Staatsanwaltschaft schließt Anschlag bei Zugunglück in der Normandie aus

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Nach der Entgleisung eines Regionalzugs in Cléon mit 44 Verletzten widerspricht die Staatsanwaltschaft politischen Spekulationen über einen möglichen Anschlag. Die Ermittlungen konzentrieren sich auf die Klärung, wie ein Schienenteil auf die Strecke gelangte.

Staatsanwaltschaft schließt Anschlag bei Zugunglück in der Normandie aus

Nach dem schweren Zugunglück in der Normandie hat die Staatsanwaltschaft Rouen einen Anschlag ausgeschlossen. Es gebe "keine Anhaltspunkte für eine böswillige Handlung", erklärte Staatsanwalt Sébastien Gallois am Samstag. Damit widersprach er öffentlichen Äußerungen mehrerer Politiker, die von einem kriminellen Akt ausgegangen waren.

Der Regionalzug war am Freitagabend kurz vor 20:00 Uhr in Cléon im Département Seine-Maritime entgleist. Etwa 180 Passagiere befanden sich an Bord des Zuges, der auf der rund 110 Kilometer langen Strecke zwischen Rouen und Caen unterwegs war. Nach der Kollision mit einem Gegenstand auf den Gleisen sprangen fünf Waggons aus den Schienen, einer kippte vollständig um.

Bei dem Unglück wurden 44 Menschen verletzt. Eine 18-jährige Frau erlitt zunächst lebensbedrohliche Verletzungen und wurde mit einem Hubschrauber in das Universitätsklinikum Rouen geflogen. Wie Staatsanwalt Gallois mitteilte, besteht inzwischen keine Lebensgefahr mehr für die junge Frau. Transportminister Philippe Tabarot bestätigte, dass 140 Feuerwehrleute und spezialisierte Rettungseinheiten unmittelbar nach dem Unfall zum Unfallort ausgerückt waren.

Widersprüchliche politische Bewertungen

Noch bevor die Ermittlungen abgeschlossen waren, hatten sich mehrere Politiker zu Wort gemeldet. Eric Ciotti, seit März 2026 Bürgermeister von Nizza, erklärte, der Vorfall sei "das Ergebnis eines Anschlags". Auch Hervé Morin, Präsident der Region Normandie, sprach von einem "kriminellen Akt". Er verwies dabei auf ein Schienenstück, das auf der Strecke gefunden worden war. Dieses sei nicht "einfach so auf die Gleise gelangt", betonte Morin.

Staatsanwalt Gallois widersprach diesen Darstellungen nun ausdrücklich. Weitere Befragungen sollen klären, wie das Schienenteil, das die Entgleisung mutmaßlich auslöste, auf die Strecke gelangen konnte. Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, den genauen Hergang des Unfalls zu rekonstruieren.

Strecke vorübergehend gesperrt

Der Netzbetreiber SNCF Réseau hat den gesamten Verkehr auf der betroffenen Strecke zwischen Rouen und Caen eingestellt. Normalerweise verkehren täglich etwa 11 Züge auf dieser beliebten Route, die Fahrt dauert in der Regel knapp zwei Stunden. Die staatliche Eisenbahngesellschaft SNCF betreibt nahezu den gesamten Schienenverkehr in Frankreich, einschließlich der regionalen TER-Verbindungen wie der vom Unglück betroffenen Linie.

Das Zugunglück ereignet sich vor dem Hintergrund einer insgesamt positiven Entwicklung der Eisenbahnsicherheit in Frankreich. Im Jahr 2024 sank die Zahl der Unfälle an Bahnübergängen auf 89 Vorfälle mit 20 Todesopfern, ein Rückgang um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch auf europäischer Ebene zeigt die Statistik einen langfristigen Rückgang: Während 2010 noch 1.245 Menschen bei Eisenbahnunfällen in der Europäischen Union starben, waren es 2024 noch 750 Todesopfer bei insgesamt 1.507 bedeutenden Unfällen.

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