Brand in Berliner Umspannwerk vermutlich durch technischen Defekt ausgelöst
In der Nacht zum Montag ist in einem Umspannwerk in Berlin-Tiergarten ein Brand ausgebrochen, der nach ersten polizeilichen Erkenntnissen durch einen technischen Defekt verursacht wurde. Polizeipräsidentin Barbara Slowik Meisel teilte am Montagvormittag im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses mit, dass ein Kurzschluss zu einer Explosion geführt habe. Die Untersuchungen durch Experten der Kriminaltechnik im Landeskriminalamt seien jedoch noch nicht abgeschlossen.
Der Alarm bei der Feuerwehr ging um 2.41 Uhr ein. 25 Einsatzkräfte benötigten mehr als fünf Stunden, um das Feuer im Gebäude und an einem Transporter zu löschen. Der Tunnel mit den Stromleitungen blieb laut Vizechef der Feuerwehr, Per Kleist, unversehrt. Personen kamen nicht zu Schaden.
Betreiber des betroffenen Umspannwerks ist der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz, einer von vier Netzbetreibern in Deutschland. Das Unternehmen ist für das Stromnetz im Norden und Osten des Landes verantwortlich und versorgt in seinem Netzgebiet rund 18 Millionen Menschen mit Elektrizität. 50Hertz betreibt etwa 10.200 Kilometer Hochspannungsleitungen mit 220 und 380 Kilovolt und deckt damit etwa 30 Prozent der Fläche Deutschlands ab. Ein Sprecher von 50Hertz bestätigte einen erheblichen Schaden und eine nächtliche Explosion. Vieles deute derzeit auf einen technischen Fehler hin.
Die Kriminalpolizei ermittelt nach Angaben von Polizeisprecher Florian Nath in alle Richtungen. Auch zurückliegende Sabotageakte würden in die Überlegungen einbezogen, belastbare Beweise gebe es bislang jedoch nicht. Größere Stromausfälle blieben aus. Ein Sprecher von Stromnetz Berlin, dem städtischen Verteilnetzbetreiber, der seit Juli 2021 im Besitz des Landes Berlin ist, erklärte, die Stromversorgung in der Hauptstadt sei nicht beeinträchtigt gewesen. Allerdings fielen etwa 90 Ampeln aus und mussten wieder aktiviert werden. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur könnten die Ampelausfälle mit dem Brand in Verbindung stehen, da solche Anlagen empfindlich auf Spannungsschwankungen im Netz reagieren.
Hintergrund jüngster Sabotageaktionen
Der Vorfall ereignet sich vor dem Hintergrund mehrerer Sabotageakte gegen das deutsche Stromnetz in den vergangenen Monaten. In Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen kam es zu gezielten Angriffen auf Energieinfrastruktur. Am 1. September 2026 wurde das Umspannwerk Turnow-Preilack in Brandenburg attackiert, wobei Dutzende raketenähnliche Vorrichtungen mit leitfähigem Material auf Hochspannungsleitungen nahe dem Kraftwerk Jänschwalde abgefeuert wurden und zwei Kurzschlüsse verursachten. Die betroffenen Regionen Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Sachsen haben gemeinsam, dass dort noch aktiv Braunkohle abgebaut und zur Stromerzeugung genutzt wird.
Bereits im Januar 2026 hatte ein Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz mehr als 40.000 Haushalte und 2.000 Betriebe im Südwesten der Stadt bis zu vier Tage ohne Strom gelassen. Es war der längste Stromausfall in Berlin seit 1945. Die linksextreme Gruppe Vulkangruppe hatte sich zunächst zu dem Anschlag bekannt.
Polizei und Staatsanwaltschaft in Brandenburg und Nordrhein-Westfalen veröffentlichten am Samstag einen gemeinsamen Fahndungsaufruf mit Fotos eines 48-jährigen Tatverdächtigen aus Gevelsberg. Der als Klimaaktivist identifizierte Mann soll Schreiben an Medien geschickt haben, in denen er seinen Widerstand gegen die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen erklärte. In den Briefen soll die Aussage gestanden haben, dass die Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen ein Verbrechen darstelle. Am 4. September durchsuchte die Polizei die Wohnung des Verdächtigen in Gevelsberg und stellte mutmaßliches Sprengmaterial sicher. Später stürmten Spezialkräfte einen zu einem Wohnmobil umgebauten Lastwagen im Hambacher Forst, der Gesuchte befand sich jedoch nicht darin.
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt erklärte, die Behörden gingen von einem Fall von Klimaextremismus aus. Zuvor hatten Sicherheitskreise auch die Möglichkeit einer ausländischen staatlichen Beteiligung in Erwägung gezogen. Die intensive Fahndung nach dem 48-Jährigen dauert an, die Bevölkerung wurde um Hinweise gebeten.







