Reformen, Innovationen und tarifliche Zugeständnisse
Brückner verlangt von allen Beteiligten einen Beitrag zur Beschäftigungssicherung. Die Politik müsse überfällige Reformen angehen, die Kosten am Standort senken und dafür sorgen, dass Arbeitnehmern mehr Netto vom Brutto bleibe. Von den Unternehmen erwartet er Innovationen und wettbewerbsfähige Produkte sowie den Einsatz für den Erhalt von Arbeitsplätzen.
Auch Gewerkschaften und Betriebsräte sieht er in der Pflicht. Die Gewerkschaften müssten bereit sein, bisherige tarifliche Errungenschaften zu hinterfragen, wenn dies der Sicherung von Beschäftigung diene. Statt am Bestehenden festzuhalten, brauche es Offenheit für Veränderungen.
Als Belastungen für die Unternehmen nennt Brückner geopolitische Unsicherheiten, den technologischen Wandel, stark steigende Kosten und einen zunehmend harten internationalen Wettbewerb. Neben dem Verlust der Industriearbeitsplätze hätten in den vergangenen drei Jahren mehr als 2.000 Unternehmen Insolvenz anmelden müssen. "Schuldzuweisungen sichern jedoch keinen einzigen Arbeitsplatz", sagte er.
Ein gemeinsames Zielbild liegt bereits vor
Wirtschaft, Politik und Gewerkschaften haben sich bereits auf langfristige Ziele verständigt. Am 11. September 2026 stellten Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter (SPD), Brückner und die DGB-Sachsen-Vorsitzende Daniela Kolbe das gemeinsame, 25 Seiten umfassende "Zielbild 2040" vor. Vorausgegangen waren drei Spitzengespräche innerhalb eines Jahres.
Sachsen soll dem Papier zufolge bis 2040 bei der wirtschaftlichen Dynamik zur Spitzengruppe der Bundesländer zählen. Brückner schränkte bei der Vorstellung allerdings ein, dass damit noch kein Arbeitsplatz geschaffen worden sei. Eine Patentlösung biete das Papier ebenfalls nicht.
Mehr Unternehmen planen Stellenabbau als Neueinstellungen
Die IHK-Konjunkturumfrage für Sachsen vom Herbst 2026 zeigt, dass weitere Stellenstreichungen geplant sind: 23 Prozent der Unternehmen rechnen mit einem Personalabbau, während elf Prozent zusätzliche Stellen schaffen wollen. An der Erhebung vom 31. August bis zum 28. September beteiligten sich 1.582 Unternehmen mit mehr als 80.000 Beschäftigten. Hohe Arbeitskosten nannten 68 Prozent als eines der größten Geschäftsrisiken, die Energiepreise 65 Prozent.
Beim Automobilzulieferer Schaeffler in Limbach-Oberfrohna sieht ein Sozialplan vor, die Zahl der Arbeitsplätze bis 2028 von knapp 900 auf 320 zu reduzieren. Als Grund gilt der Wandel der Autoindustrie weg vom Verbrennungsmotor. Die Serienproduktion von Dieselinjektoren war dort bereits Ende 2025 ausgelaufen.
Auch bundesweit ist die Beschäftigung in der Industrie gesunken. Nach einer Mitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 14. August 2026 beschäftigte die deutsche Automobilindustrie zum Ende des ersten Halbjahres 691.500 Menschen. Das waren 42.300 beziehungsweise 5,8 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Stand seit 2005. Im gesamten Verarbeitenden Gewerbe ging die Beschäftigtenzahl im Jahresvergleich um 144.100 oder 2,7 Prozent auf 5,29 Millionen zurück.
494 Insolvenzanträge im ersten Halbjahr
Für das erste Halbjahr 2026 registrierte das Statistische Landesamt Sachsen 494 Anträge auf Eröffnung eines Unternehmensinsolvenzverfahrens. Wie die Behörde am 28. September mitteilte, lag die Zahl damit um 2,3 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Die von Gläubigern angemeldeten Forderungen gingen dagegen um knapp 38 Prozent auf 447,3 Millionen Euro zurück.





