Bericht: USA werben für Neustart des russischen Gastransits durch die Ukraine

lake-c31f8d7a-87d3-42dd-9e9d-34985a053845-0.webp

Washington dringt nach einem Bericht des Wall Street Journal darauf, russisches Erdgas rasch wieder durch die Ukraine nach Europa zu liefern. Der Vorstoß gehört demnach zu Gesprächen über ein Ende der Angriffe auf Energieanlagen noch vor dem Winter. In Deutschland und der Ukraine stößt der Plan auf…

US-Gesandte schlagen Verkauf über Zwischenhändler vor

Das Wall Street Journal stützt seinen Bericht auf Regierungsvertreter aus den USA, Europa und der Ukraine. Ihnen zufolge brachten die US-Sondergesandten Jared Kushner und Steve Witkoff den Plan bei Besuchen in Moskau und Kiew im September 2026 ein. Auch bei ihrem Moskauer Treffen mit dem russischen Vertreter Kirill Dmitrijew soll die Wiederaufnahme der Gasexporte Thema gewesen sein.

Nach dem Vorschlag würden amerikanische Zwischenhändler das russische Erdgas verkaufen, um die EU-Sanktionen gegen Russland zu umgehen. In mehreren europäischen Hauptstädten gibt es dagegen Widerstand.

Die Bundesregierung unter Kanzler Merz lehnt den Vorstoß nach einem Bericht der Berliner Zeitung ab, die sich auf die New York Times vom 17. Oktober 2026 beruft. Demnach warnen europäische Beamte, vor allem aus Deutschland, davor, Russland erneut energiepolitischen Einfluss zu verschaffen.

Auch aus Kiew kam ein Nein: Nach einem Bericht von Le Monde stellte Witkoff einer ukrainischen Delegation am 9. Oktober 2026 in Florida den Vorschlag vor, die stillgelegten Pipelines durch die Ukraine wieder vollständig in Betrieb zu nehmen. So sollten russisches Gas und Öl erneut in die EU gelangen. Der ukrainische Militärgeheimdienstchef Budanow habe dies zurückgewiesen. Die französische Zeitung beruft sich auf einen Augenzeugen aus dem Umfeld der ukrainischen Teilnehmer.

Angriffe auf Energieanlagen dauern an

Während über einen Schutz der Energieinfrastruktur verhandelt wird, melden beide Seiten weitere Angriffe. Nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj verursachten russische Drohnen in der Nacht zu Samstag massive Stromausfälle: In den Regionen Kiew und Dnipropetrowsk waren rund 280.000 Haushalte ohne Strom.

Der russische Vizeministerpräsident Alexander Nowak erklärte seinerseits laut Ria Nowosti, die Ukraine habe nach einer Pause wieder russische Raffinerien angegriffen.

Die EU plant den Ausstieg aus russischem Gas

Der US-Vorschlag trifft auf einen bereits begonnenen Rückzug der EU aus russischen Gasimporten. Wie Big News Network unter Berufung auf die New York Times berichtet, lässt die EU seit Juni 2026 Lieferungen im Rahmen einiger kurzfristiger Pipeline-Verträge auslaufen. Für russisches Flüssigerdgas (LNG) ist ein Importverbot ab Januar 2027 vorgesehen, für Pipeline-Gas ab September 2027. Bis Ende 2027 soll der Ausstieg vollständig sein.

Seit der Transit durch die Ukraine im Januar 2025 endete, gelangt russisches Pipeline-Gas nur noch über TurkStream in die EU. Russlands Anteil an den Gasimporten der EU sank von rund 45 Prozent vor der Eskalation des Ukraine-Konflikts 2022 auf etwa 12 Prozent im Jahr 2025.

Trotzdem bezog die EU 2025 noch 36 Milliarden Kubikmeter russisches Gas über Pipelines und als LNG. Allein die Käufe russischen Flüssigerdgases hatten Schätzungen zufolge einen Wert von 7,2 Milliarden Euro, fast eine Milliarde Euro mehr als 2024.

Russland richtet seine Energieexporte unterdessen stärker auf Asien aus. Die Erdgaslieferungen nach China stiegen 2025 gegenüber dem Vorjahr um 24,8 Prozent auf 38,8 Milliarden Kubikmeter. Präsident Wladimir Putin erklärte, Moskau sei zu Brennstofflieferungen an EU-Länder bereit, benötige dafür aber ein Signal aus Brüssel. Russland wolle die Machbarkeit und Wirtschaftlichkeit solcher Exporte prüfen, statt darauf zu warten, dass Europa die Tür schließe.

Welche Einnahmen mit dem Transit entfielen

Das Ende des Gastransits zum 1. Januar 2025 kostet die Ukraine nach Angaben aus Kiew jährlich bis zu eine Milliarde US-Dollar an Transitgebühren. Für Gazprom bezifferte Reuters die entfallenden Gaseinnahmen auf nahezu fünf Milliarden US-Dollar.

Die über die Ukraine transportierten Mengen waren schon zuvor stark zurückgegangen. Zum Beginn des letzten Fünfjahresvertrags 2020 waren es noch 65 Milliarden Kubikmeter, 2023 nur etwa 15 Milliarden Kubikmeter. Die gesamten russischen Pipeline-Lieferungen nach Europa hatten ihren Höchststand 2018 mit 201 Milliarden Kubikmetern erreicht.

Weitere Gespräche und humanitäre Einsätze im Blick

Neben den Beratungen über Energiefragen stehen weitere diplomatische Kontakte im Raum. Selenskyj bekräftigte am Sonntag im Interview mit CNN Türk seine Bereitschaft, Putin direkt in der Türkei zu treffen. Ein Treffen in Moskau, wie es Putin wiederholt angeboten hatte, lehnt der ukrainische Präsident dagegen kategorisch ab. Selenskyj hatte außerdem die Hoffnung geäußert, dass Unterhändler der Ukraine, Russlands und der USA vom 6. bis 10. November in Abu Dhabi zusammenkommen könnten.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow erklärte am Rande eines G20-Treffens in Atlanta, die Position seiner Regierung habe sich nicht geändert. Selenskyjs Äußerungen über Angriffe auf russische Ziele erschwerten die Vorbereitung neuer Gespräche. Auch im Verhältnis zu Washington seien grundlegende Fragen offen: Die Sanktionen gegen Moskau bestünden fort, ebenso die Waffenlieferungen an Kiew.

Eine begrenzte Zusammenarbeit gab es bei der Evakuierung von Menschen aus dem russisch besetzten Oleschky. Dafür hatten die USA eine lokale Waffenruhe vermittelt, die nach sechs Tagen um Mitternacht Moskauer Zeit auslief. Nach Angaben des ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten Dmytro Lubinez hielten beide Seiten ihre Zusagen ein. Gemeinsam mit seiner russischen Amtskollegin Jana Lantratowa prüft er nun Möglichkeiten für weitere humanitäre Einsätze dieser Art.

#Ukraine-Krieg#Sanktionen#Europäische Union#Russland#USA
← Zurück zu Energie

Weitere Meldungen