Hessen verliert jährlich über 22 Millionen Kubikmeter Trinkwasser durch Rohrnetzverluste

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Mehr als 22,8 Millionen Kubikmeter Wasser verschwinden jährlich aus Hessens Leitungsnetzen. Experten sehen erheblichen Sanierungsbedarf bei der Infrastruktur, doch höhere Investitionen könnten steigende Wasserpreise bedeuten.

Hessen verliert jährlich über 22 Millionen Kubikmeter Trinkwasser durch Rohrnetzverluste

Jedes Jahr verschwinden Millionen Liter Trinkwasser aus den Leitungsnetzen in Hessen, bevor sie die Verbraucher erreichen. Die Gründe reichen von undichten Rohren und Leckagen bis hin zu regulärem Wasserverbrauch durch Feuerwehreinsätze und Rohrnetzspülungen.

Im Jahr 2024 betrugen die Rohrnetzverluste in Hessen mehr als 22,8 Millionen Kubikmeter Wasser. Dies geht aus einer Antwort des Umweltministeriums auf eine parlamentarische Anfrage des fraktionslosen Landtagsabgeordneten Maximilian Müger hervor. Bundesweit summierten sich die Wasserverluste durch Leckagen nach OECD-Daten aus dem Jahr 2022 auf etwa 469 Millionen Kubikmeter. Hessen trägt damit trotz nur rund sieben Prozent der deutschen Bevölkerung etwa fünf Prozent zu den nationalen Wasserverlusten bei.

Regional verteilen sich die Verluste unterschiedlich: Im Regierungsbezirk Darmstadt lag die Differenz zwischen eingespeister und erfasster Wassermenge bei rund 14 Millionen Kubikmetern. In Gießen waren es etwa fünf Millionen Kubikmeter, in Kassel drei Millionen Kubikmeter.

Nicht alle Verluste sind echte Leckagen

Sebastian Exner, stellvertretender Geschäftsführer des Landesverbands Energie- und Wasserwirtschaft Hessen/Rheinland-Pfalz, erklärte, dass die Wasserverlustquote zunächst eine statistische Sammelkategorie sei. Sie beschreibe die Differenz zwischen der ins Netz eingespeisten Wassermenge und der bei den Abnehmern gemessenen oder anderweitig erfassten Menge.

Zur Verlustquote zählen nicht nur undichte Leitungen, sondern auch Wasser für Feuerwehreinsätze, Rohrnetzspülungen, Friedhofsbrunnen und der sonstige Eigenbedarf von Kommunen. Dennoch gebe es tatsächliche Verluste im Leitungsnetz, betonte Exner. Wasser könne durch Rohrbrüche, undichte Verbindungen oder kleinere Lecks austreten und im Boden versickern.

Wie hoch die Verluste ausfallen, hängt von mehreren Faktoren ab: dem Material der Leitungen, der Anzahl der Verbindungsstellen, dem Leitungsdruck sowie der Topographie und der Bodenbeschaffenheit. Forschungsergebnisse zeigen, dass gut gewartete Wassersysteme typischerweise Verluste von drei bis sieben Prozent aufweisen, während bei mäßig gewarteten Systemen 20 bis 30 Prozent verloren gehen können. Im europäischen Vergleich liegt die durchschnittliche Wasserverlustrate bei etwa 25 Prozent.

Kontinuierliche Überwachung und gezielte Suche

Wasserversorger überwachen ihre Netze fortlaufend und vergleichen die eingespeiste Wassermenge mit den erfassten Entnahmen. Fällt die Differenz in einem Netzabschnitt ungewöhnlich groß aus, wird dieser Bereich gezielt untersucht. Dabei kommen unter anderem Funkwasserzähler und akustische Verfahren zum Einsatz, bei denen die Geräusche austretenden Wassers helfen, eine Leckage einzugrenzen.

Ein Rohrbruch werde dadurch allerdings nicht automatisch sofort erkannt, erläuterte Exner. Zunächst müsse es einen Hinweis oder eine auffällige Differenz geben. Eine ungewöhnlich hohe Entnahme könne beispielsweise auch durch einen neu befüllten Pool oder eine andere zusätzliche Nutzung verursacht werden. Nicht jede Abweichung weise auf einen Wasserverlust hin.

Sanierungsbedarf und Finanzierungsfragen

Nach Einschätzung von Exner sind die Sanierungsquoten in vielen Kommunen zu niedrig, um die Wasserinfrastruktur dauerhaft zu erhalten. Mehr Investitionen in die Leitungsnetze seien grundsätzlich sinnvoll. Deutschlandweit werden nach einer Studie im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen rund 800 Milliarden Euro an Investitionen in die Wasserinfrastruktur bis 2045 benötigt. Die derzeitigen jährlichen Investitionen von etwa zehn Milliarden Euro müssten auf 40 Milliarden Euro pro Jahr vervierfacht werden.

Seit 1990 wurden bundesweit mehr als 80 Milliarden Euro in die Wasser- und Abwasserinfrastruktur investiert, wobei nur 20 Milliarden Euro in ostdeutsche Bundesländer flossen. Die Wasserversorgung in Deutschland wird im Wesentlichen über Wasserpreise und Gebühren finanziert. Höhere Investitionen könnten deshalb zu steigenden Kosten für Verbraucher führen. Die Wasserpreise variieren bereits heute erheblich zwischen einzelnen Kommunen, wobei Haushalte in manchen Regionen bis zu achtmal mehr zahlen als in anderen.

Wie viel saniert werde, sei daher nicht nur eine technische, sondern auch eine politische Frage, betonte Exner. Es müsse abgewogen werden, welche Kosten den Verbrauchern zugemutet werden könnten und welche Investitionen für eine sichere Versorgung notwendig seien. Die Trinkwasserversorgung liegt in Deutschland überwiegend in den Händen lokaler Behörden und wird nicht gewinnorientiert betrieben. Mit etwa 6.700 Wasserwerken, von denen die meisten kleine dörfliche Versorgungssysteme in ländlichen Gebieten sind, ist die Struktur stark fragmentiert.

Das Umweltministerium verwies unter anderem auf das Programm der Hessenkasse, das Kommunen für Investitionen in die Trinkwasserversorgung nutzen könnten. Zusätzlichen Druck zur Verbesserung der Infrastruktur könnte die EU-Trinkwasserrichtlinie (EU) 2020/2184 ausüben, die ab 2026 die größten Wasserversorgungsunternehmen in der Europäischen Union verpflichtet, echte Wasserverluste zu melden.

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