Mutti zieht solide Bilanz in einer von extremen Wetterbedingungen geprägten Saison
Mutti, Europas führende Unternehmensgruppe im Markt für Tomatenprodukte, hat die Tomatensaison 2026 erfolgreich abgeschlossen und dabei 775.000 Tonnen Rohtomaten verarbeitet. Das Unternehmen konnte seine hohen Qualitätsstandards und die operative Kontinuität trotz erheblicher klimatischer Herausforderungen aufrechterhalten.
Die Verarbeitungssaison begann in diesem Jahr bereits am 10. Juli und damit so früh wie nie zuvor in der Geschichte des Unternehmens. Diese Verschiebung war eine direkte Folge außergewöhnlich hoher Temperaturen, die die Reifung der Tomaten deutlich beschleunigten. Damit setzt sich ein besorgniserregender Trend fort: Italien ist als zweitgrößter Verarbeiter von Tomaten weltweit mit einer Produktion von 6,35 Millionen Tonnen im Jahr 2026 zunehmend von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen.
Niedrigste Erträge seit 2011 in Norditalien
Besonders in Norditalien, wo Mutti seine Hauptproduktionsstandorte in den Regionen um Parma, Piacenza und Ferrara betreibt, zeigten sich die Folgen extremer Wetterereignisse deutlich. Die Erträge pro Hektar lagen mit 66,3 Tonnen deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt von 71,6 Tonnen pro Hektar und gehörten damit zu den niedrigsten seit 2011. Heftige Hagelstürme und die anhaltende Hitze beeinträchtigten die Pflanzenentwicklung erheblich.
Massimo Perboni, Director of Agricultural Services bei Mutti SpA, erklärte:
Aus agronomischer Sicht hat die Saison 2026 bestätigt, dass uns die Klimakrise mit neuen Szenarien konfrontiert, auf die wir bislang noch nicht vollständig vorbereitet sind. Den Beginn der Verarbeitungssaison auf Anfang Juli vorzuverlegen, war eine Reaktion auf die durch die Hitze beschleunigte Reifung, während es in der zweiten Hälfte des Sommers zu einem deutlichen Rückgang der Brix-Werte und niedrigeren Erträgen kam.
Die Brix-Werte, die den Gehalt an gelösten Feststoffen wie Zucker, Vitaminen und Mineralstoffen in den Tomaten messen und mit einem Refraktometer bestimmt werden, sind ein entscheidender Qualitätsindikator in der Tomatenverarbeitung.
Süditalien zeigt höhere Resilienz
Im Gegensatz zu Norditalien erwies sich Süditalien als widerstandsfähiger gegenüber den klimatischen Belastungen. Bei einigen Kulturen, insbesondere bei den für Pelati verwendeten Tomaten, wurde sogar eine außergewöhnlich hohe Qualität erreicht. Diese regionale Differenzierung ermöglichte es Mutti, durch seine flexible Produktionsorganisation und enge Verbindung zu den verschiedenen Anbaugebieten die Gesamtqualität der Endprodukte zu sichern.
Dennoch verdeutlichen Klimamodelle die langfristigen Herausforderungen: Wissenschaftliche Studien, die in Nature Food veröffentlicht wurden, prognostizieren einen Produktionsrückgang von 6 Prozent bis 2050 in den drei Hauptproduktionsländern USA, Italien und China im Vergleich zum Zeitraum 1980-2009. Jedes Grad Temperaturanstieg führt in der Region Emilia Romagna zu einem Ertragsrückgang von 0,3 Tonnen pro Hektar.
Dringender Investitionsbedarf in Infrastruktur
CEO Francesco Mutti forderte angesichts dieser Entwicklungen entschlossenes Handeln:
Die Widerstandsfähigkeit der Branche darf nicht von günstigen äußeren Bedingungen abhängen. Es braucht umgehend Investitionen in die Infrastruktur und eine verantwortungsvolle Planung.
Diese Forderung gewinnt vor dem Hintergrund der italienischen Infrastrukturprobleme besondere Bedeutung. Im Land existieren 531 große Staudämme, die vor über 50 Jahren errichtet wurden und heute aufgrund nie beseitigter Sedimentablagerungen nur noch mit etwa 35 Prozent ihrer ursprünglichen Kapazität arbeiten.
Die italienische Tomatenverarbeitungsbranche hat einen industriellen Umsatz von über 4 Milliarden Euro und ist mit Exporten von mehr als 2,2 Milliarden Euro weltweit führend beim Export von Tomatenkonserven. Mutti selbst verzeichnete 2025 einen Umsatz von 777 Millionen Euro und hält einen Marktanteil von etwa 31 Prozent in Italien sowie 16,3 Prozent in Europa. Die Herausforderungen der Saison 2026 unterstreichen die Notwendigkeit struktureller Anpassungen, um die Zukunftsfähigkeit dieser für die italienische Wirtschaft bedeutenden Branche zu sichern.







