12 Mrd. Euro für Aktionäre, 350 Mio. Euro fürs Wachstum: Was BASF und FACC mit ihrem Cash machen
Was macht ein Unternehmen mit dem Geld, das es verdient? Es kann investieren, Schulden reduzieren, Unternehmen zukaufen oder Kapital an seine Aktionäre zurückgeben. Bei BASF und FACC fallen die Antworten derzeit sehr unterschiedlich aus. Der Chemiekonzern BASF will zwischen 2025 und 2028 mindestens 12 Mrd. Euro über Dividenden und Aktienrückkäufe ausschütten. Die deutlich kleinere FACC AG (ISIN: AT00000FACC2) plant dagegen bis 2030 Investitionen von rund 350 Mio. Euro – zahlt nach zwei Jahren Pause inzwischen aber ebenfalls wieder eine Dividende.
Der Vergleich ist nicht deshalb interessant, weil 2,25 Euro BASF-Dividende irgendwie gegen 0,10 Euro bei FACC aufgerechnet werden könnten. Entscheidend ist die Kapitalallokation dahinter. Beide Unternehmen müssen dieselbe Frage beantworten: Wie viel Geld fließt heute an die Eigentümer – und wie viel bleibt im Unternehmen, um morgen mehr verdienen zu können?
BASF schickt mindestens 12 Mrd. Euro zurück an die Aktionäre
Die BASF SE (ISIN: DE000BASF111) hat ihre Kapitalallokation klar formuliert. Zwischen 2025 und 2028 sollen mindestens 12 Mrd. Euro an die Aktionäre fließen. Rund 8 Mrd. Euro davon entfallen nach heutiger Planung auf Dividenden, mindestens weitere 4 Mrd. Euro auf Aktienrückkäufe.
Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte BASF erneut 2,25 Euro je Aktie. Dieses Niveau soll nach der derzeitigen Ausschüttungspolitik mindestens gehalten werden. Parallel kauft der Konzern eigene Aktien zurück.
Das bedeutet allerdings nicht, dass BASF nicht mehr investiert. Der Chemiekonzern befindet sich lediglich in einer anderen Phase seiner Kapitalallokation. Nach großen Investitionsprojekten soll der Kapitalbedarf sinken. Gleichzeitig will das Management freie Mittel verstärkt an die Eigentümer zurückgeben.
Damit wird der Free Cashflow zur entscheidenden Größe: Er muss Investitionen, Bilanzziele und milliardenschwere Ausschüttungen gleichzeitig tragen.
FACC verteilt 20 bis 30 % – und investiert den größeren Teil der Story
Bei FACC sieht die Ausgangslage anders aus. Für das Geschäftsjahr 2025 zahlte das Unternehmen erstmals nach zwei Jahren ohne Ausschüttung wieder eine Dividende. Sie betrug 0,10 Euro je Aktie.
Wichtiger als dieser einzelne Betrag ist die neue beziehungsweise wieder aktiv gelebte Ausschüttungspolitik. FACC beabsichtigt, künftig 20 bis 30 % des IFRS-Konzernergebnisses nach Steuern als Dividende auszuschütten.
Damit setzt das Management einen Rahmen: Aktionäre sollen am steigenden Ergebnis beteiligt werden. Ein großer Teil des erwirtschafteten Kapitals kann gleichzeitig im Unternehmen bleiben.
Das ist angesichts der Wachstumspläne entscheidend. Bis 2030 will FACC rund 350 Mio. Euro in Technologien, Infrastruktur und das internationale Produktionsnetz investieren. Allein das neue Hightech-Werk in St. Martin im Innkreis steht für rund 120 Mio. Euro.
190 Mio. Euro Finanzierung schaffen zusätzlichen Spielraum
FACC hat Anfang Oktober zudem seine Finanzierung neu aufgestellt. Sieben Banken aus Österreich und Deutschland stellen unter Führung der UniCredit Bank Austria einen Konsortialkredit über 190 Mio. Euro bereit.
Dabei wäre es falsch, die 190 Mio. Euro einfach auf die 350 Mio. Euro Investitionen aufzuschlagen. Der Kredit refinanziert auch die bestehende Konsortialfinanzierung. Gleichzeitig soll er langfristige Finanzierungskapazität sichern und zusätzlichen Spielraum für Investitionen und strategische Wachstumschancen schaffen.
Das zeigt aber, wie eng Kapitalallokation und Wachstumsstrategie inzwischen miteinander verbunden sind. FACC muss zusätzliche Kapazitäten finanzieren, Automatisierung vorantreiben und gleichzeitig die Bilanz im Blick behalten.
Die operative Entwicklung hilft dabei. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 8,6 % auf 526,3 Mio. Euro. Das EBIT verbesserte sich um 38 % auf 25,3 Mio. Euro, während die Nettoverschuldung gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 218,7 auf 182,7 Mio. Euro sank.
Wann wird aus Wachstum auch eine größere Dividendenstory?
Genau hier liegt der Unterschied zu BASF. Der Chemiekonzern definiert Kapitalrückführung derzeit als einen zentralen Bestandteil seiner Strategie. FACC befindet sich stärker in einer Investitions- und Skalierungsphase.
Das muss für Aktionäre kein Nachteil sein. Entscheidend ist, welche Renditen das im Unternehmen verbleibende Kapital erwirtschaftet.
Wenn neue Kapazitäten ausgelastet werden, Automatisierung die Produktivität verbessert und steigende Umsätze überproportional im Ergebnis ankommen, kann aus der heutigen Wachstumsphase langfristig auch eine attraktivere Ausschüttungsstory entstehen. Die 20-bis-30-%-Quote würde steigende Unternehmensgewinne automatisch teilweise an die Aktionäre weiterreichen.
BASF verteilt bereits Kapital in Milliardenhöhe. FACC baut zunächst eine größere Ertragsbasis auf und beginnt gleichzeitig wieder mit Ausschüttungen.
Damit beantworten beide Unternehmen dieselbe Kapitalfrage unterschiedlich – passend zu ihrer jeweiligen Unternehmensphase. Und für FACC dürfte gerade die Kombination interessant werden: investieren, wachsen, profitabler werden und Aktionäre schrittweise stärker am Ergebnis beteiligen.







