Gewinnwachstum verhindert Kursverlust nicht
Der schwedische Antifouling-Spezialist I-Tech (WKN: A2JM14) setzte seinen Wachstumskurs von Juli bis September fort. Mit 48,8 Mio. schwedischen Kronen (SEK) übertraf der Umsatz den Vorjahreswert um 19 %. An die Entwicklung des zweiten Quartals konnte das Unternehmen damit wie erwartet nicht im selben Ausmaß anknüpfen.
Aus dem Zwischenbericht für das dritte Quartal 2026 geht ein Betriebsgewinn von 13,3 Mio. SEK hervor, verglichen mit 11,1 Mio. SEK ein Jahr zuvor. Die operative Marge betrug 27 %, die Bruttomarge rund 60 %. Nach Steuern verdiente I-Tech 11,6 Mio. SEK und damit 23,9 % mehr als im Vorjahresquartal. Zum 30. September verfügte das Unternehmen über liquide Mittel von 177,2 Mio. SEK.
An der Börse überwogen nach der Berichtsvorlage am 16. Oktober 2026 andere Themen. Laut Investing.com sank die Aktie im vorbörslichen Handel von einem vorherigen Schlusskurs von 72,40 US-Dollar um 10,22 % auf 65 US-Dollar. Der Bericht führt den Rückgang auf die Verlangsamung gegenüber dem Rekordquartal Q2 und die weiterhin ungeklärte EU-Regulierung zurück.
Selektope-Zulassung in der EU steht auf dem Spiel
Für den in Selektope verwendeten Wirkstoff Medetomidin schlug die EU-Kommission im Dezember 2025 vor, die Zulassung nach der EU-Biozid-Verordnung (BPR) nicht zu erneuern. Über den entsprechenden Entwurf eines Durchführungsrechtsakts stimmten die Mitgliedstaaten vom 7. bis 21. Oktober 2026 im schriftlichen Verfahren ab. Die derzeit verlängerte Zulassung von Selektope endet am 31. Dezember 2026. I-Tech erklärte im Quartalsbericht, auf eine mögliche negative Entscheidung mit einer rechtlichen Anfechtung vorbereitet zu sein.
Die Auseinandersetzung reicht bis mindestens Mai 2023 zurück. Damals empfahl ein beratendes Expertengremium der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) im Wiederzulassungsverfahren, Medetomidin als endokrinen Disruptor für Menschen einzustufen. I-Tech wies diese Einschätzung laut seiner damaligen Mitteilung zurück und kündigte an, die Zulassung weiter zu verteidigen.
Auch Unternehmen und Verbände entlang der europäischen maritimen Wertschöpfungskette wandten sich an die Politik. Sie bereiteten eine Petition an die EU-Kommission und die Mitgliedstaaten vor, die mehr als 30 Branchenorganisationen unterzeichneten. Gefordert wird, einzelne Antifouling-Wirkstoffe vorerst nicht mehr gesondert zu überprüfen, sondern einen portfoliobasierten Ansatz zu verfolgen.
Wie der Schutz vor Seepocken funktioniert
I-Tech hat mit Selektope einen Antifouling-Anstrich entwickelt, der verhindert, dass sich Seepocken an Schiffsrümpfen festsetzen. Damit können Reedereien ihren Treibstoffverbrauch und ihre CO2-Emissionen verringern.
Nach der Beschreibung des Unternehmens auf Selektope.com tötet der Wirkstoff die Larven nicht. Stattdessen löst der Kontakt eine reversible Hyperaktivität mit rund 100 Schwimmbewegungen pro Minute aus. Die Larven können sich dadurch nicht am behandelten Rumpf festsetzen. Sobald sie die Oberfläche verlassen, kehrt ihr normales Verhalten zurück. Nach Angaben von I-Tech genügen extrem niedrige Konzentrationen; zudem reichert sich der Wirkstoff nicht in anderen Arten an.
Schifffahrtsmarkt bleibt günstig, Umsatzschwerpunkt liegt in Asien
Das Marktumfeld in der Handelsschifffahrt blieb günstig, obwohl weniger Fracht durch die Straße von Hormus transportiert und Öltransporte im Roten Meer umgeleitet wurden. Seit Jahresbeginn kamen die Bestellungen neuer Schiffe einem Rekordstand nahe. Bei Schiffsreparaturen lag die Aktivität 3 % über dem Niveau von 2025. Zusätzlich half der um 0,7 % schwächere Kurs der schwedischen Krone gegenüber dem US-Dollar den ausgewiesenen Umsätzen leicht.
I-Tech schätzt den jährlichen Markt für Antifouling-Technologien in Beschichtungen auf 300 bis 500 Mio. US-Dollar. Grundlage dafür sind rund 2.000 Schiffsneubauten und etwa 20.000 Dockungen jährlich. Zum Zeitpunkt des Q3-Berichts 2026 waren nach Unternehmensangaben erst rund 3.500 der weltweit etwa 110.000 Handelsschiffe mit Selektope-basierten Beschichtungen ausgestattet. Darin sieht I-Tech erhebliches Wachstumspotenzial.
Regional ist das Geschäft stark konzentriert: In den ersten neun Monaten 2026 erwirtschaftete I-Tech 97 % seines Umsatzes in Asien. Auf Südkorea als größten Einzelmarkt entfielen 46 % des Gesamtumsatzes, auf Japan 27 %, auf China 21 % und auf Singapur 3 %.







