Vermisster Notarzt nach Explosionen und Großbrand in Weimar: Polizei ermittelt wegen möglicher Brandstiftung
In Weimar-Lützendorf, einem Ortsteil der rund 65.000 Einwohner zählenden Stadt in Thüringen, fehlt nach zwei Explosionen und einem Großbrand vom Sonntagvormittag weiterhin jede Spur vom 61-jährigen Hausbesitzer. Der Mann ist als Notarzt tätig und soll am Samstag noch im Dienst gewesen sein, unter anderem in einem Rettungshubschrauber. Die Polizei ermittelt nun, ob er sich unter den Trümmern befindet oder das Grundstück verlassen hat.
Die Ermittlungen haben ergeben, dass die Brände an zwei getrennten Stellen ausgebrochen sind. Sowohl das Wohnhaus als auch ein entfernt stehendes Nebengebäude mit Werkstatt und Stallungen wurden vollständig zerstört. Nach Einschätzung der Kriminalpolizei kann das Feuer aufgrund des Abstands zwischen den Gebäuden nicht von einem auf das andere übergegriffen haben. Die Behörden gehen daher von zwei unabhängigen Brandherden aus und prüfen, ob der vermisste Arzt die Explosionen möglicherweise vorsätzlich mit Gasflaschen ausgelöst hat.
Gegen 11 Uhr am Sonntag hatten Anwohner des abgelegenen Grundstücks zwei Explosionen gehört. Zu diesem Zeitpunkt stiegen bereits Flammen und dichte Rauchsäulen auf. Wegen der starken Rauchentwicklung forderten die Behörden die umliegenden Bewohner auf, Türen und Fenster geschlossen zu halten.
Großeinsatz bis in die Nacht
Kriminalpolizei, Feuerwehr und das Technische Hilfswerk (THW) – Deutschlands bundesweite Zivilschutzorganisation mit rund 88.000 ehrenamtlichen Helfern – durchsuchten die Trümmer bis in die späten Nachtstunden. Das THW setzte zwei Bagger ein, um sich durch die Überreste der zerstörten Gebäude zu arbeiten und nach dem vermissten Mann zu suchen.
Die Ehefrau des Arztes wurde am Sonntag im Urlaub erreicht, war bis zum Abend jedoch noch nicht nach Weimar zurückgekehrt. Die Suche nach dem 61-Jährigen dauert an.
Bundesstraße zeitweise gesperrt
Der Einsatz hatte auch Auswirkungen auf den Verkehr: Die Bundesstraße 7, eine wichtige Verkehrsachse, die auf rund 530 Kilometern von der niederländischen Grenze bei Venlo bis nach Rochlitz nahe Chemnitz führt und dabei auch Weimar durchquert, war bis zum Sonntagnachmittag gesperrt. Der entstandene Schaden wird nach ersten Schätzungen der Polizei im Millionenbereich liegen.
Einer der größten Brandeinsätze in Weimar
Der Einsatz zählt zu den größten Feuerwehreinsätzen der vergangenen Jahre in der zwischen Erfurt und Jena gelegenen Stadt. Vergleichbare Großeinsätze hatte es zuletzt bei dem Brand der Herzogin Anna Amalia Bibliothek am 2. September 2004 gegeben, bei dem 50.000 Bände zerstört und Zehntausende weitere beschädigt wurden – der größte Bibliotheksbrand in Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg. Ein weiterer bedeutender Einsatz erfolgte im April 2015, als die historische Viehauktionshalle aus den Jahren 1938/39 durch Brandstiftung vollständig niederbrannte.
Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern an. Im Fokus steht weiterhin die Klärung des Verbleibs des vermissten Notarztes sowie die Frage nach der Ursache der beiden Brände.







