Obama wirbt in Georgia für Ossoff und Bottoms – und gegen Trump

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Barack Obama unterstützt die Demokraten im Endspurt vor den US-Zwischenwahlen. Bei einer voll besetzten Kundgebung südlich von Atlanta greift er Donald Trump an und wirbt für Senator Jon Ossoff sowie Gouverneurskandidatin Keisha Lance Bottoms. Während Ossoff in Umfragen deutlich führt, ist das Renn…

Rund 8.000 Plätze besetzt

Für seinen Wahlkampfauftritt in Georgia hat Obama am Mittwoch, dem 28. Oktober, eine volle Halle vor sich: In der Arena at Southlake in Morrow sind nach Angaben der Berichterstattung sämtliche rund 8.000 Plätze besetzt. Draußen warten weitere Tausende an den Sicherheitskontrollen. Wer nicht mehr hineinkommt, verfolgt die Rede teils auf dem Smartphone.

Der frühere Präsident begründet seinen Einsatz mit einer Wechselstimmung, die er im Land wahrnehme. "Ich mache das schon lange. Manche sagen, zu lange. Eine davon ist Michelle Obama", sagt er. Doch diesmal spüre er, dass eine besondere Wahl bevorstehe. Schon am Wochenende zuvor hatte Obama in Michigan für den linken Senatskandidaten Abdul El-Sayed geworben.

In Georgia gilt seine Unterstützung zwei Kandidaten: Jon Ossoff will eine zweite Amtszeit im Senat gewinnen, Keisha Lance Bottoms die erste schwarze Gouverneurin des Bundesstaates werden. Beide erhalten an diesem Abend beinahe ebenso viel Beifall wie Obama selbst.

Zwei Rennen mit unterschiedlicher Ausgangslage

Ossoff liegt den Umfragen zufolge klar vor dem Republikaner Mike Collins. Dennoch hat sein Sitz für die Demokraten besondere Bedeutung: Laut The Current / Georgia Recorder ist er 2026 der einzige demokratische Senator, der sich in einem Bundesstaat zur Wiederwahl stellt, den Trump 2024 gewonnen hat. Nationale Demokraten sehen seinen Erfolg als entscheidend an, um ihren knappen Vorsprung gegenüber den Republikanern im Senat zu halten, berichtet Atlanta News First.

Bei Bottoms ist der Ausgang deutlich offener. Eine am 20. Oktober veröffentlichte Umfrage des Atlanta Journal-Constitution ermittelte 46 Prozent für den Republikaner Rick Jackson und 45 Prozent für die Demokratin; 8 Prozent waren unentschieden. Die University of Georgia befragte dafür vom 7. bis 15. Oktober 1.000 wahrscheinliche Wähler. Die Fehlermarge beträgt 3,1 Prozentpunkte.

Jackson, ein milliardenschwerer Gesundheitsunternehmer, hat nach Angaben des Atlanta Journal-Constitution erheblich mehr Geld für den Wahlkampf ausgegeben als Bottoms. Trump unterstützt ihn; im Oktober trat Jackson bei zwei Veranstaltungen des Präsidenten auf. Eine Woche vor Obamas Besuch hatte Trump in Perry für Collins und weitere republikanische Kandidaten geworben.

Auch die Republican Governors Association griff Bottoms vor der Kundgebung an. Ihre stellvertretende Kommunikationsdirektorin Anna Marian Block erklärte, Obama müsse der Kandidatin zu Hilfe eilen, weil diese ihre eigene Bilanz nicht verteidigen könne.

Mehr als Erinnerungen an die Obama-Jahre

Obamas Auftritte zeigen, wie sehr die Demokraten weiterhin auf ihren früheren Präsidenten angewiesen sind. Seine Popularität bringt Menschen zu Wahlkampfveranstaltungen, seine Reden können allerdings auch jene Kandidaten in den Schatten stellen, für die er wirbt. Eine neue Persönlichkeit, die die zerstrittene Partei ähnlich stark zusammenführt, hat sich bislang nicht durchgesetzt.

In Morrow erschöpft sich die Stimmung jedoch nicht in der Sehnsucht nach früheren Jahren. Viele Besucher treibt Ärger über hohe Preise, den Iran-Krieg und Trumps Regierungsführung an. Sie werfen dem Präsidenten Chaos und persönliche Bereicherung vor.

Der 77-jährige Vietnamveteran Larry Walker trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Wählen ist mein black job". Damit bezieht er sich auf Trumps Behauptung, illegale Einwanderer nähmen Afroamerikanern schlecht bezahlte Arbeitsplätze weg. Viele Schwarze empfanden diese Aussage als rassistisch und herabwürdigend. Für Walker gehört Wählen zur Bürgerpflicht. "Alles, was aus Trumps Mund kommt, sind Lügen", sagt er.

