr Sicherheit
Nach dem Unfall von Adamuz hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez den Gewerkschaften weitere 1,8 Milliarden Euro für das Bahnnetz zugesagt. Die Mittel waren unter anderem für Wartungsmaßnahmen im Zeitraum von 2026 bis 2030 vorgesehen.
Die Lokführergewerkschaft Semaf hielt nach der Kollision bei Toledo an ihrem für den 29. Oktober 2026 geplanten Streik fest. Sie fordert Verbesserungen bei der Sicherheit. Angekündigt hatte sie den Ausstand bereits am 16. Oktober, also vor dem jüngsten Unglück.







