IG Metall ruft Beschäftigte bei Autozulieferer AIOS zu Warnstreik auf

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Die Gewerkschaft IG Metall hat die Mitarbeiter des Autozulieferers AIOS in Überherrn zum Warnstreik aufgerufen. Hintergrund sind Verhandlungen über einen Sozialtarifvertrag, die das Management verweigert, während sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens verschärft.

IG Metall ruft Beschäftigte bei Autozulieferer AIOS zu Warnstreik auf

Die Beschäftigten des Autozulieferers Automotive Integrated Overhead Systems (AIOS) in Überherrn sind am Mittwoch zu einem ganztägigen Warnstreik aufgerufen. Die Gewerkschaft IG Metall begründet den Schritt mit der Weigerung der Geschäftsführung, über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln. Am Mittag ist eine Kundgebung vor dem Werkstor geplant.

Das 1986 gegründete Unternehmen, das sich auf die Entwicklung und Produktion von Himmel- und Überkopfsystemen für Premium-Automobilhersteller spezialisiert hat, beschäftigt im Saarland rund 240 Mitarbeiter. Neben dem Hauptsitz in Überherrn betreibt AIOS zwei weitere, deutlich kleinere Standorte in Bremen und bei Sindelfingen.

Ralf Cavelius, Bevollmächtigter der IG Metall, bezeichnet den Warnstreik als Notwehrmaßnahme. Das Unternehmen müsse seiner Verantwortung gegenüber den Beschäftigten gerecht werden. Ein Sozialtarifvertrag würde in der Krisensituation Regelungen für Abfindungen, Transfergesellschaften mit Qualifizierungsmaßnahmen und typischerweise eine 90-prozentige Lohnfortzahlung umfassen.

Wirtschaftliche Lage verschärft sich

Nach Angaben der Gewerkschaft hat sich die wirtschaftliche Lage des Autozulieferers in den vergangenen Monaten zugespitzt. Bereits eine Bonitätsprüfung vom 25. April 2026 hatte eine Verschlechterung der Kreditwürdigkeit des Unternehmens dokumentiert. Das Management habe die Belegschaft im Juni über ein mögliches Insolvenzverfahren informiert.

Im August soll es nach IG Metall-Informationen Schwierigkeiten bei den Lohn- und Gehaltszahlungen gegeben haben. Darüber hinaus sei dem Betriebsrat zuletzt ein transparenter Einblick in die Geschäftszahlen verweigert worden. Die Gewerkschaft kritisiert zudem, dass seit dem Wechsel in der Geschäftsführung im November 2024, als Ralf Damker zum Geschäftsführer ernannt wurde, die Kommunikation mit der Belegschaft unzureichend gewesen sei.

Teil einer Branchenkrise

Die Probleme bei AIOS reihen sich ein in eine Serie von Insolvenzen in der deutschen Automobilzulieferindustrie. Allein im Jahr 2026 meldeten mehrere Zulieferer Insolvenz an, darunter Teknia Stuttgart im Februar, WKW Automotive mit 3.800 betroffenen Mitarbeitern im Juli und die Diepersdorf Plastic Manufacturing im August mit über 1.000 gefährdeten Arbeitsplätzen. Auch Weber Magdeburg GmbH kündigte im Juli nach dem Verlust von Porsche-Aufträgen ein Insolvenzverfahren an.

Die Automobilzulieferindustrie in Deutschland verzeichnete zwischen 2020 und Mitte 2025 insgesamt 155 Insolvenzen, von denen schätzungsweise 43.000 Beschäftigte betroffen waren. Die Gesamtzahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland erreichte 2025 mit 23.900 Fällen einen Zehnjahreshöchststand.

Eine Umfrage des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) unter kleinen und mittleren Zulieferern vom Juni 2026 zeichnet ein düsteres Bild: 41 Prozent der Befragten bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht oder sehr schlecht, 32 Prozent erwarteten eine weitere Verschlechterung in den kommenden zwölf Monaten. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts für den Automobilsektor fiel im Juni 2026 auf minus 21,4 Punkte.

Druck auf gesamte Lieferkette

AIOS fertigt Innenraumkomponenten für den Autobauer Mercedes-Benz, der selbst unter erheblichem wirtschaftlichem Druck steht. Der Stuttgarter Konzern verzeichnete im ersten Quartal 2026 einen Gewinnrückgang von 17 Prozent auf 1,43 Milliarden Euro. Am 4. Juli 2026 demonstrierten bis zu 20.000 Mercedes-Mitarbeiter gegen Sparpläne des Unternehmens.

Die Krise im Automobilsektor hat massive Auswirkungen auf die Beschäftigung: Allein 2025 gingen in der deutschen Automobilindustrie über 55.000 Arbeitsplätze verloren. Große Zulieferer wie Bosch, ZF, Continental und Schaeffler hatten bereits 2024 den Abbau von mehr als 54.000 Stellen angekündigt. Der VDA prognostiziert bis 2035 weitere 125.000 Arbeitsplatzverluste in der Branche.

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