BP erreicht Schuldenziel ein Jahr früher als geplant – Aktie auf dem Weg zum Allzeithoch

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Der britische Energiekonzern BP senkt seine Nettoverschuldung deutlich schneller als erwartet und profitiert von außergewöhnlich hohen Raffineriemargen. Die Aktie legt zu, während Milliarden-Abschreibungen im Transformationsgeschäft das Bild trüben.

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Der britische Ölkonzern BP meldet einen spektakulären Schuldenabbau und erreicht seine Finanzziele deutlich früher als geplant. Die Nettoverschuldung soll Ende September zwischen 13,5 und 14,5 Milliarden US-Dollar liegen – ein drastischer Rückgang gegenüber 22,3 Milliarden Dollar im zweiten Quartal. Damit erfüllt BP bereits jetzt sein ursprüngliches Schuldenziel von 14 bis 18 Milliarden Dollar, das erst für Ende 2027 angepeilt war. Die Aktie reagierte am Dienstag mit einem Kurssprung von knapp zwei Prozent.

Haupttreiber der positiven Entwicklung sind die stark gestiegenen Raffineriemargen. Im dritten Quartal kletterten diese auf 46,70 US-Dollar je Barrel, nach 29,60 Dollar im Vorquartal und lediglich 15,80 Dollar vor einem Jahr. Allein dadurch dürfte der Gewinn im Produktgeschäft gegenüber dem zweiten Quartal um 1,9 bis 2,1 Milliarden Dollar steigen. Auch der Gashandel läuft ausgezeichnet und trägt zur starken Ertragslage bei.

Die außergewöhnlichen Margen sind eine direkte Folge der geopolitischen Spannungen. Seit dem 28. Februar 2026 ist die Straße von Hormus, durch die normalerweise etwa 20 Millionen Barrel Öl und Ölprodukte pro Tag transportiert werden, faktisch blockiert. Nach US-amerikanischen und israelischen Militärschlägen gegen Iran reagierte Teheran mit Angriffen auf kommerzielle Schifffahrt mittels Drohnen, ballistischer Raketen und Schnellboote. Die Internationale Energieagentur bezeichnet die Disruption als größte Ölangebotsunterbrechung aller Zeiten – sie übertrifft selbst das Ölembargo von 1973-74, das etwa 4,5 Millionen Barrel pro Tag vom Markt nahm und die Preise vervierfachte.

Die Investmentbank RBC erhöhte ihre Gewinnprognose für das dritte Quartal von 6,9 auf 7,6 Milliarden Dollar. Analyst Biraj Borkhataria bestätigte die Einstufung "Outperform" mit einem Kursziel von 700 Pence. Bis zum historischen Allzeithoch von rund 704 Pence aus dem Jahr 2006 ist damit nur noch wenig Luft.

Neben dem operativen Erfolg verfolgt BP eine strukturierte Strategie zum Schuldenabbau. Das Unternehmen reduzierte seine Hybridanleihen von 13 Milliarden Dollar Ende des zweiten Quartals auf voraussichtlich etwa 12 Milliarden Dollar zum Ende des dritten Quartals. Am 30. September tilgte der Konzern Hybrid-Wertpapiere im Volumen von einer Milliarde Dollar. Bis Ende 2027 plant BP, die Hybridfinanzierungen um insgesamt 4,3 Milliarden Dollar zu verringern.

Milliarden-Abschreibungen belasten Transformationsgeschäft

Trotz der positiven Schlagzeilen gibt es erhebliche Schattenseiten. BP kündigte weitere Wertberichtigungen von drei bis 4,5 Milliarden Dollar im Gas- und emissionsarmen Energiegeschäft an. Diese Abschreibungen kommen nicht überraschend: Bereits im Januar 2026 hatte der Konzern Wertberichtigungen von vier bis fünf Milliarden Dollar angekündigt, ebenfalls primär im Bereich der Energiewende-Geschäfte. In der ersten Jahreshälfte 2026 verbuchte BP bereits Nettowertminderungen und Verluste aus Geschäftsverkäufen in Höhe von 1,69 Milliarden Dollar, wovon 525 Millionen Dollar auf Energiewende-Assets entfielen. Insgesamt summieren sich die Abschreibungen in den Transformationsgeschäften damit innerhalb eines Jahres auf rund zehn Milliarden Dollar.

Die wiederholten Wertminderungen stehen in direktem Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung unter CEO Meg O'Neill. Die Australierin wurde im April 2026 von Woodside Energy zu BP geholt und ist die erste externe Konzernchefin in der mehr als hundertjährigen Geschichte des Unternehmens sowie die erste Frau an der Spitze einer der fünf größten Ölgesellschaften weltweit. Unter ihrer Führung strukturiert BP die Organisation in zwei Kernbereiche um: eine Upstream-Sparte für Öl- und Gasförderung sowie eine Downstream-Sparte für Raffinerien, Treibstoffvertrieb und Energieeinzelhandel. Damit demontiert O'Neill die unter ihrem Vorgänger Bernard Looney 2020 aufgebaute Gas- und emissionsarme Energieeinheit, die Teil der damaligen Strategie zur Neuausrichtung auf erneuerbare Energien war.

Rückläufige Produktion trotz starker Finanzlage

Während die finanziellen Kennzahlen beeindrucken, zeigt sich bei der physischen Produktion ein anderes Bild. BP erwartet für das dritte Quartal 2026 eine Upstream-Förderung von 2,19 bis 2,24 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag – ein Rückgang gegenüber 2,201 Millionen Barrel pro Tag im zweiten Quartal. Die Erholung nach saisonalen Wartungsarbeiten wird teilweise kompensiert durch reduzierte Beteiligungen in Lateinamerika sowie die anhaltenden Störungen im Nahen Osten. Die Gewinne steigen also nicht durch höhere Fördermengen, sondern ausschließlich durch die außergewöhnlichen Margen.

Am 30. Oktober werden die vollständigen Zahlen für das dritte Quartal veröffentlicht. Ein weiterer wichtiger Termin steht am 15. Dezember an: An diesem Tag präsentiert CEO Meg O'Neill erstmals ihre neue Unternehmensstrategie im Rahmen eines Kapitalmarkttags in New York. Es wird die erste formelle Strategieaktualisierung seit Anfang 2025 sein und könnte wichtige Impulse für die künftige Ausrichtung des Konzerns liefern.

Für Anleger bleibt BP eine interessante Option. Die drastische Schuldenreduzierung schafft finanziellen Spielraum für künftige Dividenden und Investitionen. Mit einer Dividendenrendite von knapp 4,4 Prozent bietet die Aktie bereits jetzt eine attraktive Ausschüttung. Ob BP tatsächlich das Allzeithoch aus dem Jahr 2006 angreifen kann, hängt allerdings davon ab, wie lange die außergewöhnlich hohen Raffineriemargen anhalten. Solange die Situation in der Straße von Hormus angespannt bleibt, dürften die Ölpreise auf hohem Niveau verharren und die Kassen bei BP weiter klingeln lassen.

#Energiepreise#Iran#Sanktionen
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