An der Weißen Düne fehlen die Strandzugänge
Die jüngsten Sturmfluten haben die Dünenkante an der Weißen Düne auf Norderney nach Schätzung des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) um mehr als sechs Meter zurückgedrängt. Zurück blieb eine meterhohe Abbruchkante. Nach Angaben des Staatsbads gibt es dort inzwischen keine Zugänge zum Strand mehr.
Ob der beliebte Abschnitt im nächsten Sommer wieder für Badegäste ausgestattet wird, ist offen. "Stand jetzt ist die Tendenz, dass da im nächsten Jahr nichts mehr aufgebaut wird", sagte ein Sprecher des Staatsbads der Deutschen Presse-Agentur. Weil jede neue Sandaufschüttung Geld koste, müsse man den Abschnitt wohl zunehmend der Natur überlassen.
Bereits 2026 hatte das Staatsbad den Badebetrieb wegen des fehlenden Sandes eingestellt. Eine Sandaufbringung ermöglichte lediglich eine eingeschränkte Nutzung: Vom 21. Mai an standen im westlichen Bereich rund 60 Strandkörbe bereit, bewachtes Baden war nicht möglich. Nach Angaben des Staatsbads war die Zahl der Strandkörbe schon in den Vorjahren gesunken; einige Jahre zuvor hatte es dort noch 500 gegeben.
Für die Sandaufbringung mit Kosten im sechsstelligen Bereich hatte das Staatsbad im Februar 2026 Unterstützung beim Land Niedersachsen beantragt. Aus einer Drucksache des Niedersächsischen Landtags geht hervor, dass der NLWKN am 19. März eine Beteiligung aus Küstenschutzmitteln ausgeschlossen hatte: Die Schutzfunktion der Düne sei nicht gefährdet, die Veränderungen seien Folge der natürlichen Sedimentdynamik. Die schriftliche Absage an das Staatsbad folgte am 27. Mai.
Warnschilder machen jetzt auf die Gefahr durch abbrechenden Sand aufmerksam. "Wer nah an die Kante rangeht, läuft Gefahr, dass man da runterbricht", warnte der Staatsbad-Sprecher. Weiter westlich, am Strandabschnitt Kugelbake, hat die See ebenfalls Sand vor der Schutzdüne abgetragen. Der NLWKN beziffert den dortigen Dünenrückgang auf bis zu vier Meter. Die erst 2022 verstärkten Dünen bieten weiterhin Schutz.
Wangerooge rechnet mit hohen Wiederherstellungskosten
Am Hauptbadestrand von Wangerooge fehlen nach Schätzungen bereits mehr als 40.000 Kubikmeter Sand. Die Kurverwaltung führt die Schäden auf zwei leichte Sturmfluten zurück. Die Inselgemeinde berichtete Ende Oktober, etwa die Hälfte des Hauptbadestrandes sei verloren gegangen. Über mehrere Hundert Meter erstrecken sich demnach Abbruchkanten, die bis zu zehn Meter hoch sind.
Für den Badebetrieb 2027 muss im Frühjahr mit Maschinen neuer Sand aufgebracht werden. Kurdirektorin Rieka Beewen bezifferte die bereits absehbaren Kosten in einer Mitteilung auf weit über 330.000 Euro, obwohl die Sturmsaison gerade erst begonnen habe. Der intakte Badestrand bilde die wirtschaftliche Grundlage des Tourismus auf Wangerooge. Die Kurverwaltung könne die Ausgaben kaum allein schultern und hoffe auf Hilfe vom Land Niedersachsen und vom Landkreis Friesland.
Noch höhere Kosten befürchtet der stellvertretende Bürgermeister Peter Kuchenbuch-Hanken (Grüne), falls weitere Sturmfluten den Hauptbadestrand vollständig wegspülen. Ende Oktober nannte er für eine dann notwendige Wiederherstellung eine mögliche Summe von einer halben bis zu einer Million Euro. Seinen Angaben zufolge ist zwar der Bund Eigentümer, übernimmt solche Ausgaben aber nicht: Der Sandstrand diene dem Tourismus, nicht dem Küstenschutz.
Schon im Frühjahr hatte Wangerooge für die Saison 2026 insgesamt 30.000 Kubikmeter Sand aufbringen lassen. Dafür fielen bei der Kurverwaltung rund 230.000 Euro an; auch der Landkreis Friesland förderte die Arbeiten. Beewen erklärte damals, im vorangegangenen Winter habe es acht leichte Sturmfluten gegeben. Viele kleinere Sturmereignisse hätten inzwischen ähnliche Auswirkungen wie früher ein großer Sturm.
Nicht nur der Badestrand ist betroffen. An den Nordostdünen wurde ein Sanddepot abgetragen, das erst 2025 zum Dünenschutz angelegt worden war. Dort stellte der NLWKN einen Rückgang von durchschnittlich etwa vier Metern fest. Möglicherweise muss das Depot 2027 erneut aufgefüllt werden.
Sandverluste auch auf weiteren Inseln
Auf Borkum zeigen sich unterschiedliche Folgen der Sturmfluten: Während die See mancherorts Sand ablagerte, hinterließ sie an anderen Stellen Abbruchkanten. Für die Kobbedünen im Osten der Insel meldet der NLWKN einen Rückgang um etwa drei Meter. Im Westen von Juist wurden bis zu fünf Meter gemessen.
Am Pirolatal auf Langeoog trugen die Sturmfluten den künstlich aufgeschütteten Sandkörper auf einer Breite von vier bis zehn Metern teilweise ab. Er ist der eigentlichen Schutzdüne vorgelagert und soll sie gegen Wind und Wellen abschirmen. Die Schutzdüne selbst, die den Inselort und das Gebiet zur Trinkwassergewinnung sichert, wurde nicht beschädigt.
Vor den Zeltplatzdünen auf Spiekeroog brach in geringem Umfang Sand ab. Baltrum blieb als einzige der Ostfriesischen Inseln ohne festgestellte Dünenabbrüche.
Schutzfunktion der Dünen bleibt erhalten
Eine akute Gefahr sieht der NLWKN trotz der Sandverluste nicht. Sämtliche Schutzdünen der Ostfriesischen Inseln erfüllten weiterhin ihre Funktion. "Es liegt keine Gefährdungslage vor", teilte der Landesbetrieb mit.
Welche zusätzlichen Küstenschutzmaßnahmen 2027 erforderlich sein könnten, steht noch nicht fest. Die Sturmflutsaison hat erst begonnen und reicht üblicherweise von Oktober bis April.







