Russland nimmt schwere Angriffe auf Kiew nach dreitägiger Pause wieder auf
Russland hat seine Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kiew wieder aufgenommen, nachdem eine dreitägige Unterbrechung der Luftschläge während des Besuchs hochrangiger US-Vermittler beendet wurde. In den frühen Morgenstunden des Montags meldeten ukrainische Behörden massive Raketenangriffe auf die Hauptstadtregion.
Journalisten hörten mehrere heftige Explosionen in Kiew, nachdem Luftalarm ausgelöst worden war. Die Militärverwaltung bestätigte einen Raketenangriff auf die Stadt. Bürgermeister Vitali Klitschko, der die Hauptstadt seit 2014 führt, teilte mit, dass mehrere Menschen unter den Trümmern eines schwer beschädigten Wohnblocks verschüttet worden seien.
Die Behörden forderten die Bewohner auf, wegen der Gefahr weiterer Drohnenangriffe Schutzräume aufzusuchen. Nach offiziellen Angaben wurden sowohl in Kiew als auch in Boryspil östlich der Hauptstadt sowie in der rund 70 Kilometer südwestlich gelegenen Stadt Fastiw Gebäude getroffen.
Dreitägige Angriffspause während diplomatischer Mission
Die staatliche russische Nachrichtenagentur Tass bestätigte zuvor, dass die von Präsident Wladimir Putin angeordnete Angriffspause abgelaufen sei. Putin hatte die Einstellung der Luftschläge auf Kiew für drei Tage verfügt. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte, diese Entscheidung habe mit der Vorbereitung und Aufnahme von Kontakten mit der erwarteten US-Delegation zusammengehangen. Putin betonte jedoch, Russland habe nur zugestimmt, Angriffe auf Kiew zu stoppen, nicht aber einer umfassenden Waffenruhe.
Am Wochenende reisten die US-Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner nach Russland und erstmals seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022 auch in die Ukraine. Die beiden Vertreter von US-Präsident Donald Trump trafen sich am Samstag in Moskau mit Putin und am Sonntag mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj in Kiew. Die Gesandten kamen auf dem Landweg per Zug aus Polen in die ukrainische Hauptstadt, nachdem ihr Flugzeug in Rzeszow gelandet war – russische Angriffe hatten einen direkten Flug nach Kiew unmöglich gemacht.
Witkoff, der seit Juli 2025 als Sondergesandter für Friedensmissionen tätig ist, bezeichnete die Gespräche über eine Beendigung des Krieges am Montag als erfolgreich. Er stellte die Möglichkeit neuer trilateraler Friedensgespräche in Aussicht. Bereits im Februar 2026 hatten in Genf trilaterale Verhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten, der Ukraine und Russland stattgefunden. Zudem informierten die US-Gesandten die in Kiew anwesenden Vertreter Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens über die Entwicklungen.
Ukraine meldet Angriff auf russische Ölraffinerie
Auch Russland meldete Angriffe auf das eigene Territorium. Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf die russische Stadt Saratow an der Wolga seien mehrere Menschen verletzt worden, teilte der regionale Gouverneur Roman Busargin auf dem Messenger-Dienst Telegram mit. In der Region Saratow befindet sich eine große Ölraffinerie des staatlichen Ölkonzerns Rosneft mit einer jährlichen Verarbeitungskapazität von etwa sieben Millionen Tonnen Rohöl. Die Anlage produziert Benzin, Dieselkraftstoff und andere Erdölprodukte, die auch russische Streitkräfte beliefern. Weitere industrielle und militärische Anlagen sind ebenfalls in der Region angesiedelt.
Der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine, der mit der großangelegten Invasion im Februar 2022 begann, befindet sich mittlerweile im fünften Jahr. Die Vereinten Nationen haben bis Juli 2026 über 68.000 zivile Opfer verifiziert, darunter Tote und Verletzte. Die tatsächliche Zahl dürfte deutlich höher liegen.






