Richter nach Kinderpornografie-Anklage suspendiert
Ein Thüringer Sozialrichter ist nach dem Fund von mehr als 1,8 Millionen Dateien mit Darstellungen sexuellen Missbrauchs von Kindern vom Dienst suspendiert worden. Das zuständige Richterdienstgericht am Landgericht Meiningen entschied zudem, seine Bezüge bis zum Ruhestand um die Hälfte zu kürzen und danach um ein Drittel. Das teilte ein Sprecher des Landgerichts Meiningen mit.
Die Staatsanwaltschaft Hannover hatte gegen den 62-jährigen Juristen Ende Mai Anklage wegen des Besitzes von kinder- und jugendpornografischen Schriften erhoben. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung am 26. August 2024 waren laut Staatsanwaltschaft rund 1,7 Millionen kinderpornografische und etwa 150.000 jugendpornografische Dateien gefunden worden. Die Dateien befanden sich auf 142 Datenträgern und enthielten nach Angaben der Staatsanwaltschaft teilweise Darstellungen schweren sexuellen Missbrauchs an Säuglingen und Kindern.
Ermittlungen begannen bereits 2023
Die Ermittlungen gegen den Richter hatten bereits im Mai 2023 begonnen, nachdem das National Center for Missing & Exploited Children (NCMEC) aus den USA einen entsprechenden Hinweis gegeben hatte. Die Staatsanwaltschaft Hannover ist für den Fall zuständig, weil der Richter einen Wohnort im Bezirk Hannover hatte, wo die Taten begangen worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft Hannover verfügt über eine landesweite Sonderzuständigkeit in Niedersachsen für die Bekämpfung gewaltdarstellender, pornografischer oder sonst jugendgefährdender Schriften.
Der beschuldigte Richter war zuvor am Verwaltungsgericht Weimar tätig und außerdem stellvertretendes Mitglied des Thüringer Verfassungsgerichtshofes gewesen. Zuletzt war er an einem Sozialgericht in Nordthüringen eingesetzt. Seit Jahresanfang 2026 ist er krankheitsbedingt nicht mehr als Richter tätig.
Verzögerung durch Büroversehen
Die dienstrechtlichen Konsequenzen ließen allerdings auf sich warten. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover kam es zu einer Panne: Ein Schreiben zur Information des Thüringer Justizministeriums über die Ermittlungen wurde zwar verfasst, aber wegen eines Büroversehens nie abgeschickt. Eine Abschrift war lediglich an das niedersächsische Justizministerium gesandt worden. Das Thüringer Justizministerium erfuhr erst am 4. Juni 2026 mit der offiziellen Mitteilung über die Anklageerhebung von dem Fall.
Noch am selben Tag leitete das Thüringer Justizministerium ein Disziplinarverfahren gegen den Richter ein. Am 15. Juli 2026 beantragte das Ministerium beim Richterdienstgericht am Landgericht Meiningen die vorläufige Enthebung vom Dienst sowie die Einbehaltung eines Teils der Dienstbezüge.
Rechtlicher Rahmen des Disziplinarverfahrens
Bei einem Richterdienstgerichtsverfahren kann bei Einleitung eines förmlichen Disziplinarverfahrens der Richter vorläufig des Dienstes enthoben werden. Die möglichen Disziplinarmaßnahmen reichen von Verweis und Geldbuße über Gehaltskürzung und Versetzung bis zur Entfernung aus dem Dienst. Das Disziplinarverfahren läuft parallel zum Strafverfahren vor dem Landgericht Hannover.
Hohe Zahl von Kinderpornografie-Fällen in Deutschland
Der Fall reiht sich ein in eine weiterhin hohe Zahl von Kinderpornografie-Delikten in Deutschland. In Deutschland gab es 2025 insgesamt 41.677 polizeilich erfasste Fälle im Zusammenhang mit Kinderpornografie, ein leichter Rückgang um 2,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Gleichzeitig stiegen die Fälle von Jugendpornografie um 19,9 Prozent auf 11.515 Fälle.
Das Bundeskriminalamt und die Beschwerdestellen erfassten 2025 insgesamt 49.231 Hinweise auf kinderpornografische Inhalte im Internet, ein deutlicher Anstieg von 56 Prozent gegenüber 2024 mit 31.536 Hinweisen. Besonders stark stieg die Zahl der Hinweise auf im Ausland gespeicherte Inhalte um 178,9 Prozent.







