Zustimmung zu Trump, keine Position zu den Zöllen
Die AfD erklärt regelmäßig, deutsche Interessen zum Maßstab ihrer Außenpolitik zu machen. In den neuen Papieren unterstützen ihre Außenpolitiker ausdrücklich die Neuausrichtung der USA unter Präsident Donald Trump. Seine Maßnahmen gegenüber Venezuela, Kuba, Grönland und China sowie am Panamakanal halten sie für berechtigt.
Auch die Gefangennahme des venezolanischen Machthabers Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte Anfang Januar 2026 findet Zustimmung: Sie sei "unbenommen der völkerrechtlichen Bewertung realpolitisch nachvollziehbar". Bei Grönland formulieren die Autoren jedoch eine Grenze. Zu Trumps Drohungen heißt es: "Eine Änderung des bestehenden völkerrechtlichen Status Grönlands ohne die Zustimmung Grönlands und Dänemarks lehnen wir ab."
Trumps Zollpolitik behandeln die beiden Papiere nicht. Gegenüber der FAZ begründete der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Stefan Keuter diese Auslassung mit dem Charakter als "metapolitisches Papier". Es sei deshalb unangemessen, sich in Prozentzahlen für Zölle "zu verlieren".
Russland entgegenkommen, Hilfen für die Ukraine beenden
Für ein Ende des Ukrainekriegs verlangen die AfD-Außenpolitiker nach Angaben der FAZ eine Kehrtwende der deutschen Politik. Deutschland solle sich dafür einsetzen, Russland wieder in die G7 aufzunehmen, die Sanktionen beenden und erneut russische Energie beziehen. Bedingungen für diese Schritte nennen die Autoren nicht.
Die Zahlungen Deutschlands an die Ukraine wollen sie bis auf humanitäre Hilfe einstellen. Gleichzeitig sehen sie in den Hilfen einen "mächtigen Hebel", mit dem sich die Ukraine zu ernsthaften Friedensverhandlungen mit Russland bewegen lasse. Für bereits geleistete Zahlungen solle Deutschland eine Gegenleistung erhalten: Zugang zu Seltenen Erden, Gas und weiteren ukrainischen Ressourcen, und zwar "nach US-amerikanischem Vorbild".
Eine Mitgliedschaft der Ukraine in NATO oder EU lehnen die Autoren ab. Deutschland solle entsprechende Bestrebungen mit einem Veto blockieren und darauf hinwirken, dass das Land "wieder ein neutraler Staat" werde. Die Rückgewinnung aller ukrainischen Gebiete, auch der Krim, bewerten sie als unrealistisch.
Über den Krieg will die AfD-Bundestagsfraktion im kommenden Frühjahr bei einem "trilateralen Gipfel" in Abu Dhabi mit Vertretern der US-Regierung und der russischen Regierung sprechen. Eine ukrainische Teilnahme ist nicht vorgesehen. Der außenpolitische Sprecher Markus Frohnmaier erklärte am 2. November 2026, angestrebt werde ein Austausch "auf Ebene der Sonderberater". Putins Berater Kirill Dmitrijew habe den Termin bereits öffentlich angekündigt.
Europäischer NATO-Oberbefehl und mehr deutsche Soldaten
Auch bei der militärischen Aufgabenverteilung innerhalb der NATO wollen die AfD-Außenpolitiker Änderungen. Den Oberbefehl in Europa, kurz SACEUR, soll künftig ein Vertreter der europäischen Bündnisstaaten übernehmen. Bisher wird dieser Posten mit hochrangigen US-Militärs besetzt.
Weniger US-Truppen in Deutschland wären aus Sicht der Autoren zu begrüßen; zugleich verlangen sie mehr deutsche Soldaten. Gegen die Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland wenden sie sich dagegen aus Rücksicht auf Russland.
Arbeitspapiere für die weitere Programmdiskussion
Vorgestellt wurden die beiden Texte am Montag, 2. November 2026, in Berlin von Frohnmaier, seinem Stellvertreter Gerold Otten und Keuter. Erarbeitet hat sie der Arbeitskreis Auswärtige Angelegenheiten der Bundestagsfraktion. Die Papiere konkretisieren bestehende Positionen der AfD, legen aber noch keine offizielle Linie der Partei fest.
Nach Einschätzung des Volksfreunds dürften die Vorschläge auch in die Debatte über ein neues Grundsatzprogramm eingehen. Die AfD will es auf ihrem Parteitag 2027 verabschieden. Ihre bisherigen Leitlinien stammen aus dem Jahr 2016.





