Münster: Hobby-Winzer produziert ersten Federweißer aus dem Münsterland
Während viele die letzten warmen Tage des Jahres noch genießen, hat für Dieter Reinhard die arbeitsintensivste Zeit begonnen. Der Hobby-Winzer erntet derzeit auf Münsters einzigem Weinberg – und plant damit eine kleine Premiere: den ersten Federweißer aus dem Münsterland.
Auf wenigen hundert Quadratmetern kultiviert der gelernte Weinbau-Ingenieur 99 Rebstöcke, die maximale Anzahl für Privatpersonen. Die Trauben, hauptsächlich der Sorte Cabernet Blanc, gedeihen prächtig.
Perfektion!
urteilt Reinhard über die Qualität seiner Ernte. An der Süße der Trauben erkennt der Fachmann sofort:
Das ergibt am Ende so zehn bis elf Volumenprozent Alkohol.
Klimawandel macht Weinbau möglich
Dass überhaupt Wein in Münster wächst, ist bemerkenswert. Das Münsterland gehört nicht zu den historischen Weinregionen Deutschlands – das Klima galt lange als ungeeignet. Doch die steigenden Temperaturen ändern die Bedingungen. Der besonders heiße Sommer 2026 hat den Reben ausgesprochen gut getan.
Reinhard ist überzeugt, dass sich die Weinbaugebiete in Zukunft weiter nach Norden verschieben werden. Tatsächlich sind in den letzten Jahren etwa 20 Weingüter in Niedersachsen entstanden, wo Weinbau früher undenkbar war. Die Erntezeiten haben sich gegenüber den 1990er Jahren um rund einen Monat nach vorne verschoben.
Die Wahl der Rebsorte ist dabei entscheidend. Cabernet Blanc, eine krankheitsresistente Hybridsorte, die 1991 vom Schweizer Züchter Valentin Blattner entwickelt wurde, eignet sich besonders für kühlere Lagen. Die Sorte zeigt starke Widerstandsfähigkeit gegen Pilzkrankheiten wie Mehltau und benötigt weniger chemische Behandlungen – ideal für Hobby-Winzer und nördliche Regionen.
Premiere zum Handorfer Herbst
Aus den hellen Trauben soll nun erstmals Federweißer aus Münster entstehen. Das Besondere an diesem traditionellen Herbstgetränk: Der frisch gepresste Traubensaft befindet sich noch in der Gärung und erreicht einen Alkoholgehalt zwischen vier und elf Prozent. Federweißer ist nur von Anfang September bis Ende Oktober verfügbar und muss schnell konsumiert werden.
Die Herstellung stellt besondere Anforderungen: Wegen der fortlaufenden Gärung kann Federweißer nicht luftdicht verschlossen werden, da das entstehende Kohlendioxid die Flaschen zum Platzen bringen würde. Dies macht den Transport schwierig und beschränkt das Getränk auf lokale Vertriebswege.
Gepresst und zu Federweißer vergoren werden Reinhards Trauben daher in einem befreundeten Betrieb in der Nähe von Osnabrück. Dort, an den Hängen des Teutoburger Walds, wird seit 2018 ebenfalls im kleinen Rahmen Wein angebaut. Die Trauben müssen vorher aber noch einige Tage die letzten Sonnenstrahlen nutzen, um die optimale Reife zu erreichen.
Pünktlich zum Fest Handorfer Herbst am 27. September soll der erste Münsterländer Federweißer fertig sein. Traditionell wird das Getränk in den deutschen Weinregionen gemeinsam mit Zwiebelkuchen genossen – die Süße und Leichtigkeit des gärenden Traubensafts harmoniert perfekt mit dem herzhaften Gebäck.
Vom Weinberg zum eigenen Wein
Vor acht Jahren übernahm Reinhard den verwilderten Weinberg im Norden Münsters. Seitdem verfolgt er einen großen Traum: einen eigenen Wein aus Münster zu produzieren. Ob dieser Plan aufgeht, bleibt abzuwarten. Eines steht für den Weinbau-Ingenieur aber jetzt schon fest:
Am liebsten trinke ich aber Weißwein.



