Schüsse an mehreren Orten
Die Schüsse fielen am 23. Oktober gegen 10.30 Uhr im Département Yvelines. Nach Angaben der Polizei begann der Angriff in Trappes. Anschließend fuhr der Mann in die benachbarte Gemeinde La Verrière. Nuñez zufolge schoss er an insgesamt drei Orten aus dem Wagen.
Der Bürgermeister von Trappes, Ali Rabeh, nannte eine Tankstelle, einen Spielplatz und ein multidisziplinäres Gesundheitszentrum als Ziele in seiner Stadt. Gegenüber BFMTV äußerte er die Einschätzung, der Mann habe offenbar wahllos gefeuert und ein "Blutbad" anrichten wollen.
Franceinfo berichtete unter Berufung auf fallkundige Quellen, der getötete Mensch sei 26 Jahre alt gewesen. Die vier Verletzten seien 12, 21, 29 und 48 Jahre alt. Rabeh zufolge war das Todesopfer "afrikanischer Herkunft"; ein lebensgefährlich verletzter Mensch sei "maghrebinischer Herkunft". Die Stadt plante eine Anlaufstelle zur psychologischen Betreuung.
Hinweise auf ein rassistisches Motiv
"Die Ermittlungen laufen noch, aber es handelt sich eindeutig um ein terroristisches Verbrechen", sagte Nuñez vor Journalisten in Trappes. Zugleich betonte er, dass die Motive noch nicht abschließend geklärt seien. Der zuständige Staatsanwalt sehe Hinweise auf mögliche rassistische Hintergründe, erklärte der Innenminister.
Präsident Emmanuel Macron bezeichnete den Angriff bei einem Besuch in Trappes als terroristisches, rassistisches Attentat. Nach seiner Darstellung hatte der Verdächtige Menschen wegen ihrer Hautfarbe verschont und die Tat eingeräumt. Auf X äußerte Macron tiefe Erschütterung und würdigte die Sicherheitskräfte. Premierminister Sébastien Lecornu erklärte dort, Sicherheits- und Justizbehörden seien in vollem Einsatz. Er sprach von "sehr ernsten Vorfällen".
Die Pariser Anti-Terror-Staatsanwaltschaft (Pnat) eröffnete Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachts auf gezielte Tötung im Zusammenhang mit einem terroristischen Vorhaben und wegen Waffenbesitzes. Laut 20 Minutes sind insbesondere die Unterdirektion für Terrorismusbekämpfung (SDAT) und der Inlandsgeheimdienst DGSI mit den Ermittlungen betraut. Gegenstand sind auch der Besitz einer Waffe der Kategorie A und die Bildung einer terroristischen Vereinigung zur Vorbereitung von Straftaten gegen Personen.
Verdächtiger und Familienangehöriger in Gewahrsam
Beamte der Brigade anticriminalité (BAC) nahmen den Verdächtigen nach Angaben der Pnat kurz nach den Schüssen in Coignières im Département Yvelines fest. Er kam unmittelbar in Polizeigewahrsam. Dieser kann bei Terrorverfahren bis zu 96 Stunden dauern. Auch eine Person aus seinem direkten familiären Umfeld wurde laut Pnat in Gewahrsam genommen.
Die Staatsanwaltschaft identifizierte den Festgenommenen als den 1987 geborenen Kévin T. aus Plaisir im Département Yvelines. Er war der Polizei unter anderem wegen Diebstahls, Ladendiebstahls, Drogendelikten und Trunkenheit am Steuer bekannt. Sein Strafregister enthält vier von Rechts wegen getilgte Verurteilungen.
Dem Inlandsgeheimdienst DGSI war Kévin T. dagegen bislang nicht bekannt. Er war auch nicht als radikalisiert erfasst und nicht als "fiché S" geführt.
Automatische Waffe und präparierte Wohnung
Nuñez hatte zunächst den Einsatz einer automatischen Waffe gemeldet. Die Pnat präzisierte, der Verdächtige habe eine Maschinenpistole vom Typ Sten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs sowie eine Tränengasgranate verwendet. Die Maschinenpistole gehört zur Kategorie A; Erwerb und Besitz solcher Waffen sind in Frankreich grundsätzlich verboten.
In der Wohnung des Verdächtigen in Plaisir fanden die Ermittler eine Präparierung mit drei Gasflaschen und Elektrokabeln, die über einen Zeitschalter verbunden waren. Die Spezialeinheit RAID und Sprengstoffexperten rückten an. Das Wohngebäude wurde geräumt, das umliegende Viertel am Nachmittag abgeriegelt.