Seine Begleitung Lynn Jackson beklagt, Trump bereichere sich, während andere kaum noch über die Runden kämen. Sie wirft ihm außerdem vor, Menschen wegen ihrer illegalen Einreise auf offener Straße erschießen zu lassen, und fordert rechtsstaatliche Verfahren. Finanzielle Belastungen beschäftigen viele in der Halle: Kürzungen bei der Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung und bei Studierendenkrediten betreffen zahlreiche Besucher, ebenso der Lehrermangel.

Obama wirft der Regierung Ablenkung vor

Obama, Ossoff und Bottoms greifen in ihren Reden die Lebenshaltungskosten, Korruption und hohe Gesundheitsausgaben auf. Obama warnt davor, das Präsidentenamt zur eigenen Bereicherung zu nutzen: "So handeln wir nicht. So handeln Diktatoren in anderen Ländern, aber so handeln wir nicht."

Wie die Regierung von diesen Fragen ablenke, erläutert er an einem Streit über einen seiner Witze. Obamas Vergleich von Trumps goldverziertem Weißen Haus mit einer von Saddam Hussein eröffneten "Cheesecake-Factory" hatte bereits Tage zuvor heftige Reaktionen ausgelöst. Trump und die Republikaner warfen ihm vor, auf die Gäste der amerikanischen Restaurantkette herabzusehen.

Obama hält dagegen, er sei mit seinen Töchtern während ihrer Kindheit regelmäßig dort essen gegangen. "Anders hätte ich deren Kindheit gar nicht überlebt." Bemerkenswert findet er vielmehr, worüber sich Trump empört habe: Der Saddam-Hussein-Vergleich habe den Präsidenten nicht gestört, der Verweis auf die Cheesecake Factory dagegen schon.

Nach Obamas Darstellung mobilisierte die Regierung bis hin zu Finanzminister Scott Bessent gegen den Witz, statt gegen die Inflation vorzugehen. Seine Kritik richtet sich auch an die Presse: Immer neue Angriffe, Lügen und inszenierte Empörung sollten davon ablenken, dass die Rechnungen der Amerikaner höher und ihr Alltag schwieriger würden.

Ossoffs Rolle reicht über die Senatswahl hinaus

Der 39-jährige Ossoff wird bereits als möglicher demokratischer Präsidentschaftskandidat für 2028 gehandelt. Obama unterstreicht dessen Verbindung zum 2020 gestorbenen Bürgerrechtler John Lewis, den er als gemeinsamen Mentor bezeichnet. Sein Lob lässt erkennen, dass er Ossoff auch eine größere politische Rolle zutraut.

Ossoff setzt seinerseits auf scharfe Angriffe gegen Trump. In sechs Tagen werde Georgia den Präsidenten so deutlich zurückweisen, dass sich ein solcher Amtsmissbrauch für lange Zeit nicht wiederhole, ruft er. Aus dem Publikum kommt der aus Obamas Wahlkämpfen bekannte Ruf "Yes we can!".

Auch den Iran-Krieg macht Ossoff zum Thema. Trump habe Frieden versprochen; stattdessen befinde sich das Land seit acht Monaten in einem unnötigen Krieg. Er wirft dem Präsidenten vor, weder einen Weg zum Sieg noch zur Beendigung des Krieges zu finden.

Die Entscheidung fällt am 3. November

Ein erheblicher Teil der Stimmen war beim Auftritt bereits abgegeben: Bis Mittwoch hatten in Georgia rund 2,2 Millionen Menschen gewählt, eine Rekordbeteiligung bei der vorgezogenen Stimmabgabe. Diese endete am Freitag, dem 30. Oktober. Der reguläre Wahltag ist Dienstag, der 3. November.

Für die Tage nach Obamas Kundgebung war auch ein Einsatz der früheren Vizepräsidentin Kamala Harris vorgesehen. Laut Atlanta News First wollte sie in Georgia eine Bürgerversammlung mit NAACP-Präsident Derrick Johnson veranstalten und am Freitag eine Spendenveranstaltung der Demokraten im Fulton County anführen.

Ob die Mobilisierung den Demokraten eine breite Erfolgsserie, die erhoffte "blaue Welle", bringt, bleibt offen. Obama stellt die Zwischenwahlen als Möglichkeit dar, Trump für die kommenden zwei Jahre Grenzen zu setzen und die Chancen seiner Partei für 2028 zu verbessern. Zum Schluss fordert er das Publikum auf: "Diese Wahl ist der Schutzschalter im System, und wir müssen ihn umlegen."

#Iran#USA#Donald Trump
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