Vom Auftakt in München zu bundesweiten Aktionen
Nach Auskunft eines Gewerkschaftssprechers beteiligte sich die Nachtschicht des Mobilfunk-Komponentenherstellers RF360 Europe an dem einstündigen Ausstand. Die IG Metall nennt die Münchner Aktion "Halloween-Warnstreik". Sie begann unmittelbar nach Ablauf der Friedenspflicht: Diese endete am Samstag, dem 31. Oktober 2026, um 24 Uhr. Seit Beginn des 1. November waren Warnstreiks damit zulässig.
Für Sonntagabend planten auch Beschäftigte von Aerotech in Peißenberg eine Arbeitsniederlegung. Am Montag, dem 2. November, will die IG Metall Bayern die Aktionen auf 34 Betriebe im gesamten Freistaat ausweiten.
Auch bundesweit sollen in den nächsten Tagen weitere Betriebe hinzukommen. Nach Angaben der Gewerkschaft sind bis Ende der Woche Warnstreiks in mehr als 2.000 Betrieben vorgesehen. Die Tarifrunde 2026 umfasst rund 3,7 Millionen Beschäftigte der Metall- und Elektroindustrie. Verhandelt wird in 15 Tarifgebieten, jeweils zwischen den IG-Metall-Bezirken und den regionalen Arbeitgeberverbänden.
Fünf Prozent mehr Entgelt und eine Gewinnbeteiligung gefordert
Die Gewerkschaft verlangt eine Entgelterhöhung von fünf Prozent für eine Laufzeit von zwölf Monaten. Für wirtschaftlich gut aufgestellte Betriebe fordert sie außerdem eine tariflich abgesicherte Beteiligung der Beschäftigten am Gewinn.
Der bayerische IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Horst Ott hatte vor Beginn der Aktionen erklärt: "Wir erwarten von den Arbeitgebern ein Bekenntnis zum Standort und zu den Menschen in den Betrieben. Sie müssen auch selbst Beiträge leisten, statt nur den Verzicht der Beschäftigten zu fordern."
Arbeitgeber bieten Einmalzahlung und spätere Erhöhung
Das bisherige Arbeitgeberangebot reicht der IG Metall nicht aus. Nach ihrer Darstellung soll es über 26 Monate bis Ende Dezember 2028 laufen. Vorgesehen sind eine Einmalzahlung Mitte 2027 sowie eine Anhebung der Monatsentgelte um 1,3 Prozent zum 1. Juli 2028.
Die Einmalzahlung entspricht laut IG Metall einem Prozent des durchschnittlichen Jahresbruttos und beträgt je nach Tarifgebiet 555 bis rund 800 Euro. Ihre Höhe soll automatisch an die wirtschaftliche Lage des jeweiligen Betriebs angepasst werden können; die Zahlung ist deshalb nicht allen Beschäftigten sicher.
Für Bayern nennt der Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (vbm) einen Betrag von 664 Euro. Unterschreitet ein Betrieb eine bestimmte Gewinnschwelle, soll die Einmalzahlung dort automatisch entfallen.
Unterschiedliche Einschätzungen zur Lage der Branche
Der vbm bezeichnete die Warnstreiks als "völlig unangebracht". Die Arbeitgeber kritisierten die Aktionen als überholte Rituale und warfen der Gewerkschaft Erpressung durch Blockaden vor. Nach Einschätzung von vbm-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt durchläuft die Branche eine der tiefsten und längsten Krisen, sowohl konjunkturell als auch strukturell. Die Arbeitgeber hätten noch während der Friedenspflicht ein angemessenes, tragfähiges Angebot unterbreitet.
Die IG Metall verweist dagegen auf Unterschiede innerhalb der Industrie. Ihren Angaben zufolge sind 62 Prozent der Betriebe wieder gut bis sehr gut ausgelastet. Während die Autoindustrie und ihre Zulieferer schwächelten, boomten die Luft- und Raumfahrt, die Medizintechnik, die Elektrotechnik und die Wehrtechnik.






