Zivilklage richtet sich gegen Begünstigte des Nachlasses
Die am 21. Oktober 2026 beim U.S. District Court for the District of New Mexico eingereichte Zivilklage soll verhindern, dass Indyke und Kahn Geld aus Epsteins verbliebenem Vermögen erhalten. Sie stützt sich auf das Bundesgesetz Trafficking Victims Protection Act und den New Mexico Racketeering Act. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft ist dies die erste gegen die beiden gerichtete Maßnahme von Strafverfolgungsbehörden.
Indyke und Kahn sind sowohl Testamentsvollstrecker als auch Verwalter von Epsteins Treuhandfonds. Zugleich stehen ihnen als Begünstigten des 1953 Trust Vermächtnisse von 50 Millionen beziehungsweise 25 Millionen US-Dollar zu, sofern dafür genügend Mittel vorhanden sind. Die Klage beziffert den Nachlass auf mehr als 107 Millionen US-Dollar. Laut den jüngsten Unterlagen des Nachlassgerichts auf den Amerikanischen Jungferninseln waren es ursprünglich über 600 Millionen US-Dollar, berichtet ABC News.
Torrez erklärte, Personen wie die beiden Beklagten dürften keine Ausschüttungen erhalten. Er warf ihnen eine Beteiligung an "einem der schlimmsten kriminellen Netzwerke der jüngeren amerikanischen Geschichte" vor und sagte: "Wenn jemand Anspruch auf eine Entschädigung aus Jeffrey Epsteins Nachlass hat, dann sind es die Opfer seiner Taten." Als er die Klage am 21. Oktober in Albuquerque vorstellte, begleiteten ihn Julia Molchanova und Anouska De Georgiou, zwei Überlebende von Epsteins Missbrauch.
Vorwürfe gegen Anwalt und Buchhalter
Epsteins Missbrauchsring hatte über Jahre zahlreiche junge Frauen und Minderjährige zu Opfern gemacht. Laut Klageschrift halfen Indyke und Kahn dabei, die Straftaten und den Menschenhandel zu ermöglichen, und zogen selbst finanziellen Nutzen daraus. Indyke arbeitete rund zwei Jahrzehnte als Epsteins persönlicher Anwalt, Kahn mehr als ein Jahrzehnt als dessen Buchhalter.
Indyke soll Schweigegeldzahlungen an betroffene Frauen organisiert haben. Kahn wird vorgeworfen, den Missbrauch durch die Abwicklung von Ausgaben unterstützt zu haben, darunter Zahlungen für Dessous, Friseurbesuche und Arzttermine. Zwischen 2011 und 2019 erhielt Indyke der Klage zufolge mehr als 16 Millionen US-Dollar von Epstein und mit ihm verbundenen Unternehmen; bei Kahn waren es mehr als 10 Millionen US-Dollar.
Ein weiterer Vorwurf betrifft Epsteins Zorro Ranch in New Mexico: Indyke soll 2011 die Übertragung des Eigentumstitels auf eine von Epstein kontrollierte Gesellschaft abgewickelt haben.
Verteidigung bestreitet Beteiligung und Kenntnis
Der Anwalt der beiden Männer, Dan Weiner, erklärte gegenüber ABC News, seine Mandanten bestritten entschieden, an Epsteins Missbrauch oder Menschenhandel beteiligt gewesen zu sein oder davon gewusst zu haben. Keine Frau habe jemals behauptet, Indyke oder Kahn hätten sie missbraucht oder sie habe einem der beiden von Missbrauch berichtet.
Weiner erklärte außerdem, vor Einreichung der Klage habe niemand aus der Generalstaatsanwaltschaft mit seinen Mandanten gesprochen. Indyke und Kahn hatten bereits zuvor in diesem Jahr vor dem Kontrollausschuss des US-Repräsentantenhauses, dem House Oversight Committee, ausgesagt. Auch dort gaben sie an, nichts von Epsteins Missbrauch gewusst zu haben.
Weitere Ermittlungen zur Zorro Ranch
Die Zorro Ranch steht im Mittelpunkt der Ermittlungen in New Mexico. Nach Darstellung der Klageschrift fanden dort über einen Zeitraum von mehr als zwanzig Jahren sexueller Missbrauch und Menschenhandel statt. Die Behörden hatten Anfang 2026 angekündigt, die Ermittlungen zu mutmaßlichen Straftaten Epsteins wieder aufzunehmen. Sie waren 2019 auf Antrag der Bundesstaatsanwaltschaft für den südlichen Bezirk von New York eingestellt worden. Torrez zufolge dauern sie an.
Epstein erwarb das Anwesen 1993 in Stanley, etwa 30 Meilen beziehungsweise 48 Kilometer südlich von Santa Fe. Er nutzte es über 25 Jahre und ließ eine rund 27.000 Quadratfuß, also etwa 2.500 Quadratmeter große Villa sowie eine private Landebahn errichten. Sein Nachlass verkaufte die Ranch 2023 an die Familie von Don Huffines. Die neuen Eigentümer benannten sie in San Rafael Ranch um und planen dort ein christliches Einkehrzentrum.
Eine Kommission des Parlaments von New Mexico legte im August 2026 einen Zwischenbericht vor. Ihr vorläufiges Ergebnis lautet, dass Epstein zwischen 1996 und 2012 mindestens fünf Frauen und Mädchen auf der Zorro Ranch missbrauchte. Darüber hinaus erfasste die Kommission mindestens 30 weitere Personen, die möglicherweise in New Mexico betroffen waren.
Um ungeschwärzte Epstein-Akten zu erhalten, verklagte New Mexico am 5. August 2026 auch das US-Justizministerium und den amtierenden US-Generalstaatsanwalt Todd Blanche. Nach Angaben von Torrez hatte sein Büro zuvor zehn gesonderte Anfragen gestellt, die unbeantwortet geblieben oder abgelehnt worden seien, berichtete AP.







