Hitzefrei in Sachsen-Anhalt: Tausende Unterrichtsstunden fallen wegen Sommerhitze aus

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Im Schuljahr 2025/26 fielen in Sachsen-Anhalt über 3.800 Unterrichtsstunden wegen Hitzefrei aus. Das Bildungsministerium sieht keine Pläne für einheitliche Standards beim Hitzeschutz an Schulen.

Tausende Stunden Unterricht fallen in Sachsen-Anhalt wegen Hitzefrei aus

Extreme Sommerhitze führt in Sachsen-Anhalt regelmäßig zum Ausfall von Tausenden Unterrichtsstunden. Im Schuljahr 2025/26 wurden landesweit gut 3.800 Stunden aufgrund von Hitzefrei nicht planmäßig erteilt. Das geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Landtagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hervor.

Die Zahlen schwanken von Jahr zu Jahr erheblich. Im Schuljahr 2024/25 waren es mehr als 5.500 ausgefallene Stunden, während 2023/24 rund 2.100 Stunden wegen hoher Temperaturen nicht gegeben wurden. Besonders das vergangene Schuljahr war von extremen Wetterbedingungen geprägt: Im Juni 2026 erreichten die Temperaturen in Ostdeutschland Rekordwerte von bis zu 41,7 Grad Celsius. Westeuropa erlebte den wärmsten Juni seit Beginn der Aufzeichnungen, mit Durchschnittstemperaturen 3,05 Grad über dem langjährigen Mittel von 1991 bis 2020.

Regelung stammt aus dem 19. Jahrhundert

Die aktuelle Regelung in Sachsen-Anhalt basiert auf einem Erlass des Bildungsministeriums. Werden um 11 Uhr im Klassenraum 26 Grad oder mehr gemessen, kann der Unterricht nach der fünften Stunde beendet werden. Diese Entscheidung liegt in der Verantwortung der jeweiligen Schulleitung. Das Konzept des Hitzefrei hat in Deutschland eine lange Tradition und geht auf einen ministeriellen Erlass aus Preußen im Jahr 1892 zurück. Seit 1999 legen die Bundesländer ihre eigenen Hitzefrei-Regelungen fest.

Die Regelung gilt allerdings nicht für alle Schüler gleichermaßen. Schüler der Klassen 11 und 12 erhalten in der Regel keine vollständigen hitzefreien Tage, auch wenn der Unterricht für sie verkürzt werden kann. Wird der Unterricht lediglich gekürzt, entsteht statistisch kein Ausfall, allerdings werden weniger Unterrichtsinhalte vermittelt und geübt als vorgesehen.

Langfristiger Klimatrend verschärft Problem

Die zunehmende Häufigkeit von Hitzefrei fügt sich in einen langfristigen Klimatrend ein. Deutschlands Durchschnittstemperatur ist seit 1881 um etwa 1,6 Grad gestiegen. Die Sommer der vergangenen Jahrzehnte liegen durchschnittlich rund 2 Grad über denen der 1970er und 1980er Jahre. Die Anzahl der heißen Tage mit Temperaturen über 30 Grad hat sich seit den 1950er Jahren etwa verdreifacht.

Trotz dieser Entwicklung fehlt es an flächendeckenden baulichen Anpassungen. Bundesweit verfügten 2025 nur etwa 33,9 Prozent der neuen Schulgebäude über Kühlsysteme, die überwiegende Mehrheit der Schulen ist ohne Klimaanlage. Das Bildungsministerium in Sachsen-Anhalt teilte mit, dass die Temperaturentwicklung in den Schulen nicht systematisch erfasst wird. Auch zur technischen Ausstattung der Gebäude mit Klimaanlagen oder anderem Hitzeschutz lägen keine Daten vor.

Keine einheitlichen Standards geplant

Für den baulichen Zustand der Schulen sind in Sachsen-Anhalt überwiegend die Gemeinden, Landkreise und kreisfreien Städte als Schulträger zuständig. Einheitlich verbindliche Standards für Klimaanpassung und sommerlichen Wärmeschutz an Schulen existieren nicht. Das Ministerium erklärte, solche Standards seien auch nicht geplant. Diese dezentrale Struktur bei der Entscheidung über Hitzeschutzmaßnahmen entspricht dem bundesweiten Ansatz, bei dem es keine landesweite Temperaturgrenze für Hitzefrei gibt und Schulleitungen individuelle Entscheidungen auf Basis ihrer örtlichen Gegebenheiten treffen.

Sachsen-Anhalt ist ein Bundesland mit rund 2,14 Millionen Einwohnern und Magdeburg als Landeshauptstadt. Die steigenden Zahlen ausgefallener Unterrichtsstunden werfen die Frage auf, wie Schulen künftig mit zunehmenden Hitzeperioden umgehen sollen, wenn bauliche Maßnahmen fehlen und verbindliche Schutzstandards nicht vorgesehen sind.

#Hitzewellen#Extremwetter#Klimawandel
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