Daten zwischen Cloud und lokalem Server verschieben
Bei der "Microsoft Frontier Tour" am 22. Oktober 2026 im Kölner Confex präsentierten Nadella und seine Kollegen Anpassungen am Produktangebot, die Kunden mehr Entscheidungsspielraum beim Umgang mit ihren Daten geben sollen. Laut Microsoft besuchten mehr als 5.000 Menschen die Veranstaltung im Konferenzzentrum der Messe Köln, auf deren Programm mehr als 80 Vorträge standen.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wo Daten gespeichert werden und wie Kunden darüber bestimmen können. Azure bietet bereits lokale Speicherung und Einblick in den Speicherort von Cloud-Daten. Microsoft erweitert diese Möglichkeiten und macht die Steuerung flexibler: Daten können unkompliziert aus der Cloud auf einen lokalen Server verlagert und auch vollständig vom Internet getrennt werden. Nadella beschrieb den Anspruch so: "Du kannst bestimmen, was wohin geht und wie du es dynamisch ändern kannst".
Für mehr Übersicht soll das in Köln angekündigte "Sovereign Control Panel" sorgen. Die zentrale Ansicht im Azure-Portal bündelt Souveränitätssignale. Sie soll Kunden helfen, Risiken zu steuern und Szenarien für die Aufrechterhaltung ihres Betriebs zu entwickeln.
Mit "Azure Confidential Clean Rooms" können Unternehmen sensible Daten zusammen mit Partnern auswerten, ohne sie dabei offenlegen zu müssen. Die Verschlüsselung soll das Missbrauchsrisiko verringern. "Selbst bei der Nutzung ist alles verschlüsselt", sagte Nadella.
Die Frage nach dem Speicherort von Daten beschäftigt Microsoft auch außerhalb Deutschlands. Im Gespräch zu den Ergebnissen des ersten Quartals des Fiskaljahres 2026 am 29. Oktober 2025 berichtete der Konzern, Azure-Kunden bauten in 33 Ländern eigene Cloud- und KI-Kapazitäten innerhalb der jeweiligen Landesgrenzen auf, um lokale Vorgaben zur Datenresidenz zu erfüllen. In Deutschland würden OpenAI und SAP Azure für neue KI-Angebote für den öffentlichen Sektor nutzen.
Auch Sicherheitsrisiken sprach Nadella in Köln an. Nach einem Bericht von RP Online bezeichnete er die PHP-Sicherheitslücke zum Auftakt als Weckruf. Sie habe IT-Verantwortlichen eine schlaflose Nacht bereitet; Vergleichbares habe er lange nicht gesehen. Seine Mahnung: Bei IT-Systemen müssten neben einzelnen Anwendungen auch deren Abhängigkeiten betrachtet werden.
SPD-Politiker bezweifelt Schutz vor US-Einfluss
Die Debatte über Europas digitale Souveränität betrifft nicht nur technische Kontrollmöglichkeiten, sondern auch die Abhängigkeit von US-Anbietern. Der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Schätzl, hält Microsoft derzeit für notwendig, will diese Abhängigkeit aber überwinden. "Wir brauchen Microsoft für die Digitalisierung Deutschlands mit KI-Anwendungen, aber hoffentlich nur für eine gewisse Zeit", sagte er der dpa. "Letztlich sind wir abhängig von dem US-Konzern, aus dieser Abhängigkeit müssen wir raus."
Schätzl spricht von einem "Grundvertrauen" in das Unternehmen, sieht dessen Zusicherungen zum Schutz europäischer Daten und zur Einhaltung von EU-Vorgaben jedoch skeptisch. Microsoft unterliege als US-Konzern über den US-Cloud-Act dem Willen der amerikanischen Regierung. Die deutsche Tochter bleibe vom Mutterkonzern abhängig.
Auch die Preise führt Schätzl auf die starke Marktstellung zurück: Microsoft könne deshalb recht hohe Beträge verlangen. "Auch finanziell wäre es gut für uns, wenn es mehr Wettbewerb gäbe bei Softwarelösungen für den Alltag der Bürger, Behörden und Firmen."
Wie Unternehmen Copilot und andere KI-Anwendungen einsetzen
Microsoft ist mit Programmen wie Word bei Privatkunden, Unternehmen und Behörden breit vertreten. Zunehmend setzt der Konzern auf Copilot: Die KI-Anwendung soll Recherche und Datennutzung effizienter machen. Zu den Kunden gehören neben Volkswagen auch der Agrarchemiekonzern Bayer, die Fluggesellschaft Lufthansa und der Hausgerätehersteller Miele.
Volkswagen bestellte kürzlich Copilot-Lizenzen für 330.000 Beschäftigte. Zur tatsächlichen Nutzung nannte Microsoft auf der Frontier Tour weitere Zahlen: Mehr als 300.000 Nutzerinnen und Nutzer seien monatlich aktiv. Im Vormonat seien im Konzern zudem mehr als 26.000 KI-Agenten eingesetzt worden.
Bei der Kölner Marketingveranstaltung wurde auch der Einsatz eines Microsoft-KI-Assistenten bei TK Elevator vorgestellt. Das Düsseldorfer Unternehmen nutzt ihn zur Vorbereitung seiner Techniker auf Wartungs- und Serviceeinsätze sowie zur präzisen Auswertung ihrer Arbeit. Durch die KI sei die Zahl der sogenannten Callbacks um 40 Prozent zurückgegangen. Gemeint sind zusätzliche Besuche, die nötig werden, wenn ein Techniker das Problem beim ersten Einsatz nicht beheben konnte. Weltweit betreuen 25.000 Techniker des Unternehmens 1,4 Millionen Aufzüge und Rolltreppen.
Boehringer Ingelheim setzt digitale Zwillinge von Patienten ein, um Krankheitsverläufe zu simulieren und die Entwicklung von Medikamenten zu beschleunigen. Nach Angaben von Microsoft nutzt das Pharmaunternehmen außerdem 50.000 Lizenzen von "Microsoft 365 Copilot". In Köln kündigte Boehringer Ingelheim einen Ausbau der Zusammenarbeit mit Microsoft an. Zu den Zielen gehört, Krankheitsverläufe und Behandlungsergebnisse mit KI genauer zu modellieren und zu simulieren.
Rechenzentren in NRW und ein Programm für Startups
Microsoft verwies im Zusammenhang mit Nordrhein-Westfalen auf sein Investitionspaket für Deutschland im Umfang von 3,2 Milliarden Euro. Für das Rechenzentrums-Cluster in Bergheim fand der Spatenstich im März 2026 statt. Im Juli 2026 folgte die Ankündigung eines vierten Standorts in Grevenbroich.
Auf der Frontier Tour stellte Microsoft außerdem mit UnternehmerTUM Accelerator, Infineon und NVIDIA das "Physical AI Growth Lab" vor. Unter Leitung von UnternehmerTUM Accelerator soll das Programm zwischen Januar und April 2027 zehn bis 15 Startups aus den Bereichen Physical AI, Robotik und industrielle KI begleiten. Zur Unterstützung gehört Microsoft-Azure-Guthaben von bis zu 350.000 Euro.
Microsoft begründete das Vorhaben unter anderem mit der Roboterdichte in Deutschland: Mit 449 Industrierobotern je 10.000 Beschäftigten liege das Land weltweit auf Rang drei.







