Sicherungsverfahren in Verden: Opfer äußert sich zu Übergriffen des Ehemannes
Im Frauenhaus hat eine inzwischen 30-Jährige Schutz vor ihrem gewalttätigen Ehemann gesucht. Im Sicherungsverfahren gegen den 47-Jährigen hat sich die Frau nun zu seinem Verhalten geäußert.
Von Angelika Siepmann
In Verden steht ein 47-jähriger Mann im Sicherungsverfahren wegen mutmaßlicher Gewalttaten vor Gericht.
- Im Sicherungsverfahren gegen den 47-Jährigen sagte seine 30-jährige Noch-Ehefrau aus. Sie suchte nach einem Angriff vor elf Monaten mit Nasenbeinbruch und Augenhämatom Schutz im Frauenhaus.
- Zum 15. November vorigen Jahres sagte die Frau, sie erinnere sich phasenweise kaum. Laut Polizeibericht wurden am Hoppenkamp zwei stark alkoholisierte Personen angetroffen; später folgte ein Einsatz an der Carl-Hesse-Straße.
- Nach ihrer Entlassung aus der Klinik blieb die Trennung bestehen. Am 13. Januar soll der Mann ihr laut Anklage erneut aufgelauert haben; die Zeugin sagte, zunächst habe man noch "friedlich" gesprochen.
Im Sicherungsverfahren gegen den psychisch kranken Mann (47), der im Zustand der Schuldunfähigkeit in Verden mehrere Gewalttaten begangen haben soll, hat jetzt auch die Noch-Ehefrau ausgesagt. Der Beschuldigte soll sie vor elf Monaten so heftig angegriffen haben, dass sie einen Nasenbeinbruch und ein Hämatom am Auge erlitt. Nach einem fünftägigen Krankenhausaufenthalt samt Operation kehrte sie nicht in die gemeinsame Wohnung zurück, sondern kam im Frauenhaus unter – was den Mann zu weiteren Attacken veranlasst haben soll.
Das aus der Ukraine stammende Ehepaar, das einige Jahre in Polen lebte und 2022 nach Deutschland kam, ist dem Vernehmen nach bis dato noch nicht geschieden. Der Frau stand ein Zeugnisverweigerungsrecht zu, sie wollte aber nach eigenem Bekunden aussagen. Die Vernehmung der 30-Jährigen über einen Dolmetscher und an der Seite einer psychosozialen Prozessbegleiterin gestaltete sich zeitweise mühsam. Vor allem, als es um die offenbar vielfältigen Geschehnisse ging, die letztlich zur Trennung geführt hatten und sich nach den Ermittlungen an zwei Orten zutrugen.
Frau spricht von Erinnerungslücken
An das, was am 15. November vorigen Jahres vermutlich alles passiert ist, kann sich die Frau nach ihren Angaben phasenweise kaum noch entsinnen. Was angesichts der Feststellungen nicht verwundert, die von der Polizei bereits nach dem ersten Einsatz in der Wohnung eines Bekannten am Hoppenkamp getroffen worden waren. Dort soll der Beschuldigte erst mit dem Bewohner kräftig gezecht und diesen dann so geschlagen haben, dass er zu Boden ging und unter anderem drei Rippenbrüche erlitt. Auch von einem möglichen Treppensturz und Kopfverletzungen war die Rede. Die Frau soll sich ebenfalls in der Wohnung aufgehalten haben.
Ich kann mich nicht erinnern
sagte sie am siebten Verhandlungstag vor Gericht auf Nachfrage und mit Verweis auf den damaligen Polizeibericht. Danach waren in den Räumen "zwei schlafende und augenscheinlich stark alkoholisierte Personen" vorgefunden worden. Bei dem Beschuldigten waren 2,21 Promille gemessen worden, bei der Frau 2,44. Ein Beamter hatte auch "Ausfallerscheinungen" sowie "Kann dem Sachverhalt nicht folgen" notiert. Irgendwie dürften die Eheleute dann in ihre eigene Wohnung an der Carl-Hesse-Straße gelangt sein.
Mehrere Polizeieinsätze
Dort gab es etwa zweieinhalb Stunden später den nächsten Polizeieinsatz. Nachbarn hatten Geschrei und Hilferufe vernommen.
Ich erinnere mich, dass ich blutverschmiert dasaß, das muss er mir zugefügt haben.
sagte die Zeugin. Gemeint waren wohl der später im Krankenhaus fotografisch dokumentierte Nasenbeinbruch und die schwere Verletzung im geschwollenen Augenbereich. Die räumliche Trennung sollte anhalten, denn nach ihrer Entlassung aus der Klinik siedelte die 30-Jährige ins Frauenhaus über. Ruhe vor ihrem Ehemann, der in den vergangenen Jahren "aggressiver" geworden war und sie öfter geschlagen haben soll ("Möglichst ohne Spuren"), hatte die Frau damit noch lange nicht.
Am 13. Januar soll der Mann ihr nachmittags auf ihrem Heimweg von der Arbeit aufgelauert haben. Hieß es im Verfahren bislang, der Vorfall habe sich vor der Sparkassenfiliale in der Großen Straße ereignet, so ließen die nun gezeigten Aufnahmen einer Überwachungskamera darauf schließen, dass sich der Angriff im Bereich der Kreissparkassen-Hauptstelle an der Ostertorstraße abspielte. Unvermittelt offenbar, denn man habe sich verabredet gehabt und erst "friedlich" miteinander gesprochen, sagte die Zeugin. Was auch etwas überraschte. Dann aber habe man sich wegen Geld gestritten, das sie ihm angeblich schulde.
Er schubste mich, nahm meinen Rucksack und war einfach weg
fasste sie die Schlussphase zusammen.
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