Evakuierung und Vermisste
Eine verheerende Sturzflut hat am Samstag den Grand Canyon Nationalpark im US-Bundesstaat Arizona heimgesucht und zur Evakuierung von mehr als 60 Personen geführt. Die Nationalparkverwaltung versucht, den Verbleib von 15 Personen zu klären, deren Aufenthaltsort unklar ist. Verletzte wurden bislang nicht gemeldet.
Heftige Gewitter hatten gegen 14:30 Uhr innerhalb von nur 15 Minuten etwa 17 Millimeter Niederschlag über kürzlich von Bränden betroffene Gebiete gebracht. Die Wassermassen verwandelten sich in einen Schlamm- und Geröllstrom, der durch den Canyon raste. Messungen der US-Geologiebehörde zeigen das dramatische Ausmaß: Der Colorado River stieg innerhalb einer Stunde um mehr als zwei Meter an, während der Bright Angel Creek innerhalb von zehn Minuten um über eineinhalb Meter anschwoll, bevor der Messsensor durch die Flut beschädigt wurde.
Die Sturzflut ereignete sich auf der Nordseite des Grand Canyon, wo der Bright Angel Creek von Roaring Springs aus etwa 30 Kilometer hinunter zum Colorado River fließt und dabei rund 1.828 Höhenmeter verliert. Die Gewalt der Wassermassen zerstörte nahezu alle Fußgängerbrücken entlang des Bachs und beseitigte damit den Zugang für Wanderer über den Bach hinweg. Große Felsbrocken, Metallteile und andere Trümmer wurden in den Colorado River gespült und veränderten die Landschaft erheblich.
Wasserversorgung schwer beschädigt
Besonders gravierend ist die Beschädigung der Transcanyon Water Distribution Pipeline, der einzigen Wasserleitung, die Touristen und Bewohner im Park mit Trinkwasser versorgt. Die 20 Kilometer lange Aluminiumleitung wurde in den 1960er Jahren gebaut und sollte ursprünglich 40 Jahre halten. Seit 2010 kam es bereits zu über 85 größeren Rohrbrüchen. Die Leitung versorgt etwa 2.500 ganzjährig im Park lebende Menschen sowie Besucher mit Wasser.
Bereits im März 2025 war ein 208 Millionen Dollar teures Ersatzprojekt vergeben worden, dessen Fertigstellung für 2027 geplant ist. Bis dahin verschärft der aktuelle Schaden die ohnehin prekäre Wasserversorgung dramatisch. Die Parkverwaltung forderte die Bewohner auf, Wasser zu sparen, und untersagte vorübergehend Übernachtungen in Lodges und Hotels innerhalb des Nationalparks.
Evakuierung aus abgelegener Phantom Ranch
Von der Phantom Ranch, einer historischen Unterkunft aus dem Jahr 1922, wurden mehr als 60 Personen evakuiert. Die Einrichtung ist die einzige Übernachtungsmöglichkeit unterhalb des Canyon-Rands und nur per Maultier, zu Fuß oder über Rafting-Touren auf dem Colorado River erreichbar. Die Ranch mit ihrer historischen Kantine und Schlafsälen wird häufig von Rafting-Touristen zum Ein- und Ausstieg genutzt.
Beliebte Ausflugsziele wie der Bright Angel Campground, die Phantom Ranch und Teile des North Kaibab Trail blieben bereits am Sonntag geschlossen, während Mitarbeiter die Schäden begutachteten. Auch Rafting-Touren auf dem Colorado River wurden vorerst eingestellt.
Folgen des Dragon Bravo Feuers
Die Schwere der Sturzflut steht in direktem Zusammenhang mit dem Dragon Bravo Feuer, das ein Jahr zuvor mehr als 145.000 Acres auf dem North Rim verwüstet und die historische Grand Canyon Lodge zerstört hatte. Der Waldbrand von 2025 hatte zu monatelangen Schließungen geführt und hinterließ Brandflächen, die das Erdreich anfällig für Erosion machten. Auf diesen verbrannten Arealen kann der Boden kaum noch Wasser aufnehmen, was die Entstehung von Flash Floods begünstigt.
Die Besucherzahlen des Parks waren im Jahr 2025 auf etwa 4,4 Millionen zurückgegangen, verglichen mit 4,9 Millionen im Jahr 2024. Experten führten den Rückgang teilweise auf die Auswirkungen des Brandes zurück.
Schwierige Suche nach Vermissten
Die Suche nach den 15 Personen, deren Verbleib unklar ist, wird durch die extremen geografischen Bedingungen erschwert. Im Großteil von Nord-Arizona, einschließlich des Grand Canyon, ist Mobilfunkempfang nahezu unmöglich aufrechtzuerhalten. Satellitentelefone werden mit einigem Erfolg außerhalb der engsten Canyon-Abschnitte getestet, doch in den schmalen, steilwandigen Bereichen wie der sogenannten 'Box' entlang des North Kaibab Trail bleibt die Kommunikation äußerst schwierig.
Die Nationalparkverwaltung arbeitet daran zu klären, ob die 15 Personen tatsächlich vermisst werden oder sich möglicherweise an anderen Orten aufhalten.







