Geplünderte Geschäfte und verletzte Polizisten
Die Gewalt begann am Samstag gegen 18 Uhr und hielt zunächst bis in die Nacht an. Nach Berichten von El País und dem katalanischen Fernsehsender Betevé wurden neben Geschäften auch Straßenmobiliar, Fahrräder und Motorräder beschädigt. Die katalanische und die städtische Polizei rückten mit insgesamt mehr als 220 Beamten aus, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Nach Behördenangaben wurden 14 Geschäfte im Stadtzentrum geplündert. El Mundo meldete unter Berufung auf die Behörden 33 Brände von Müllcontainern sowie etwa ein Dutzend verletzte Polizeibeamte.
Die Nachrichtenagentur EFE bezifferte die Zahl der an den Zusammenstößen beteiligten jungen Menschen auf rund 600 zum Höhepunkt der Gewalt. El Mundo berichtete von Gruppen mit etwa 500 Jugendlichen. Viele seien Teenager gewesen, hätten sich vermummt und schwarze Kleidung getragen.
Mobilisierung über TikTok und andere Netzwerke
Dem Treffen waren informell verbreitete Aufrufe in sozialen Netzwerken vorausgegangen. Auf TikTok wurde dazu aufgefordert, am Samstag, dem 24. Oktober, ab 17 Uhr zur Plaça Catalunya zu kommen. Laut ElNacional.cat trug die Mobilisierung den Namen "Convocatoria internacional de huelga y movilizaciones estudiantiles y juveniles", auf Deutsch: Internationaler Aufruf zu studentischen und Jugend-Streiks und Mobilisierungen.
Dabei kursierten die Slogans "institutos indignados" und "institutos en lucha" als spanische Entsprechungen der französischen Schülerbewegung "Lycées indignés". Ein konkretes Protestziel blieb dennoch unklar.
Die Mossos d'Esquadra erklärten, die Versammlung sei wegen der fehlenden ordnungsgemäßen Anmeldung nicht genehmigt gewesen. Das katalanische Innenministerium hielt es für möglich, dass die Mobilisierung die Proteste widerspiegelte, die am selben Tag in mehreren europäischen Städten organisiert wurden.
Regionalregierung und Bürgermeister verurteilen die Gewalt
Kataloniens Ministerpräsident Salvador Illa zog eine klare Grenze zwischen Protest und Gewalt. El País zufolge sagte er: "Gewalt hat in Katalonien keinen Platz. Niemals. Protestieren ist ein demokratisches Recht. Angriffe, Einschüchterungen und Sachbeschädigung hingegen nicht".
Bürgermeister Jaume Collboni kündigte am späten Abend auf einer Pressekonferenz Konsequenzen an. Diese sollten sowohl erwachsene Beteiligte an den Gewalttaten als auch die für Minderjährige Verantwortlichen treffen. "Wir werden nicht zulassen, dass das Geschehene ungestraft bleibt", sagte er laut El País. Er bezeichnete die Ausschreitungen als "grundlose Gewalt und Vandalismus" und erklärte: "Wir werden nicht zulassen, dass die Stadt verwüstet wird."
Innenministerin Núria Parlon verurteilte die Ausschreitungen entschieden. Nach ihrer Darstellung hatten nicht organisierte Gruppen die Gewalt ausgelöst; sie hätten damit keinerlei Recht verteidigt.
Auch der Vorsitzende der oppositionellen Partido Popular, Alberto Núñez Feijóo, äußerte sich. Für ihn zeigten die Ausschreitungen, dass Spanien einen Wandel brauche. Er forderte ein verantwortungsvolles Zusammenleben, statt diejenigen anzufeuern, die es gefährdeten.
Kein Zusammenhang mit dem Wohnungsprotest auf dem Platz
Parlon und Collboni grenzten die Randale ausdrücklich vom Zeltlager auf der Plaça Catalunya ab. Dort wird seit Wochen für das Recht auf Wohnen protestiert. Zwischen diesem Protest und den Ausschreitungen bestehe kein Zusammenhang, betonten beide.
Wohnungsnot ist in Spanien nach Darstellung der Deutschen Welle seit Wochen ein zentraler Anlass für Proteste. Auslöser war die Zwangsräumung einer 87-jährigen Frau in Madrid: Sie musste ihre Wohnung am 23. September verlassen und starb am 7. Oktober.
Bereits am 5. Oktober hatte Ministerpräsident Pedro Sánchez vorgezogene Neuwahlen für den 29. November angekündigt. Zuvor waren zwei Dekrete gegen die Wohnungsnot im Parlament gescheitert.
Weitere gewaltsame Proteste in Europa
Am Samstag gab es auch in Städten Frankreichs und Italiens erneut gewaltsame Zwischenfälle bei Protesten sowie Zusammenstöße mit der Polizei. Die Teilnehmer erhoben unterschiedliche Forderungen; zu ihren Beschwerden gehörten hohe Lebenshaltungskosten.
Die Deutsche Welle ordnet die Ereignisse in Barcelona einer europaweiten Protestwelle zu. Diese erfasst demnach Frankreich, Belgien, Italien, Portugal, Spanien, Griechenland, Österreich und Albanien.
Für Frankreich wurden nach offiziellen Angaben 1.800 Festnahmen und mehr als 500 verletzte Polizisten und Feuerwehrleute gemeldet. In Limoges brannte das 1883 errichtete Rathaus nieder.







